Umweltsünder am Bisamberg: Autowrack mitten im Schutzgebiet entsorgt
Umweltsünde: Der devastierte blaue Opel mitten im Grün.
Ein besonders dreister Fall von Umweltverschmutzung hat sich vor wenigen Tagen an den Ausläufern des Bisambergs in Floridsdorf ereignet: Ausgerechnet in einem streng geschützten Naherholungsgebiet haben unbekannte Täter ein devastiertes Auto-Wrack am Rande eines Feldweges „entsorgt“ – und sind anschließend geflüchtet. Die Stadt Wien bereitet bereits eine Anzeige vor, die für die Übeltäter schmerzhaft teuer werden könnte.
Natura-2000-Gebiet
Anrainer entdeckten den verrosteten alten Opel Corsa mit eingeschlagener Windschutzscheibe und alarmierten unter anderem den KURIER. Auffindungsort ist so ziemlich genau der nördlichste Punkt der Bundeshauptstadt zwischen Stammersdorfer und Brünner Straße, der über eine besonders ausgeprägte Fauna und Flora verfügt: Das Gebiet ist daher Teil des Natura-2000-Gebiets Bisamberg, wo höchste Kriterien zum Erhalt gefährdeter wild lebender Pflanzen- und Tierarten gelten. Zudem ist das gesamte Areal Teil des Wiener Grüngürtels und daher Landschaftsschutzgebiet. Dem nicht genug, befinden sich dort die Naturdenkmäler der sogenannten „Alten Schanzen“: Die Verteidigungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert sind heute ein wertvolles Refugium.
Aufgespürt wurde das demolierte Fahrzeug direkt neben dem Naturdenkmal „Schanze 10“ auf einem unbefestigten Weg. Pikant ist, dass der oder die Täter einen erheblichen Aufwand betrieben haben: Einerseits, um das womöglich nicht mehr fahrtüchtige Wrack mitten in die Botanik zu verfrachten; andererseits, um die Spuren zu verwischen. So wurden vom Pickerl extra Auto- und Prüfnummer herausgekratzt. Allerdings: Die Fahrgestellnummer ist ebenso noch ersichtlich wie das Autohaus, von dem der Pkw mutmaßlich stammt – denn auf dem Nummertafelrahmen prangt der Schriftzug „Ihr Opel von RLH-Korneuburg“.
Das präparierte Pickerl.
Alles wohl wertvolle Anhaltspunkte für die Ermittler. Laut einer Sprecherin der MA 48 (Müllentsorgung) wurde das Wrack nun am Dienstag von einer Abschleppfirma entfernt – wobei die Zufahrt schwierig gewesen sei. „Die anfallenden Kosten werden dem Fahrzeughalter vorgeschrieben. In weiterer Folge werden wir Strafanzeige erstatten.“
Bis zu 21.000 Euro
Auch die Wiener Polizei ist in der Causa bereits aktiv: Der Pkw sei jedenfalls kein Flucht- oder Tatfahrzeug; für das weitere Verfahren sei die Naturschutzbehörde MA 22 „nach dem Wiener Naturschutzgesetz“ zuständig, berichtet Sprecher Philipp Haßlinger. Und das kann bei einem Strafrahmen von bis zu 21.000 Euro richtig teuer werden. Zumal die Entsorgung von alten Autos in Österreich in der Regel ohnedies gratis ist.
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