Mietwagen- und Uber-Chauffeur Branislov: „Ich habe vorwiegend junges Publikum. Unsere Kunden kommen aus der Smartphone-Generation.“

© KURIER/Reinhard Vogel

Fahrtendienst
09/04/2014

Uber: "Wollen das Taxi-Monopol brechen"

Erfolgreicher Start, Angebot wird angenommen. Der KURIER fuhr mit dem Uber-Chef ins Büro.

von Michael Berger

Die massive Kritik der Taxler-Branche an dem neuen Mietwagen-Service Uber lässt Johannes Wesemann, Österreich-Chef des globalen Mietwagen-Anbieters kalt. Ganz im Gegenteil: Die Geschäftsidee funktioniert. Wesemann freut sich über einen exzellenten Start seit Wochenbeginn.

Bis dato fahren in Wien bereits mehrere Dutzend Limousinen-Lenker für Uber. Die Kritik von Christian Gerzabek, Sprecher der Taxi- und Mietwagen-Innung, hat es in sich: "Die Chauffeure sind nicht versichert, haben keine Taxi-Prüfung und müssen nicht unbescholten sein. Wir prüfen Klagen gegen das Unternehmen."

Erste Fahrt mit Uber

Der KURIER machte sich selbst ein Bild, lud sich die Uber-App aufs Smartphone und bestellte einen Wagen. Die Fahrt ging im frühen Vormittagsverkehr von der Wielandgasse am Favoritner Reumannplatz bis in die Redaktion in der Muthgasse 28 in Wien-Döbling.

Nach sechs Minuten war der Wagen tatsächlich an der Adresse. Auf dem Handy-Display schienen der Vorname und ein Foto des Chauffeurs sowie das Kfz-Kennzeichen auf. Das Fahrzeug, ein schwarzer Opel Insignia, glänzte – innen wie außen. Lenker Branislov spricht exzellent Deutsch. An der Bestelladresse in der Wielandgasse stieg auch Uber-Chef Wesemann zu.

"Mit dem Start bin ich wirklich zufrieden. In drei Tagen luden sich etwa 350 potenzielle Kunden die App herunter. Das Angebot wird von den Wienern akzeptiert."

Die rechtliche Überprüfung und die eventuelle Klage durch die Taxi-Innung irritiert Wesemann nicht: "Da mache ich mir keine Sorgen. Ganz im Gegenteil. Der Vorwurf, dass unsere Lenker nicht sozialversichert sind, ist schlichtweg falsch und oberflächlich recherchiert. Sie kommen alle von lizensierten Mietwagen-Firmen."

Kritik an FP-Gemeinderat

Der Unternehmer lässt auch kein gutes Haar an FP-Gemeinderat Toni Mahdalik: "Er sprang auf den Zug auf und bestätigte die Falschmeldung der Taxi-Innung. Da will man wohl schnell Wähler-Stimmen abstauben."

Das Uber-Mietwagenmodell wird in 44 Nationen angeboten. Allerdings untersagten in Berlin und Hamburg Gerichte das Angebot. Wesemann erklärt: "In diesen Städten waren reine Privat-Chauffeure tätig. Das hat mit Wien nichts zu tun. In unserem Fall sind die Lenker ja Mitarbeiter von Mietwagen-Unternehmen."

Mittlerweile rollt der Uber-Wagen am Währinger Gürtel in den Stau. Zeit mit Fahrer Branislov zu plaudern. "Das Publikum besteht aus jüngeren Kunden. Sie kommen aus der Smartphone-Generation."

Schließlich am Zielort angekommen, geht es ans Bezahlen. Kein Münzen zählen und keine Wechsel-Probleme nerven. Die Abbuchung erfolgt über die Kreditkarte, deren Daten auf der App gespeichert sind. Bevor abgebucht wird, können die Chauffeure und ihre Fahrzeuge über die App benotet werden. Wesemann: "So erkennen wir Probleme und können sie verbessern." Nachsatz: "In Wien regieren die beiden Taxi-Funkdienste. Wir wollen das Taxi-Monopol brechen und das Angebot beleben."

Der Uber-Fuhrlohn betrug für die 11,5 Kilometer schließlich 17,26 Euro. Das konventionelle Taxi hätte knapp 23 Euro gekostet. Ersparnis: 24,9 Prozent.

Taxi-Branche droht der Kolbenreiber

Der Motor des Wiener Taxi-Gewerbes mit knapp 5000 Fahrzeugen stottert seit Jahren. Doch der Mitte dieser Woche präsentierte Fahrtendienst-Anbieter Uber könnte für so manchen Taxi-Unternehmer den finalen Kolbenreiber bedeuten.

Der global erfolgreiche Dienst kommt im Schnitt um 25 Prozent billiger und ist auch schneller verfügbar. Einzige Problematik: Die Anmelde-Formalitäten könnten Interessenten abschrecken, und der Fuhrlohn ist nur über Kreditkarte im Fahrzeug zu zahlen (Details dazu siehe Info-Artikel unten).

Die Idee ist einfach: Mietwagen-Chauffeure und Taxi-Lenker sollen ihre Stehzeiten nutzen. In diesen Zeitfenstern können sie über eine Handy-App vom Fahrgast bestellt werden. Am Display erkennt der Kunde, welche Autos frei sind, wo sie sich befinden und wie schnell sie am Einsatzort sind.

Wettbewerbsverzerrung

Für Wiens Taxi-Obmann Christian Gerzabek stellt Uber eine Wettbewerbsverzerrung dar: "Limousinen-Fahrer brauchen keinen Taxi-Schein. Ich glaube nicht, dass jeder der Limo-Chauffeure Wien sehr gut kennt. Weiters fallen Taxi-Konzessionsprüfung und Funkgebühr weg. Zusätzlich werden weniger Taxis gekauft. Wirtschaft und Öffentliche Hand verlieren somit Geld."

Taxler-Legende Thomas Schwarz (Bild oben) geht im KURIER-Gespräch noch einen Schritt weiter: "Wenn Uber erfolgreich wird, dann sind den vielen Schwarzfahrern im Gewerbe alle Türen geöffnet." Schwarz betont ein wichtiges Detail: "Korrekt angemeldete Taxi-Lenker müssen unbescholten sein. Bei Limo-Chauffeuren ist das nicht so."

Uber machte in den letzten Monaten europaweit Negativschlagzeilen. Denn in vielen Großstädten gingen erboste Taxler auf die Straße. Sie protestierten gegen die neue Konkurrenz. Allerdings waren in diesen Städten ganz normale Autobesitzer, also keine Berufs-Chauffeure, als Uber-Fahrer tätig. In Wien wird dieses Modell (noch) nicht angestrebt. Und in Berlin wurde der "private Taxler" vor Kurzem gerichtlich verboten.

„Zielgruppe ist die Smartphone-Generation“

Das Unternehmen Uber wurde 2009 in San Francisco gegründet – als Technologiekonzern. Schon damals wurde die Idee der Fahrtendienst-App geboren. Das System wird in 178 Städten in 44 Nationen angeboten. Johannes Wesemann, General Manager von Uber-Österreich, im Interview.

KURIER: Mit der Uber-App katapultieren Sie Wiens Taxi-Branche in das Cyber-Zeitalter. Können Sie zur Konkurrenz der alt eingesessenen Taxler werden?
Johannes Wesemann: Die Taxi-Branche hat sich seit Jahrzehnten nicht bewegt. Wir bieten ein völlig anderes Konzept, orientiert am Handy-Zeitalter, an.

Wer ist Ihr Zielpublikum?
Vorwiegend die Smartphone-Generation und serviceorientierte Kunden. Es gibt immer mehr User, die über Apps Infos und Unterhaltung herunterladen.

Warum sollten Chauffeure von Limousinen-Diensten Mitarbeiter von Uber werden?
Das Hauptgeschäft von Limo-Chauffeuren ist es, Gäste von Hotels zum Flughafen zu fahren. Das Gewerbe ist von langen Stehzeiten geprägt. Wir sagen: Reduziere die Stehzeiten und erhöhe die Auslastung und somit die Umsätze.

Sie behaupten, billiger als Taxis zu sein. Im Schnitt um etwa 25 Prozent. Wie ist das möglich?
Nacht- und Wochenendzuschläge gibt es nicht. Auch der Funk-Tarif entfällt. Für Flughafenfahrten gibt es eine 20-Euro-Startaktion. Danach kostet die Fahrt 30 Euro.

Zur Technik. Werden alle Uber-Chauffeure mit der vorgeschriebenen Technik ausgerüstet?
Das Unternehmen stellt Navi-Handys zur Verfügung und schult die Fahrer ein.

Ist das System rechtlich gedeckt?
Fahrzeuge und Insassen sind versichert. Und wir lassen die Driver bewerten. Bei Problemen gibt es Schulungen.

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