Chronik | Wien
24.11.2017

Studentin bezahlte Zivilcourage mit Spitalsaufenthalt

Junge Donaustädterin wollte Streit in U-Bahn schlichten und wurde bewusstlos geschlagen. Sie erstattete Anzeige.

Mit einem Krankenhausaufenthalt bezahlte eine junge Donaustädterin für ihre Zivilcourage. Die 23-jährige Studentin wollte am Mittwochnachmittag in der U1-Station Kagran einen Streit zwischen zwei Männern schlichten, als sie von einem der beiden tätlich angegriffen wurde und infolge dessen kurzzeitig sogar das Bewusstsein verlor. Der Attacke könnte ein islamfeindliches Motiv zugrundeliegen. Denn Frau H. trägt ein Kopftuch - was der mutmaßliche Täter als Legitimation für die Gewalt gegen die junge Frau angesehen haben soll.

H. schildert den Vorfall so: Am Mittwoch kurz vor 17 Uhr seien auf dem Bahnsteig der U1-Station Kagran zwei Männer in Streit geraten. Die Auseinandersetzung schaukelte sich erst verbal auf und führte schließlich zu einer handfesten Prügelei. Einer der beiden Männer soll den anderen dabei ausländerfeindlich beschimpft haben. "Doch niemand hat reagiert. Obwohl viele Fahrgäste anwesend waren, haben alle weggeschaut", schildert H. - Doch sie wollte das nicht, redete von der U-Bahn aus auf die beiden Streitenden ein, aufzuhören und appellierte an die anderen Anwesenden, einzuschreiten. Ohne Erfolg.

"Die sind eh alle kriminell"

Schließlich sei der Mann, der den anderen zuvor rassistisch beschimpft haben soll, zu ihr in die U-Bahn gestiegen. Als er ein Messer gezückt habe, um dem Kontrahenten auf dem Bahnsteig damit zu drohen, sei sie vorsichichtshalber zurückgewichen, schildert H. dem KURIER.

Doch plötzlich habe der Mann seine Aggressionen gegen sie gerichtet und ihr gegen die Schulter geschlagen. Die Studentin stürzte in der Folge mit dem Kopf gegen eine Haltestange in der U-Bahn und verlor für einige Sekunden das Bewusstsein. Erst da schritten die anderen Fahrgäste ein. Als sie den Angreifer zur Raison bringen wollten, soll der gemeint haben: "Die trägt ja ein Kopftuch, die sind ja eh alle kriminell."

Der Zugführer verständigte Polizei und Rettung, die Frau H. mit einer Gehirnerschütterung ins Spital einlieferte. Dort musste die junge Frau eine Nacht verbringen. Gegen den Angreifer wurde Anzeige erstattet. Die Exekutive bestätigt den Vorfall.

Zivilcourage will Frau H. zwar auch in Zukunft zeigen, sagt sie. Persönlich einschreiten werde sie vermutlich aber nicht mehr - "sondern gleich die Polizei verständigen".