Chronik | Wien
02.10.2017

Übergriffe in Wiener U-Bahn-Station: Verdächtiger enthaftet

36-Jähriger wurde im August festgenommen. Der Mann ist laut psychiatrischem Gutachten nicht zurechnungsfähig.

Der 36-jährige Mann, der Mitte August nach sexuell motivierten Übergriffen in zwei Wiener U-Bahn-Stationen festgenommen wurde, ist am Montag auf freien Fuß gesetzt worden. Das gab die Sprecherin des Landesgerichts für Strafsachen, Christina Salzborn, bekannt. Ausschlaggebend für die Enthaftung war ein psychiatrisches Gutachten, das dem gebürtigen Tschechen Zurechnungsunfähigkeit bescheinigt.

Von Anfang an hatte die Vermutung bestanden, dass der Verdächtige psychisch krank und damit womöglich nicht schuldfähig sein könnte. Dieser Verdacht bestätigte sich nach Beiziehung des psychiatrischen Sachverständigen Karl Dantendorfer, der zum Schluss kommt, dass dem 36-Jährigen seine Handlungen aufgrund seiner psychischen Disposition nicht vorzuwerfen sind, weil er nicht in der Lage war, das Unrecht seines Tuns zu erkennen.

Gutachten

Mit dem vorliegenden Gutachten war keine rechtliche Basis für die weitere Aufrechterhaltung der U-Haft mehr vorhanden. Sexuelle Belästigung (Paragraf 218 StGB) ist mit maximal sechs Monaten Haft oder einer Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen bedroht. Um einen psychisch Kranken weiter anhalten und einen Antrag auf Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher auf den Weg bringen zu können, hätte dieser ein Delikt setzen müssen, das - wäre er gesund - zumindest mit einer einjährigen Freiheitsstrafe bedroht ist. Der 36-Jährige war daher zwingend freizulassen.