ÖBB: Das endgültige Ende der eckigen 4020er-Züge

In zwei Monaten haben die Züge aus den 70er-Jahren ausgedient. Die Reaktionen sind gemischt.
ÖBB, Wiener Linien, Blaguss, S-Bahn, Wien Meidling, Siemens

Zusammenfassung

  • Die 4020er-Züge aus den 70er-Jahren werden in zwei Monaten endgültig ausgemustert, was gemischte Reaktionen hervorruft.
  • Die alten Siemens-Garnituren wurden mehrfach modernisiert, waren aber zuletzt wegen fehlender Barrierefreiheit und technischer Probleme umstritten.
  • Die Ausmusterung erfolgt, weil neue Züge verfügbar sind und die Modernisierung für das ETCS-System zu teuer wäre.

Für Eisenbahnfreunde gibt es Abschiedsfahrten, und in Fachforen kommen nostalgische Gefühle auf. Doch Rollstuhlfahrer, ältere Menschen und Personen mit Kinderwagen sind wohl froh, dass sie für eine Bahnfahrt künftig keine Stufen mehr überwinden müssen. Denn nun ist bei der Schnellbahn endgültig Schluss für die Uralt-Züge.

Entwickelt wurde der 4020er in den 70er-Jahren, dementsprechend wirken die Siemens-Armaturen im Lokführerstand wie in einem alten Atomkraftwerk russischer Bauart.

Jedenfalls waren die blau-weißen Züge ab 1978 zunächst testweise in Tirol und dann vor allem auf der Wiener Stammstrecke oder zumindest im Umland der Hauptstadt unterwegs.

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Die 4020er von innen

Von den einst 120 Garnituren sind ohnehin nur noch rund zwei Dutzend im Dienst. Dafür mussten sie mehrfach umgebaut und auf den aktuellsten Stand gebracht werden, denn die ursprüngliche Version hatte nicht einmal Kopfstützen. Ab 1993 erfolgte bei allen Triebwagen eine Hauptausbesserung, immer wieder Probleme machten vor allem die Kompressoren. Später wurden Türsensoren oder LED-Scheinwerfer eingebaut.

Im September 2023 wurde eine Garnitur aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der ÖBB zu einem Discozug umgebaut. Dafür wurden die Sitze entfernt und für Sonderfahrten Disco-Equipment, Discokugeln usw. angebracht.

Nur noch eine Toilette

Ein Vorteil des Modells 4020 waren die sehr breiten Türen, die einen schnellen Fahrgastwechsel an den Bahnhöfen ermöglichten. Ein Minus war, dass nach vielen Umbauten nur noch ein WC zur Verfügung stand. Die 4020er hätten schon mehrfach ausgemustert werden sollen. Eigentlich sollten sie zuletzt nur noch als Ersatz fungieren, allerdings waren sie im Dauereinsatz. Auch weil Züge derzeit Mangelware sind.

Diesmal ist das Aus für die Fahrzeuge nach fast 50 Jahren aber endgültig, obwohl die Zulassung noch bis 2030 läuft.

„Die ÖBB haben ausreichend Züge zur Verfügung. Die Baureihe 4020 wird daher im Sommer definitiv ausgeschieden“, heißt es. Das hat auch einen weiteren Grund, denn die neue Stammstrecke wird mit dem modernen Zugsicherungssystem ETCS ausgestattet. Eine Umrüstung der alten Garnituren würde Millionen kosten. Damit wäre ein weiterer Einsatz unrentabel.

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