Treffpunkt Wien: Denk mit Cremeschnitten

Birgit Denk
Foto: Kurier/Juerg Christandl  Birgit Denk im Concordia Schlössl

Die Musikerin Birgit Denk sprach im Concordia Schlössl über ihr neues Album "Tänker".

Wenn Birgit Denk nachdenken möchte, geht sie auf den Friedhof. Weil es dort ruhig und dennoch – "so blöd das klingt", sagt sie lachend – irgendwie beseelt ist.

Wenn die Musikerin dafür den Wiener Zentralfriedhof aufsucht, enden die Besuche stets an einem Ort: Im Concordia Schlössl in der Simmeringer Hauptstraße 283, einem Restaurant in den Räumlichkeiten eines k.u.k. Steinmetzes.

Dieses Lokal, das im April 2016 wieder eröffnet wurde, hat die Künstlerin, die auf ORF III die Talk- und Musikshow "Denk mit Kultur" führt, unlängst wieder aufgesucht. Sie geht vorbei an der überlebensgroßen Christus-Statue (eine Erinnerung an frühere Zeiten) und betritt den Kuppelsaal, der nach Einbruch der Dunkelheit hauptsächlich mit Kerzen erleuchtet wird. Dabei ist es erst früher Nachmittag. "Aber zumindest wird’s bei uns einmal richtig hell", sagt sie, nachdem sie an einem der Holztischchen Platz genommen hat. "In Schweden herrscht im Winter den ganzen Tag Abenddämmerung."

Concordia Schlössl Foto: Kurier/Juerg Christandl Dafür wird es im Sommer nie wirklich dunkel. Und das hilft an langen Arbeitstagen, weil man weniger müde ist.

Mundart in Schweden

Das hat Birgit Denk vergangenen Juni erlebt. Denn das neue Album "Tänker" hat sie mit ihrer Band DENK in Linköping, Schweden, aufgenommen. Wieso man ein Album mit Wiener Mundart im Ausland produziert? "Wir wollten uns ansehen, wie Popmusik im Ausland funktioniert. Und Schweden ist seit Abba einfach das Mekka der Popmusik. Außerdem", ergänzt sie, "ist Linköping weit genug weg, dass keiner für einen Schnupfen der Kinder nach Hause düsen kann."

Birgit Denk lacht und wirft einen Blick in die Speisekarte. Bekannt ist das Concordia Schlössl für seine gerollten Schnitzel. Aber Birgit Denk ist Vegetarierin. Und so bestellt sie diesmal Brokkoli im Bierteig.

Vom Essen handelt übrigens auch eines der Lieder auf dem neuen Album, von "Cremeschnitten".

"Treff ma uns mal wieder auf eine Cremeschnitte?", sagt nämlich Max Gaier, Sänger der Band 5/8erl und ein guter alter Freund seit fast drei Jahren immer wieder zu ihr. Geworden ist aus dem Treffen noch nichts. Nicht, weil keiner will, sondern weil es sich nicht ausgeht.

Sehnsucht 

"Und davon handelt das Lied. Von dieser Sehnsucht, die Menschen in meinem Alter haben, Sehnsucht nach den Jugendfreunden, die man nimma mehr trifft, weil sie nach Salzburg gezogen sind, weil sie jetzt zwischen Moskau und Shanghai jetten oder weil sie einen Typen geheiratet haben, den man komisch findet. Früher ist der Bub vom Mistkübler mit der Tochter vom Universitätsprofessor in die Disco gegangen. Und dann zerspragelt sich das so." Das Leben is nur mehr Rennerei, die fia uns ka Zeit mehr lost, singt sie.

Birgit Denk Foto: Kurier/Juerg Christandl Als die Musikerin mit ihrer Band DENK 2000 das erste Album auf den Markt brachte, war sie mit ihren Dialekttexten noch eine Ausnahme. Heute steht "Austropop" hoch im Kurs und die Lieder von Wanda, Voodoo Jürgens oder Seiler & Speer im Radio rauf und runtergespielt.

Es fällt jedoch auf, dass von den vielen  Wiener Dialektsängern Birgit Denk eine der wenigen Frauen  ist. Warum das so ist? "Die Erklärung ist leider keine schöne", sagt sie und nimmt einen Schluck Soda Zitrone. "Frauen im Wiener Dialekt, werden leider noch immer als proletarisch, döflich und vulgär wahrgenommen." Das treffe übrigens nicht nur Musikerinnern, sondern auch Kabarettistinnen: "Ein Oasch auf der Bühne vom Michael Niavarani wird belacht, ein Oasch, zum Beispiel, von der Verena Scheitz stößt Leuten immer noch negativ auf. Wir Frauen müssen uns die Sprache erst als gleichberechtigt erarbeiten und ich bin dabei."

Birgit Denk ist ab sofort mit ihrem neuen Album auf Tour. Auftakt mit der kompletten Band ist am 20. Jänner im Wiener Stadtsaal. 

Mundart-Musikerin Birgit Denk spricht im Kurier

(kurier) Erstellt am
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