Chronik | Wien
17.09.2017

Treffpunkt Wien: Serafin der Schnitzelklopfer

Das neue "Meissl& Schadn" setzt auf k.u.k.-Küche. Ideal, findet Fleischliebhaber Daniel Serafin.

Daniel Serafin isst zwar äußerst gerne, den Kochlöffel schwingt er jedoch selten. Doch ausgerechnet in einem Restaurant hat der Kulturmanager diese Woche zum Küchenwerkzeug gegriffen. Und zwar im neu eröffneten "Meissl & Schadn" am Wiener Schubertring, im Erdgeschoß des Grand Ferdinand Hotels.

Bei seinem neuen Lokal spezialisiert sich Hotelbesitzer Florian Weitzer auf Altwiener Küche, auf Tafelspitz, Salzburger Nockerl, Apfelstrudel und natürlich Wiener Schnitzel. "Schnitzellove" steht deshalb in goldenen Lettern an der Wand über der Schauküche gleich rechts des Eingangs, in der Serafin soeben seine Hauptspeise zurecht klopft – denn das können die Gäste zu bestimmten Zeiten nun tun.

Auch wenn Serafin knapp die Hälfte des Jahres im Ausland verbrngt, den Großteil davon in New York, die Wiederauferstehung dieser Gastronomielegende wollte er sich nicht entgehen lassen. War doch das " Meissl & Schadn" (benannt nach Anna und Josef Meissl und dem Kellner Johann Schadn, den ihre Tochter Rosa heiratete, Anm.) am Neuen Markt im 19. und frühen 20. Jahrhundert berühmt für seine reichhaltigen Speisen.

Rindfleisch am Wagen

"Mekka der Rindfleischesser" wurde das Lokal auch genannt, in dem sich Größen wie Gustav Mahler oder Friedrich Torberg für gekochtes Rindfleisch einfanden . So wie damals wird der Tafelspitz auch heute mit Saucen und Gemüsebeilagen im Rindfleischwagen serviert. Dass sich das Restaurant mit den weißen Fliesen, den großen Lustern und den kleinen Holzstühlen, die ein wenig an ein Pariser Straßencafé erinnern, im Erdgeschoß eines Hotels befindet, vergisst man nach dem Eintreten gleich wieder. Auch beim Blick auf die Preise würde man nicht vermuten, dass man sich in einem Lokal an der Wiener Ringstraße befindet. Das 3-Gänge-Mittagsmenü kommt auf 14,50 Euro.

"Dafür würde man in New York nicht einmal einen Salat bekommen", meint Serafin, der nun eine Milzschnittensuppe serviert bekommt.

New York trifft Wien

Eine Verbindung zwischen Wien und New York stellt auch sein neuester Job dar. Serafin ist seit vergangenem Jahr künstlerischer Leiter des "Viennese Opera Balls New York", der sich am 2. Februar zum 63. Mal jährt und erstmals im Ziegfeld Theatre stattfinden wird. Und dafür steckt er mitten in den Vorbereitungen. Für die 1000 US-Dollar (so viel kostet eine Eintrittskarte inklusive viergängigem Menü, Getränk und Musikunterhaltung) soll den Gästen schließlich etwas geboten werden. Das Orchester wird aus Wien eingeflogen, Sänger der Metropolitan Opera werden auftreten und damit die Besucher zur Musik tanzen können, werden im Vorhinein Walzerstunden angeboten.

Wie wichtig ein kühler Kopf beim Tanzen ist, hat Serafin bei seinem Debüt am Wiener Opernball im Jahr 2000 gelernt. Serafin, gerade 18 Jahre alt, eröffnete den Ball nicht nur, er stand auch in der ersten Reihe. Während ihm nun das in Butterschmalz herausgebackene Schnitzel serviert wird, erzählt er: "Mit meiner künstlerischen Ausbildung möchte man meinen, dass ich ein gewisses Rhythmusgefühl besitze. Und das hab ich ja auch. Aber: Ich bin Legastheniker. " Mit einem Augenzwinkern ergänzt er: "Richard Branson ist das auch. Man sieht, aus manchen wird trotzdem was."

Als der Tanzmeister jedenfalls damals mit den Worten "Rechts, zwei, drei" den Einzug begann, startete Serafin vor Nervosität mit dem linken Fuß. "Rechts!" zischte ihm der Tanzmeister aus den Mundwinkeln zu, ohne sein Lächeln zu unterbrechen. Serafin machte also schnell einen kleinen Wechselschritt – und war wieder drinnen.

Den Adrenalin-Schuss, der durch seinen Körper ging, wird er so schnell nicht vergessen. Ebenso wenig aber auch die Tatsache, dass ein eleganten Hüpfer vieles wieder ins Lot bringen kann.