Landstraßer Hauptstraße: Umbau kommt, aber nicht der 30er

Erster Teil der Landstraßer Hauptstraße bekommt auf 700 Meter baulich getrennte Radwege. Einem 30-er erteilt Sima (SPÖ) eine Absage.
Landstraßer Hauptstraße

Fünf bis sechs Spuren für Autos, ein winziger Radstreifen, kaum ein Radfahrer ist zu sehen. Diese Rahmenbedingungen belegen, wie wichtig der Umbau des ersten Teilabschnitts der Landstraßer Hauptstraße ist, wenn die städtischen Ziele in Sachen Radverkehr erreicht werden sollen.

Konkret startet jetzt der Rückbau der Landstraßer Hauptstraße zwischen Juchgasse und Schlachthausgasse – auf 700 Metern werden bis Sommer 2027 auf beiden Seiten der Straße baulich getrennte Einrichtungsradwege errichtet; 28 Bäume werden gepflanzt und knapp 6.000 Quadratmeter Boden entsiegelt. 

Das Projekt ist Teil der Offensive „Raus aus dem Asphalt“, auf die Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) große Stücke hält.

Debatte um 30er

Wovon sie gar nichts hält: Vom 30er auf der Landstraßer Hauptstraße. Der wurde zwar vom Bezirk mit Nachdruck gefordert, Sima hält ihn aber nicht für nötig. Die Baustelle werde jetzt einmal für eine Temporeduzierung sorgen, ist sie überzeugt, ebenso sollen die beiden Begegnungszonen zwischen Barich- und Juchgasse sowie beim Rochusmarkt die Straße als Durchzugsstrecke unattraktiver machen. „In den Begegnungszonen gilt dann sogar nur Tempo 20“, hält sie der Forderung nach einer 30-km/h-Beschränkung entgegen.

Ulli Sima und Erich Hohenberger.

Hand drauf: Sima will keinen 30er, Hohenberger "respektiert" das. 

Erich Hohenberger steht daneben und kann dem wiederum nichts entgegenhalten. Simas Parteikollege und Landstraße-Bezirksvorsteher hatte bislang immer lautstark betont: „Der 30er auf der Landstraßer Hauptstraße muss kommen“. 

Im Beisein von Sima sagt er beim Startschuss des Umbaus: „Ja, wir wünschen uns den 30er, aber wir respektieren, dass die Wiener Linien das nicht wollen.“ Und versichert, dass der Linienbus 74A künftig auf dieser Strecke gegenüber dem Autoverkehr bevorzugt wird, um ihn schneller zu machen. 

Landstraßer Hauptstraße

Bei der Juchgasse wird mit den Bauarbeiten begonnen. 

„Wir wollen, dass der öffentliche Verkehr schneller wird“, versichert auch Sima, dem stehe ein 30er entgegen. Kritik, dass das kaum Zeitverlust für den Bus bringe, lässt sie nicht gelten.

Dass bessere Radinfrastruktur in Wien noch nötig ist, gibt die Verkehrsstadträtin selbst freimütig zu: „Ich fahre nur, wo es baulich getrennte Radwege gibt. Da fahre ich lieber Umwege.“ 

Und sie selbst würde in dem Bereich der Landstraßer Hauptstraße, die jetzt nicht umgebaut wird, auch bei einem 30er nicht mit dem Rad fahren, weil es ihr zu gefährlich erscheint. Eine Angst, die offenbar viele Wienerinnen und Wiener teilen. Der Bezirksvorsteher kann darüber nur schmunzeln: Er hat selbst gar kein Rad. Für den Radweg hat sich Hohenberger allerdings vehement eingesetzt.

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