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Chronik | Wien
06/04/2019

Spuckattacke an HTL: Heute fällt die Entscheidung

Video zeigte mutmaßlich spuckenden Pädagogen: Es drohen Konsequenzen für Schüler, Lehrer und Direktion.

Fast einen Monat hat es gedauert, aber jetzt ist er da: Der Bericht der Untersuchungskommission zu den Mobbing-Vorwürfen an der HTL-Ottakring. Dabei wurde in alle Richtungen ermittelt, denn Vorwürfe kamen von allen Seiten und gegen alle Beteiligten. Heute um 10 Uhr werden die Konsequenzen für die in den Vorfall Involvierten präsentiert, der KURIER berichtet live.

Die Frage, die dabei unter anderem beantwortet wird, ist wohl, wie es zu einer derartigen Eskalation kommen konnte.

Zur Erinnerung: Anfang Mai tauchte ein Video auf, in dem der Eindruck ensteht, ein verzweifelter Lehrer würde einem Schüler ins Gesicht spucken. Der Lehrer wurde davor - ebenfalls auf dem Video sichtbar - von dem körperlich überlegenen Schüler massiv bedrängt und nach der Spuckattacke kräftig gegen die Tafel gestoßen. Eine weitere Aufnahme zeigte, wie Mitschüler kurz danach eingreifen, dabei den Lehrer aber auch festhalten.

Schulleitung stellt sich hinter Schüler

Der Direktor sagte in einem ersten Statement zum KURIER, dass es sich um eine - normalerweise - unauffällige Klasse handle und der Lehrer überfordert gewesen sei. Er sei ein Quereinsteiger ohne pädagogischen Hintergrund. Zudem sei ihm mehrfach angeboten worden, seine Stunden zu reduzieren.

Ebenso stellte der Schulleiter noch vor der offiziellen Untersuchung durch die Bildungsdirektion Wien klar, dass der besagte Lehrer an der HTL-Ottakring nicht mehr unterrichten würde. Sein Vertrag werde nicht verlängert und bis zum Ende des Schuljahres solle er nur unterstützend mit anderen Lehrkräften im Klassenzimmer stehen.

Lehrer dementiert

Dass es dazu wahrscheinlich nicht mehr kommen wird, war damals nicht absehbar. Der Lehrer aus dem "Spuckvideo" ist seit der Veröffentlichung im Krankenstand und nicht mehr an der Schule erschienen.

In einem Telefonat mit dem KURIER stellte er allerdings klar, dass er seiner Wahrnehmung nach nicht gespuckt habe. Außerdem widerspricht er der Sicht des Direktors und meint, die Klasse sei durchaus auffällig gewesen. Auch bei anderen Lehrern.

Er beklagt außerdem, dass die Unterstützung seitens seines Abteilungsleiters und des Direktors nicht gegeben gewesen sei. Beide hätten gewusst, dass der im Video sichtbare Schüler ihm gegenüber in der Vergangenheit äußerst auffällig gewesen sei.

Neue Videos tauchen auf

Die Version von der unauffälligen Klasse ist spätestens einige Tage später zumindest mehr als fragwürdig. Neue Smartphone-Videos, die in den sozialen Netzwerken geteilt werden, erwecken den Eindruck, der HTL-Lehrer sei systematisch und über einen längeren Zeitraum gemobbt worden.

In einem Ausschnitt wird ihm mit einer Trillerpfeife ins Ohr gepfiffen. Im nächsten wird er mit einer Papierkugel beschossen. Eine andere Aufnahme zeigt, wie sich ein Schüler im Klassenzimmer eine Zigarette dreht und diese neben dem hilflosen Lehrer raucht. In einem weiteren Video sieht man den Mann, wie er an der Tafel schreibt, während im Hintergrund laute Musik zu hören ist und Schüler um ihn tanzen.

Politische Dimension

Die Aufregung um die Vorgänge in der HTL-Ottakring ist groß. In den Medien melden sich weitere betroffene Lehrer zu Wort. In der Ottakringer HTL ist mittlerweile eine Disziplinarkonferenz angekündigt, bei der über den Schulverbleib von mehr als zehn in den Videos zu sehenden Schülern entschieden werden soll. Parallel dazu startet die Bildungsdirektion ihre Untersuchung.

Innerhalb weniger Tage hat eine Facebook-Seite mehr als 10.000 Fans gewonnen, sie fordert Konsequenzen für den Direktor und nicht für den Lehrer. Dieser habe Bescheid gewusst und nicht gehandelt. Immer mehr wird aus der Schul- eine politische Debatte. Der damalige Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) kündigt schließlich einen "Neun-Punkte-Plan" an, um derartige Eskalationen in Zukunft zu unterbinden.

Das Untersuchungsergebnis

Seinen Plan stellte Faßmann unter anderem in der ORF Diskussionssendung "Im Zentrum" vor. Dort gab er außerdem preis, dass für sechs der involvierten Schüler der Schulausschluss beantragt worden sei. Seitens der Schulleitung wollte man dazu aufgrund des Konferenzgeheimnisses nichts sagen.

Endgültige Klarheit über die Konsequenzen und wen diese alle betreffen - Schüler, Lehrer, Direktor - wird heute Vormittag nach Veröffentlichung der Untersuchungsberichts herrschen. Mehr dazu erfahren Sie ab 10 Uhr hier.