Chronik | Wien
03.12.2017

Treffpunkt Wien: Über Kabarett, Klischees und Kürbisrisotto

Im Vorweihnachts-Stress schaut Kabarettistin Lydia Prenner-Kasper häufig im "Flokal" vorbei.

Es ist doch alle Jahre wieder das Gleiche, findet Lydia Prenner-Kasper: "Da will man zu Weihnachten alles perfekt machen, und dann wird es doch immer ein bissl oasch." Beim Geschenke einpacken stellt man sich noch vor, wie die Kinderaugen vor dem Christbaum glücklich leuchten werden – und dann steht der Nachwuchs nur da und heult, weil die Schwester das Geschenk bekommen hat, das man eigentlich selbst haben wollte.

Über die Not, alles richtig machen zu wollen und dabei jedes Mal aufs Neue zu scheitern, spricht die Kabarettistin in ihrem Weihnachtsprogramm "Leise pieselt das Reh". Weil es irgendwie befreiend ist, zu wissen, dass man im Versagen nicht alleine ist.

Glückliches Landei

Kommende Woche spielt sie das Stück im Orpheum in der Donaustadt. Im selben Bezirk, ein paar Kilometer stadtauswärts, hat sich die Künstlerin nun eingefunden. Im "Flokal" am Süßenbrunner Platz. Aufgewachsen in Favoriten, ist Lydia Prenner-Kasper erst als Erwachsene in die Donaustadt gezogen. "Ich bin vom Stadtkind zum Landei geworden – und finde es herrlich", sagt die 35-Jährige, die nach der Schule als Bürokauffrau in der IT-Branche Fuß gefasst hatte und sich anschließend zur Sozialpädagogin ausbilden ließ, bevor sie das Kabarett für sich entdeckte und es 2011 ins Halbfinale der ORF-Show "Großen Chance" schaffte.

Fast alles an der Donaustadt findet sie super: " Die Ruhe, die Entspannung. Und dass man trotzdem in 25 Minuten im Stadtzentrum ist." Nur ein Problem gab es lange Zeit: Gute Gastronomie war in ihrem Grätzel Mangelware. Bis Florian Mattes, gebürtiger Süßenbrunner und gelernter Koch, nach Zwischenstopps im Steirereck und bei Toni Mörwald 2010 den leer stehenden Vierkanthof seiner Großmutter in ein bodenständiges Gasthaus mit regionaler Küche und künstlerischem Steinmosaik an der Wand verwandelte.

Beim Betreten fällt der Blick auf die bunte Kinderspielecke.

"Ich habe selbst zwei Kinder", sagt Mattes, der hinterm Tresen steht und ein Bier zapft. "Ich weiß, wie das ist, wenn den Kindern fad wird und sie nicht mehr sitzen wollen." Die Ecke hat auch Lydia Prenner-Kasper, Mutter dreier Töchter, im Laufe der Jahre schätzen gelernt.

Als sie sich nun an einem der massiven Holztische niederlässt, begrüßt Lokalchef Flo sie mit einem Lächeln – um wenig später mit dem Auftrag für ein Zanderfilet auf Kürbisrisotto in die Küche zu verschwinden.

Witzige Weiberwellness

Ihr Magen grummelt. Die Restaurantbesuche häufen sich momentan, sie hat aber auch gerade viel zu tun. Zu den Auftritten von "Leise pieselt das Reh" kommen die Aufzeichnungen für die Puls4-Show "Sehr witzig". Im Jänner steht sie wieder für ihr Soloprogramm "Weiberwellness" auf der Bühne – und nebenbei sammelt sie Ideen für ihr neues Programm.

Dazu kommt das Ankämpfen gegen überholte Klischees. Etwa, dass Frauen und Kabarett nicht zusammenpassen würden. Sätze wie "Eine Frau ist einfach nicht lustig" hat Lydia Prenner-Kasper am Anfang ihrer Karriere nicht selten zu hören bekommen. Manche Veranstalter hätten sie explizit deshalb nicht gebucht, weil sie eine Frau ist.

Das sei in den jüngsten Jahren zwar viel besser geworden, ab und an gebe es aber noch Aufklärungsbedarf. Für die Künstlerin umso mehr ein Grund, ihre Arbeit fortzusetzen. "Ich behalte mir schon das Recht vor, zu sagen, wonach mir ist, egal ob ich ein Zumpferl habe oder nicht. Es ist mein emanzipatorischer Ansatz, Menschen daran zu gewöhnen, dass auch Frauen großartige Witze erzählen können."