Chronik | Wien
07.07.2018

Treffpunkt Wien: Geheimniskrämerei bei Joseph Brot

Singer-Songwriter Nathan Trent über „Secrets“, seinen Umzug nach London und gesundes Essen.

Speck mit Bohnen zum Frühstück oder fettige Fish & Chips. Bei der englischen

Küche denken wohl die wenigsten an gesundes Essen. „Da sieht man wieder, dass Vorurteile so oft nicht stimmen“, sagt Nathan Trent, als er den KURIER zum späten Frühstück im Joseph Brot Bistro in der Landstraßer Hauptstraße trifft. Denn seit seinem Umzug nach London vor einigen Monaten würde er sich viel gesünder ernähren. Seit drei Monaten sogar komplett vegan. „Weil ich mir gedacht hab’, wenn ich das angeh’, dann g’scheit.“ Er lacht.

 

Wieso der Liedermacher, der 2017 Österreichs Vertretung beim Eurovision Song Contest war, die Heimat Richtung Großbritannien verlassen hat? „Ich singe ja immer schon auf Englisch – und hab’ gedacht, ich geh’ an einen Ort mit noch mehr Konkurrenz.“ Er muss wieder lachen. „Aber im Ernst: London ist eine geile Stadt mit einer tollen Musikszene.“

Nach Wien kommt der 26-Jährige seitdem nur mehr beruflich. Etwa für den Life Ball, bei dessen Eröffnung er mitwirkte, fürs Donauinselfest, bei dem er auf der Schlagerbühne auftrat. Und für das eine oder andere Interview. Denn seine neue Single „Secrets“, produziert mit J-Mox, befindet sich aktuell auf Platz eins der Ö3-Austro-Charts (die meistgewünschten österreichischen Lieder in einer Woche).

Erzähl mir deine schmutzigen Geheimnisse. Und ich erzählt dir meine, singt er darin etwa. Die Aufforderung dahinter: „Erzählt einander in Beziehungen viel mehr Geheimnisse, die großen, die kleinen, die Macken und die Vorlieben, einfach alles.“ Das will er auch in seiner nächsten Beziehung aktiver umsetzen.

Maximale Qualität

Bevor er weitererzählt, wird ihm sein Essen serviert: Avocado-Toast mit Dinkel-Einkorn-Amaranth-Brot.

Gutes, qualitätvolles Brot.

 

Damit hat sich der Unternehmer Josef Weghaupt in Österreich einen Namen gemacht. Vier „Joseph Brot“-Filialen betreibt er mittlerweile in Wien, eine im Waldviertel. Oft stehen die Kunden an der Theke Schlange. Aber das nehmen sie in Kauf, auch den stattlichen Preis von 7,20 Euro für ein Kilo Josephbrot. Weil es eben so gut ist.

Die Filiale inklusive Bistro in der Landstraßer Hauptstraße gibt es seit 2013. Der Start war nicht einfach, es gab Probleme mit der Betriebsanlagengenehmigung, fast hätte das eine finanzielle Krise ergeben. Heute ist das alles überstanden. Der puristisch gehaltene hohe weiße Raum mit der Deckenleuchte, die aus Kleiderhaken zu bestehen scheint, ist gut gefüllt.

Minitour

Apropos gut gefüllt. Das ist auch Nathan Trents Terminkalender. Beim Donauinselfest hat er zum ersten Mal ein Set nur mit eigenen Lieder gespielt. Und mit eigener Band. Diese Arbeit soll nun verstärkt werden. Noch heuer möchte er auf (Mini-)Tour gehen und möglichst bald eine EP herausbringen (Tonträger mit vier bis neuen Stücken, zwischen Single und Album). „Ich will nicht nur alle zwei Jahre einen Hit haben, ich will konstant Leistung bringen“, sagt er. Mit coolen Liedern und toller Performance auf der Bühne. „So wie Jason Derulo. Der war immer mein Vorbild“, sagt der 26-Jährige und grinst. „Seit es ihn halt gibt.“ (Der 27-jährige US-amerikanische Singer-Songwriter erreichte 2007 Bekanntheit.)

 

Den Mut und das Vertrauen, seinen Traum als Musiker auch zu leben, gab ihm aber der Song Contest. „Dort hab’ ich gelernt, was man alles aushält. Und ich hab’ mir zum ersten Mal gedacht: He, ich könnte das echt machen.“ Und dafür sei er sehr dankbar.

Den Toast hat er mittlerweile aufgegessen. Nun probiert er die Avocado-Schokolade-Creme, die dazu serviert wurde. „Ich mag Schokolade ja eigentlich nicht“, sagt er, während er den ersten Löffel nimmt. Aber er nickt, sie ist nicht zu süß, löffelt weiter.

Wenn er keine Schokolade mag und momentan vegan lebt, wie sündigt er dann eigentlich kulinarisch? Trent denkt kurz nach. „Dann ess’ ich Fisch“, sagt er und lacht.