Windpark neben Naturjuwel Bisamberg? Große Skepsis nach KURIER-Bericht

SPÖ-Bezirkschef Georg Papai möchte den sensiblen Bereich beim Bisamberg unbedingt erahlten - und übt Kritik an der Info-Politik des Windpark-Betreibers.
Direkt neben den Naturdenkmälern „Alte Schanzen“ sollen die vier Windräder gebaut werden (Blickrichtung Zentrum).

20 Jahre lang herrschte in Wien buchstäblich Flaute bei der Genehmigung neuer Windräder – doch nun nimmt auch die Diskussion in der Bundeshauptstadt Fahrt auf: Anlass ist der KURIER-Artikel vom Donnerstag, in dem die Pläne für vier neue Windkraftanlagen am nördlichen Stadtrand in Stammersdorf publik gemacht wurden.

Das Brisante an dem Projekt: Der heimische Ökostrom-Konzern „WEB Windenergie AG“ will seinen neuen „Windpark Floridsdorf“ an den Ausläufern des Bisambergs errichtet werden – und damit gleich drei Schutzgebiete tangieren: das Natura-2000-Areal, das Landschaftsschutzgebiet des Wiener Grüngürtels und die Naturdenkmäler der sogenannten „Alten Schanzen“.

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Symbolbild Windrad.

Wien Energie auf Distanz

Entsprechend reserviert fielen die Reaktionen auf den Artikel aus. Bemerkenswert war etwa eine Aussendung der Wien Energie, die sich offen vom Bisamberg-Projekt distanzierte – dieses sei vom städtischen Energiekonzern „weder in Planung noch in Vorbereitung“. Allerdings hatte gar niemand behauptet, dass die Wien Energie involviert sei; auch der KURIER berichtete, dass das bis dato letzte Windrad des Konzerns 2005 in Unterlaa ans Netz ging und zuletzt der Branchenpionier „Im Wind“ gekauft wurde statt weitere Windkraftanlagen innerhalb der Stadtgrenze umzusetzen.

Die Stadt Wien – konkret die Umweltschutzabteilung MA 22 – zeigte sich unwissend über das Bisamberg-Projekt, im Fall des Falles werde man es aber genau prüfen. Etwas auskunftsfreudiger ist Floridsdorfs SPÖ-Bezirksvorsteher Georg Papai, wiewohl dieser betont, alle Informationen „nur aus dem KURIER zu haben“: „Mit dem Bezirk hat es noch nicht einmal ein Erstgespräch gegeben“, so Papai, der unterschwellig Kritik an der Informationspolitik der „WEB“ übt. Er würde es „zumindest als die strategisch richtigere Vorgehensweise empfinden“ zuerst mit den Bürgern und dem Bezirk zu kommunizieren statt mit Grundstückseigentümern bereits über die Flächennutzung zu verhandeln.

Auch für Papai gilt, dass der beabsichtigte Standort in den Schutzgebieten genau zu prüfen sei, da „die Örtlichkeit sehr behutsam zu betrachten ist“. Nachsatz: „Während der niederösterreichische Teil des Bisambergs verhüttelt ist und dort viele Bauten zugelassen wurden, ist die Wiener Seite nur sehr sparsam entwickelt. Das ist gut – und an dieser Strategie soll sich prinzipiell auch nichts ändern“, erklärt der Bezirksvorsteher.

Bezirksvorsteher Georg Papai.

Bezirksvorsteher Georg Papai. 

„Etwas abrücken“

Während FPÖ-Bezirksparteiobmann Wolfgang Irschik das Projekt als „blanken Irrsinn“ sieht, schlagen bei seinem grünen Pendant zwei Herzen in der Brust: Einerseits veranstaltet Heinz Berger immer wieder Ausflüge zum besonders artenreichen Naturjuwel der „Alten Schanzen“, zum anderen ist er klar für eine Energieversorgung aus Windkraft. Daher wünscht sich der grüne Klubchef einen Kompromiss: „Besonders das Windrad neben ,Schanze 12‘ sollte etwas abrücken“, so Berger.

„Pragmatisch“ sieht das Ganze auch der Stammersdorfer Landwirt Oliver Kaminek (Biohof N°5), mit dem „WEB“ bereits über ein Servitut verhandelt hat. „Natürlich hätte ich gern keine Windräder hier, aber wir brauchen künftig alle einen Strom.“ Er wünscht sich, dass dann aber auch landwirtschaftliche Gerätehütten leichter genehmigt werden, „denn auch zum Essen brauchen wir alle etwas“.

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