Tag des Zu-Fuß-Gehens: VCÖ sieht Defizite bei Verkehrsplanung

Mit Verweis auf die Zahlen aus Wien gäbe es zu viel Platz für parkende Autos. Längere Grünphasen oder breitere Gehsteige werden gefordert.
Ein Mann geht über die Straße, Autos warten, im Hintergrund fährt eine Straßenbahn.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordert anlässlich des morgigen "Tag des Zu-Fuß-Gehens" weitere Maßnahmen für eine fußgängerfreundliche Verkehrsplanung in Wien. 

Zu einer solchen würden breite Gehsteige, sichere und übersichtliche Straßenübergänge und längere Grünphasen bei Fußgängerampeln gehören, heißt es in einer Stellungnahme. Denn aus den Daten ergebe sich deutlich: Die Wienerinnen und Wiener sind im Bundesländer-Vergleich am häufigsten zu Fuß mobil.

"Die Bevölkerung legt in Wien mehr Wege zu Fuß als mit dem Auto zurück", weiß man beim VCÖ. Für Kinder und die Generation 50 Plus sei Gehen sowieso die häufigste Mobilitätsform. 

Mehr Menschen zu Fuß als im Auto unterwegs

Im Jahr 2024 wurden insgesamt 30 Prozent der Alltagswege in Wien zu Fuß gegangen und 25 Prozent der Wege mit dem Auto gefahren, hieß es mit Verweis auf Zahlen, die von der Stadtverwaltung erhoben wurden. 

"Rechnet man die Teilstrecken dazu, um zu Haltestellen zu gelangen, kommt man auf sogar 58 Prozent aller Wege", rechnet VCÖ-Verkehrsexpertin Klara Maria Schenk vor.

Viel Platz für parkende Autos

Und dennoch werden die Fußgänger immer noch vernachlässigt, konstatiert Schenk: "Fußgängerinnen und Fußgänger werden zu oft regelrecht an den Rand gedrängt. In vielen Straßen wird nach wie vor parkenden Autos mehr Platz eingeräumt als den Menschen, die zu Fuß mobil sind." 

Den höchsten Anteil an der Mobilität hat das Gehen bei Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren, die auf 46 Prozent ihrer Alltagswege zu Fuß mobil sind, vor den über 70-Jährigen mit 37 Prozent sowie den 31- bis 40-Jährigen und den 61- bis 70-Jährigen mit jeweils 36 Prozent.

Längere Grünphasen

Daraus resultiert eine Kernforderung des VCÖ: "Längere Grünphasen sind insbesonders auch für ältere Menschen sehr wichtig."

Unterschiede ergeben sich auch durch den Besitz eines Autos, hat der VCÖ aus den Daten herausgelesen. Wer in einem autofreien Haushalt lebt, geht im Schnitt 38 Prozent der Wege zu Fuß, in Haushalten mit einem Auto sinkt der Anteil des Gehens auf 33 Prozent, "in Haushalten mit zwei oder mehr Autos sogar auf 26 Prozent", stellt Schenk fest. 

Wer regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln mobil ist, geht nicht nur zur Haltestelle, sondern geht auch mehr Wege zur Gänze zu Fuß nämlich 34 Prozent, während bei Personen, die selten oder nie mit Öffis fahren das Gehen nur einen Anteil von 19 Prozent an der Mobilität hat. 

Zubringer zum Öffentlichen Verkehr

Bei den zu Fuß zurückgelegten Wegen steht der tägliche Einkauf mit 59 Prozent an erster Stelle. Knapp dahinter folgt der Schulweg. Ebenfalls häufig ist eine Kombination, wie Schenk erläutert: "Die Füße sind auch der wichtigste Zubringer zum öffentlichen Verkehr. Im Schnitt wird zu Haltestellen und von der Haltestelle ans Ziel ein Fußweg von jeweils 300 Metern zurückgelegt."

Deshalb ist gerade dafür die Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel wichtig. "Wer Haltestellen kennt, wo Straßenübergänge nicht sicher sind, ein Gehsteig fehlt oder andere Mängel aufweist, kann diese bis 30. April auf der VCÖ-Website unter https://maps.vcoe.at/ melden. Wir sammeln die Einträge und leiten sie an die zuständigen Stellen weiter", erklärt die Expertin Klara Maria Schenk.

Innere Stadt als Spitzenreiter, Donaustadt ist Schlusslicht

Und auch nach Bezirken gibt es beim zu Fuß Gehen Unterschiede: Spitzenreiter sind die Bewohnerinnen und Bewohner des 1. Bezirks, die 57 Prozent ihrer Alltagswege zur Gänze zu Fuß gehen, vor Mariahilf und Neubau mit 51 Prozent sowie Wieden und Margareten mit 45 Prozent, zeigt der VCÖ auf. Am niedrigsten ist der Anteil des Gehens an der Mobilität in der Donaustadt mit 24 Prozent.

Gehen ist gut für die Gesundheit

Auf einen weiteren wichtigen Aspekt macht der VCÖ in diesem Zusammenhang Aufmerksam: "Wer häufig Alltagswege zu Fuß geht, senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck, Muskeln, Knochen und Gelenke werde gestärkt."

In diese Kerbe schlagen auch die Wiener Grünen und fordern eine Umverteilung des Straßenraums. Der Anteil des Zu-Fuß-Gehens lag demnach in Wien 2022 bei 35 Prozent, 2023 bei 32 Prozent und 2024 bei 30 Prozent - sei also im Sinken. 

"Begegnungszone für jeden Bezirk"

"Gleichzeitig werden zentrale Projekte der Verkehrsberuhigung und Maßnahmen fürs Zu-Fuß-Gehen seit Jahren verschleppt, verkleinert oder gestoppt - wie etwa die dringend notwendige Rad- und Fußbrücke in den Gewerbepark Stadlau", sind die Grünen verärgert. 

Deshalb wird es im kommenden Gemeinderat einen Antrag geben, mit dem die Grünen "einen verbindlichen Plan für mehr und schnellere Verkehrsberuhigung in Wien" fordern. Außerdem sei "eine Begegnungszone in jedem Bezirk überfällig.

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