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Chronik Wien
05/03/2019

Spuckattacke auf Schüler: Ottakringer HTL-Lehrer suspendiert

Dienstrechtliche Konsequenzen soll die Spuckattacke eines Lehrers haben. Mehrere Schüler erwartet eine Disziplinarkonferenz.

von Markus Strohmayer

Ein von provozierenden Schülern umzingelter Lehrer hat am Donnerstag in der HTL Ottakring die Kontrolle verloren. Aus nächster Distanz bespuckte er einen Schüler, der ihm im Klassenzimmer besonders nahe gekommen war. Auch bei dem jungen Mann brannten daraufhin die Sicherungen durch und er verpasste der Lehrkraft einen kräftigen Rempler gegen die Tafel. All das geht aus einem Smartphone-Video hervor, das seit dem Zwischenfall in Sozialen Medien kursiert.

Rassistische und sarkastische Kommentare

Weiters ersichtlich ist in den Aufnahmen, dass danach einige Schüler eingriffen, um Schlimmeres zu verhindern. Dann ist das Video zu Ende. Mittlerweile ist aber mehr bekannt. So ist der Lehrer derzeit nicht nur vom Unterricht freigestellt, es gibt auch eine Vorgeschichte.

"Der Lehrer hat hier eindeutig eine rote Linie überschritten und er wird bei uns sicher nicht mehr alleine in der Klasse stehen", sagt Direktor Johannes Bachmair zum KURIER. 

Der 50-jährige, der sich noch in der Probezeit befindet, sei in der Vergangenheit schon durch rassistische und sarkastische Äußerungen aufgefallen. Beweise, wie im aktuellen Fall auf Video, habe es bisher aber nicht gegeben. "Auf den Videos im Internet sieht man nicht alles", erklärt der Schuldirektor. Der Schüler, der den Lehrer körperlich attackierte, soll ursprünglich versucht haben, die Situation zu schlichten. Die betroffene Klasse sei zudem bis jetzt – zumindest bei anderen Lehrkräften  völlig unauffällig gewesen.

Für Bachmair ist trotzdem klar, dass auch seitens der Schüler eine Grenze überschritten wurde. "Für den Schüler, der handgreiflich wurde, wird es eine Disziplinarkonferenz geben. Ebenfalls für alle auf den Videos ersichtlichen Provokateure." 

Lehrer sieht Versäumnisse seitens der Schulleitung

Freitagnachmittag äußerte sich erstmals der betroffene Lehrer im KURIER. Ihm zufolge sei die Verwendung eines Smartphones und das Abfilmen von ihm und seiner Unterrichtsmaterialien Auslöser des Konflikts gewesen. Er könne außerdem nicht nachvollziehen, dass die Klasse als unauffällig beschrieben werde. Seines Erachtens hätten einige Kollegen ebenfalls Probleme mit dieser Klasse gehabt.

Besonders mit dem handgreiflich gewordenen Schüler soll es in der Vergangenheit Zwischenfälle gegeben haben. Im Zuge der Notenvergabe habe dieser ihn einst übelst beschimpft. Schul- und Abteilungsleitung wären über das respektlose Verhalten informiert gewesen, hätten es aber verabsäumt, zu handeln.

"Ich bin gegenüber Schülern nie gewalttätig gewesen und habe meiner Wahrnehmung nach nicht gespuckt. Im nächsten Schritt muss man als Lehrer wohl Angst haben, zusammengeschlagen zu werden, wenn die Noten nicht passen", verteidigt sich der Lehrer. 

Schutz für den Lehrer

Der Direktor betont, dass er dem im Vorfall verwickelten Lehrer mehrfach angeboten habe, weniger Stunden zu unterrichten. Er sei in seinen Augen klar überfordert gewesen. Aus diesem Grund wird er vorerst gar nicht mehr in der Klasse stehen. Sollte er später noch einmal eingesetzt werden, dann nur als Unterstützung einer anderen Lehrkraft. Auch zu seinem eigenen Schutz. Als weitere Konsequenz werde sein Vertrag mit Ende des Schuljahres nicht verlängert.

Die Bildungsdirektion Wien ist über alle Vorgänge und Schritte informiert und meldete sich bereits zu Wort: "Der Lehrer wird einvernommen werden und hat jedenfalls mit dienstrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Bereits jetzt wurde er vom Unterricht abgezogen. Überdies werden Konsequenzen für die Schüler überprüft."