Chronik Österreich
04/22/2019

Drahtwurm und Millionenverluste: Die letzten heimischen Erdäpfel

Der Markt kann erstmals nicht durchgehend mit österreichischer Ware versorgt werden.

von Martin Gebhart

Der Wiener Heldenplatz wird am 25. April die Kulisse für eine ungewöhnliche Aktion bieten: Am Vormittag werden dort Traktoren mit Anhängern Halt machen – voll beladen mit Erdäpfeln.

Es sind die letzten heimischen ihrer Art, weil die Ernte im Vorjahr katastrophal ausgefallen ist. Die Erdäpfel sollen mitten in der Bundeshauptstadt an Passanten verteilt werden, um auf die dramatische Situation aufmerksam zu machen.

130.000 Tonnen mussten entsorgt werden

"Es ist das keinesfalls eine Protestkundgebung, es soll eine Sympathieaktion sein", sagt Franz Wanzenböck, Obmann der Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau (IGE). Hinter der Aktion steht neben der IGE auch der nö. Bauernbund, weil in Niederösterreich die größte Anbaufläche für Erdäpfel zu finden ist.

Verursacht hat die schwierige Situation der Drahtwurm, der dafür gesorgt hat, dass rund 130.000 Tonnen an Erdäpfel entsorgt werden mussten. Knollen, die von diesem Ungeziefer befallen worden sind, konnten nicht mehr als Speiseware an den Handel geliefert werden.

Die enorme Hitze und Trockenheit hat die Lage noch verschärft. Wanzenböck: "Der österreichische Markt kann somit erstmals nicht durchgehend mit heimischen Erdäpfeln versorgt werden."

40 Millionen Verlust

Wenn man davon ausgeht, dass in Österreich durchschnittlich pro Kopf rund 50 Kilogramm an Erdäpfeln im Jahr verzehrt werden, so hätten mit den 130.000 Tonnen an aussortierten Erdäpfeln rund 2,5 Millionen Österreicher ein ganzes Jahr lang versorgt werden können. Für die Erdäpfelbauern hat dies österreichweit einen Umsatzverlust von rund 40 Millionen Euro bedeutet. Kein Wunder, dass die Stimmung in der Landwirtschaft enorm gereizt ist.

Deswegen ist mit der Erdäpfelaktion in Wien auch ein Forderungspaket verknüpft. Thema ist unter anderem der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen den Drahtwurm (siehe Artikel rechts). IGE-Obmann Wanzenböck: "Wenn jetzt Ware aus dem Ausland zu uns kommt, muss sichergestellt werden, dass sie nach denselben hohen Standards produziert wurde, wie sie auch von unseren Bauern verlangt werden."

Es könne nicht sein, dass den heimischen Bauern Betriebsmittel entzogen werden, die für die Produktion von Qualitätserdäpfeln notwendig seien, und die Knollen "dann aus dem Ausland kommen, wo die Maßstäbe nicht so streng angelegt werden".

Unterstützt wird die Interessensgemeinschaft bei ihren Forderungen vom niederösterreichischen Bauernbund, der von der Bundesregierung ein Pflanzenschutzprogramm fordert. "Da gehört Bewegung hinein, es kann nicht immer nur um Verschärfungen gehen", heißt es aus dem Bauernbund.

Gleichzeitig müsse natürlich auch um Maßnahmen gegen die Trockenheit gekämpft werden. So hatte sich Hermann Schultes in seiner Zeit als Bauernbundobmann und Landwirtschaftskammerpräsident bereits dafür eingesetzt, dass Donauwasser für die Felder – speziell im Weinviertel – genutzt werden kann.

Notfallzulassungen

Bezüglich des Pflanzenschutzes wurden in NÖ auch politisch bereits erste Initiativen gesetzt. So wurde über einen ÖVP-Antrag im Landtag mehrheitlich die Forderung nach Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel beschlossen. Nicht nur im Hinblick auf die Erdäpfelbauern, sondern auch wegen der Schädlingsprobleme der Rübenbauern wurde damit die Bundesregierung unter Druck gesetzt. Für die IGE ist dieser Schritt aber noch zu wenig. "Es sind nicht besonders effiziente Mittel, die durch die Notfallzulassungen möglich sind", heißt es aus der Landwirtschaft.

Aber zurück zu aktuellen Situation: Ende Mai sollte es die ersten heimischen Erdäpfel, die Heurigen, ab Hof geben. Im Juni werden diese frühen Sorten in den Handelsregalen auftauchen. Wanzenböck: "Wir hoffen auf gute Wachstumsbedingungen, damit die Phase ohne eigene Marktversorgung möglichst kurz bleibt."

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