Chronik | Wien
06.04.2018

Treffpunkt Wien: Ritterlich gestärkt ins Bergwerk

Vor dem Dreh als Bergwerksarbeiter in Altaussee, stärkte sich Gerhard Liebmann im Wiener Café Ritter

Als sich Gerhard Liebmann seinen Weg durchs Café Ritter bahnt, fällt der Blick auf seinen Koffer. Es ist ein knallgelber „Minions“-Koffer. „Ich hab ihn ja für meine Tochter gekauft“, sagt der Schauspieler, als er sich hingesetzt hat. „Aber sie fand ihn nicht cool, also benutz ich ihn jetzt. Er ist aber richtig praktisch, weil man ihn am Förderband sofort erkennt. Und weil man oft ins Gespräch kommt.“ Er lacht.

Direkt nach dem Kaffeehausbesuch geht es für den Schauspieler nach Altaussee. Nachdem er jüngst in Wien für „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ vor der Kamera stand, wartet in der Steiermark das nächste Filmprojekt: „Ein Dorf wehrt sich“.

Worum geht’s? Die Nazis haben im Zweiten Weltkrieg Schätze in Salzbergwerken gebunkert, erzählt Liebmann, etwa in dem in Altaussee. Vor dem Einmarsch der Alliierten wollten sie das Bergwerk sprengen, damit den Alliierten nichts in die Hände fallen würde. Einige Bergwerksarbeiter konnten das verhindern. „Und so einen Arbeiter spiel ich“, sagt Liebmann, während der Kellner Kaffee serviert. Verlängert, schwarz, ohne Zucker. So trinkt er ihn stets und davon ziemlich viel. Eineinhalb Liter am Tag werden es mitunter.

Dank Denkmalschutz

Im Traditionscafé Ritter ist Kaffee jedenfalls die häufigste Bestellung, gefolgt von den Mehlspeisen. Geführt wird das Lokal, das 1867 im Palais Kaunitz eröffnet wurde, heute von Harald Holzer. Der frühere Besitzer hatte das Lokal in Misswirtschaft gebracht, 2009 kam die Räumungsklage, der Hauseigentümer spekulierte damit, eine Bekleidungskette ins Haus zu holen. Aber ein kurzfristig veranlasster Denkmalschutz verhinderte das. Und seit 2010 ist Holzer der Betreiber.

Liebmann nimmt einen Schluck Kaffee. Die vergangenen Dreharbeiten in Altaussee haben ihn an seine Grenzen gebracht, erzählt er. „Wir waren drei Nächte durchgehend im Berg. Dort unten ist es nur klamm und kalt und eng. In den Gängen konnte man nicht einmal die Arme ganz ausstrecken. Das geht an die Substanz.“

Das erwartet ihn diesmal aber nicht. Diesmal wird im Ort gedreht werden.

Aus einem kleinen Ort in der Steiermark kommt Liebmann ursprünglich auch. Lange hat er sich deshalb eingeredet, nicht Schauspieler werden zu können. „Wie soll das gehen, als Bauernbub, hab ich gedacht.“ Dennoch ließ ihn der Wunsch nicht los. „Aber ich habe Situationen gemieden, in denen mich ein Profi bewerten und vielleicht für nicht gut befinden würde.“ Also nahm er Privatunterricht und legte paritätische Prüfungen ab. Nach der Abschlussprüfung kam dann der Anruf. Oberspielleiter Wilke vom Landestheater Linz war am Apparat. „Liebmann“, sagt er kurz und knapp, „komm zu mir ins Ensemble.“ – „Erst da dachte ich, bah, jetzt bin ich Schauspieler.“

Seitdem wirkte er in Dutzenden Filmen und Serien. Aktuell ist er mit „Murer“ sowie „Erik und Erika“ im Kino. Natürlich habe es auch viele Abs gegeben. Aber das sei in Ordnung. Jeder Rückschlag schärfe die Sinne und bringe ihn dem Ziel näher.

Immer näher rückt auch die Zugabfahrtszeit. Liebmann packt seinen Koffer und setzt die Mütze auf. Er muss los, das Bergwerk ruft.