Wie Studenten eine 4020er-Garnitur vor der Verschrottung retten wollen
Die Studenten Philip, Firmian, Johannes (v. li.).
Fast 50 Jahre lang prägte der blau-weiße 4020er das Bild der Wiener Schnellbahn. Bis heute schwingt ein Stück Retro-Charme mit, wenn man in den alten Waggons stadtein- oder auswärts fährt.
Kommenden Freitag steht aber bereits die allerletzte Fahrt an, die ÖBB mustern die Flotte aus. „Mit Einführung der Cityjet Doppelstock Züge werden die 4020er schrittweise immer seltener eingesetzt“, sagt ein Unternehmenssprecher. Zuletzt waren noch 27 Triebwagen im Einsatz. Eine dieser Garnituren wollen drei Studenten aus Wien und Salzburg nun vor dem Schrottplatz retten.
Die Idee entstand bei einer Fahrt im 4020er, berichtet Philip Ramabadran, einer der drei Studenten. „Wir sind oft mit dem 4020er gefahren und haben eine Verbindung aufgebaut. Und da dieser Zug ein wichtiger Teil der österreichischen Bahnkultur ist, haben wir uns gedacht, man müsste eigentlich eine Garnitur aufheben“, berichtet der 23-Jährige dem KURIER.
Fünf-Stufen-Plan
Aus diesem Grund riefen die drei Freunde eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben. Mit einem Stufenplan wolle man sicherstellen, dass „dieses Stück Heimat auch für die Nachwelt erhalten bleibt“. Der erste Schritt sei die Sicherung einer Garnitur – bei einem Crowdfunding-Erlös von 20.000 Euro. Wird mehr Geld eingenommen, dann erhoffen sich die Studierenden die Finanzierung einer zweiten Garnitur.
Kurzfristiges Ziel ist es, eine Garnitur vor der Verschrottung zu retten, das langfristige die Inbetriebnahme für Sonderfahrten.
Bei einem Erlös von 200.000 Euro wolle man eine „geschützte Hinterstellung für zehn Jahre“ anvisieren – etwa in einer Halle, um das Fahrzeug vor Witterung und Vandalismus zu schützen. Auch die technische sowie die optische Aufarbeitung der Garnitur sind weitere Ziele. Bei den Beträgen handelt es sich laut Ramabadran um geschätzte Summen – eventuell ginge ein Schritt „auch günstiger“.
Preis steht noch nicht fest
Derzeit sind rund 2.400 Euro im Topf. Auf Anfrage bei den ÖBB heißt es, dass die Fahrzeuge nach der Ausmusterung teilweise noch als Ersatzteilspender für andere Fahrzeuge genutzt werden. Anschließend werden sie zur Versteigerung angeboten. „Der Preis ist noch nicht festgelegt. Vergleichbare Garnituren wurden in der Vergangenheit mit einem Startpreis von 25.000 Euro festgelegt“, so ein ÖBB-Sprecher.
Insgesamt wurden 120 Garnituren dieser Baureihe produziert. An einer alten Garnitur wäre etwa auch das Eisenbahnmuseum Strasshof interessiert. „Wir haben mit den ÖBB bereits Kontakt aufgenommen, da warten wir aber noch auf Rückmeldungen. Es hängt dann vom Verkaufspreis ab, ob wir eine der Garnituren kaufen werden“, heißt es vom Museum.
Ähnliche Projekte
Sollten die drei Studenten das Mindestziel von 20.000 Euro nicht erreichen, werde man das Geld zurückzahlen, kündigt Philip Ramabadran an. Hinter der Initiative steht laut Angaben der Studenten ein Netzwerk aus Eisenbahnspezialisten, die „ihr Fachwissen und ihre Leidenschaft einbringen“.
Auf der Webseite verweist man auf ähnliche Projekte, etwa den „SVT Görlitz“. In Sachsen erwachte der ehemalige DDR-Schnellzug Vindobona im heurigen Frühjahr zu neuem Leben. Der Zug durchquerte zwischen den Sechzigern und Achtzigern die DDR. Die Initiative „SVT Görlitz gGmbH“ machte es sich zum Ziel, einen der 2003 ausgemusterten Züge wieder zum Rollen zu bringen. Die erste Werkstattfahrt habe er bereits hinter sich, berichtete die FAZ. Eine Restaurierung – und eventuell sogar eine neue Inbetriebnahme für Sonderfahrten – wünscht sich die „Initiative Bahnkultur“ auch für den 4020er.
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