© KURIER/Jeff Mangione

Schweißtreibend
07/29/2013

Tausende Spitals-Patienten leiden unter der großen Hitze

In vielen Spitälern Wiens gibt es keine Klimaanlagen. Die Betreiber haben Handlungsbedarf.

von Michael Berger, Irina Salewski

Montagfrüh schlug die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz Alarm: „In der Kinderchirurgie des Schwerpunkt-Krankenhauses SMZ-Ost müssen sich derzeit Babys und Kleinkinder in völlig überhitzten Zimmern von Operationen erholen. Denn Klimaanlagen gibt es nur in der Intensivstation und im OP, aber nicht im Bettenbereich.“

Beim zuständigen Spitalserhalter (KAV) ist das Problem bekannt. Die Leiterin des Medizin-Managements, Susanne Drapalik, erklärt: „Umbauten ganzer Stationen sind kurzfristig nicht möglich. In den Spitälern, die von 1970 bis 1990 errichtet wurden, muss man jedoch in Zukunft reagieren. Denn früher gab es so lange Hitzeperioden nicht.“ Mobile Kühlgeräte in Krankenhäusern aber sind eine „gefährliche“ Alternative. Denn die aufgewirbelte Luft transportiert Keime schneller. Das gleiche gilt für die Ventilatoren. Die aktuelle Zimmertemperatur in Spitälern beträgt etwa 27 Grad.

Spital wird zur Sauna

Also wird in Wiens Spitälern (nur das AKH und die Rudolfstiftung haben Klimaanlagen) fleißig geschwitzt. Betroffen sind an die 7000 Patienten und Tausende in den Ambulanzen. Beim KURIER-Lokalaugenschein im SMZ-Ost war es in der Notaufnahme drückend heiß. Mehrere Senioren lagen apathisch auf den Liegen.

„Wir warten bereits seit zwei Stunden. Die Luft hier drinnen ist stickig. Wenn man so lange in der Notaufnahme sitzt, ist es draußen sogar besser“, ärgerten sich Christopher Bilsky und Claudia Moser im SMZ-Ost.

Wegen fehlender Klimaanlagen leiden aber auch Senioren, Kranke und Kinder in den Wohnungen. Die Rettungsdienste bekommen das zu spüren. „Wir verzeichnen an die zehn Prozent mehr Einsätze als an Werktagen mit normalen Temperaturen. Zurzeit sind es etwa 700 Alarmierungen pro Tag“, meldete die Zentrale der Wiener Berufsrettung.

Um vor Ort entscheiden zu können, ob ein Patient „nur“ einen Schwächeanfall erlitten hat, oder ins Spital muss, gibt es während der Hitzewelle Einsatz-Teams. Ein Sanitäter rast mit einem Notarzt von Notfall zu Notfall.

„Wir können die Lage schnell und professionell beurteilen. Nicht immer ist ein Krankenhaustransport notwendig“, erklären Notarzt Gerald Jelencsics und Sanitäter Thomas Huber.

Pannendienst im Stress

Im Dauereinsatz stehen dieser Tage auch die Pannendienste. Der ÖAMTC meldet für Ostösterreich täglich 1200 anstatt 800 üblicher Kundenfahrten. Und der ARBÖ rückt in Wien etwa doppelt so oft (600-mal) wie an „normalen“ Tagen aus.

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