Stadt will von Umbau der Wallensteinstraße nichts mehr wissen
„Die Attraktivierung der so zentralen Einkaufsstraße im 20. Bezirk wird auf Grundlage der bereits erfolgten Bürger*innenbefragung weiterverfolgt.“ Das steht über die Wallensteinstraße im Regierungsprogramm der „Aufschwungskoalition für Wien“, das erst im Vorjahr von SPÖ und Neos unterzeichnet worden ist.
Dem steht die Beantwortung einer Anfrage zur Wallensteinstraße diametral entgegen. „In der Magistratsabteilung 18 - Stadtentwicklung und Stadtplanung existieren keine Planungen für Radwege in der Wallensteinstraße. Gemäß Rücksprache mit allen anderen relevanten Planungsdienststellen des Magistrats Wien gibt es auch dort keine Pläne für Radwege in der Wallensteinstraße.“ Demnach ist das Regierungsprogramm zumindest in Sachen Wallensteinstraße das Papier nicht wert, auf dem die Ankündigung für den Umbau steht.
Überraschung im Bezirk
Deshalb ist der Ärger auch in der Bezirksvorstehung groß. SPÖ-Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm dürfte von der Antwort der Stadt Wien in Bezug auf den seit Jahren kommunizierten Umbau durchaus überrascht gewesen sein. Denn laut dem Büro von Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) liegt die Schuld daran, dass in Sachen Wallensteinstraße nichts weitergeht, im Bezirk: „Zur Wallensteinstraße können wir Ihnen mitteilen, dass der MA 28 dazu kein Auftrag durch den Bezirk vorliegt, daher gibt es auch kein Projekt und keine Planung.“
Die SPÖ im Bezirk sieht das anders: Schließlich gibt es einen gemeinsamen Beschluss dazu aus dem Bezirk, der auch an die Stadt weitergeleitet wurde – ebenso liege eine Mail vor, dass seitens der Stadt auf Basis der Bürgerbefragung von 2024 weitergearbeitet werde. Das stammt vom Sommer 2025. Was auch die Formulierung im Regierungsprogramm erklären würde.
„Sehr wichtig“
Deshalb sei man im Bezirk auch davon ausgegangen, dass der Umbau voll im Plan sei. „Diese Missverständnisse sind eine neue Situation, die aufgeklärt werden muss“, stellt Dubravac-Widholm deshalb auf KURIER-Anfrage klar.
Dazu würden zeitnah Gespräche stattfinden, versichert sie: „Ich bin zuversichtlich, dass wir rasch zu einer Lösung kommen.“ Und die müsse aus ihrer Sicht der zügige Umbau der Wallensteinstraße sein. Denn auf die Frage, wie wichtig die neue Wallensteinstraße für die Bezirksvorsteherin und den Bezirk sei, antwortet sie mit einem einzigen Wort: „Sehr!“
"Der Umbau wird gar nicht kommen"
In der Wallensteinstraße glauben nicht mehr alle an den Umbau. „Der wird wegen der finanziellen Situation der Stadt gar nicht kommen“, ist etwa Tom Kaschowitz überzeugt. Er ist seit über 40 Jahren in dem Männermodegeschäft in der Wallensteinstraße tätig, das seit über 70 Jahren an diesem Standort besteht. Er selbst führt es seit über zehn Jahren.
Fixe Größe: Tom Kaschowitz in seinem Geschäft in der Wallensteinstraße.
Und er ist gar nicht traurig: „Wie die Grünen das wollten, mit einer Begegnungszone zwischen Klosterneuburger Straße und Jägerstraße ganz ohne Parkplätze hätte das sowieso nicht funktioniert.“ Wobei er zumindest einräumt: „Breitere Gehsteige und etwas mehr grün wären schon gut.“ Aber eine lange Umbauphase würde Unternehmer vor Probleme stellen.
Was die Bürgerinnen und Bürger wollen
Breitere Gehsteige wollen laut der Umfrage, die der Bezirk als Grundlage für den Umbau der Wallensteinstraße heranzieht, wollen sowohl die Nutzer als auch die Anrainer und Unternehmer in der Wallensteinstraße.
Das wichtigste sind sowohl für beide Gruppen: Mehr Begrünung und mehr Schatten. Und davon gibt es derzeit in der Wallensteinstraße zwischen Friedensbrücke und Wallensteinplatz und auch weiter Richtung Nordbahnhof gar nichts.
Möglichst viele Stellplätze sind laut der Bürgerbefragung eher für die Nutzer von Interesse, bei den Anrainern und Unternehmern spielt dieser Punkt – anders als beim Chef des Männermodengeschäfts – nur eine untergeordnete Rolle.
Sehr viel Verkehr
Wie wichtig aber eine Neugestaltung der Straße auch aus Sicherheitsgründen ist, zeigen laut Stefan Ohrhallinger, Links-Bezirksrat in Brigittenau, die Unfallzahlen: „86 Kollisionen mit Verletzten wurden in den vergangenen zehn Jahren gezählt, 32 davon mit Radfahrern.“ Deshalb sei der baulich getrennte Radweg dringend nötig.
Ohrhallinger hat einen Vorschlag parat, wenn sich der Umbau verzögern sollte: „In der Wallensteinstraße würde ein 30-er mit einer Ausnahme für die Straßenbahn rasch für eine Entschärfung sorgen.“ Denn schon jetzt würden zumindest 10.000 Fahrzeuge täglich durch die Straße fahren. Und mit der Realisierung des Stadtentwicklungsgebiets Nordwestbahnhof-Viertel ist zu erwarten, dass der Verkehr noch weiter steigt.
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