"Tüte? Bei uns is des doch a Sackerl"

Dialog - der Sprachencampus
In einer neuen Sprachschule lernen Zugezogene Deutsch, wie es im Alltag gesprochen wird.

"Wos kriegstn?" – "A Eitrige." – "Soll i’s da schneidn?" – "Jo des warad liab!"

Wenn Lena Otter bis dato Dialoge wie diese beim Würstelstand hörte, verstand sie nur Bahnhof. Und das, obwohl die gebürtige Niederländerin bereits seit zwei Jahren in Wien lebt und mehrere Deutschkurse besucht hat. Doch viele Unterlagen im Deutschunterricht gehen nicht – oder nur am Rande – auf die österreichische Sprachvariante ein.

Dieses Versäumnis möchten Kathrin Kreiner und Michael Englberger nachholen. In ihrer neu gegründeten Bildungseinrichtung "Dialog – Der Sprachcampus" in der Esterhazygasse (6. Bezirk) bieten sie neben üblichen Deutsch-, Englisch- und Spanischkursen auch spezielle Erlebnisworkshops an. Etwa den "Wiener Kaffeehaus"-Kurs, bei dem sich die Teilnehmer als Barista versuchen können und einen Workshop zum "Wiener Dialekt" absolvieren. Dank diesem weiß Lena Otter nun, dass der Kunde am Würstelstand eine geschnittene Käsekrainer bestellt hat.

Bei Sprachspielen und in Dialogen lernen die Teilnehmer auch, dass es Eierspeis heißt und nicht Rührei, dass die "Tüte" in Wien ein "Sackerl" ist oder dass manche Phrasen, wie "Es geht sich nicht aus", in der bundesdeutschen Variante gar nicht existieren.

"Tüte? Bei uns is des doch a Sackerl"
Wiener Dialekt Kurse, Sprachkurs, D!ALOG
Die Workshops richten sich zum einen an Expatriates, also an von internationalen Firmen ins Ausland entsandte Arbeitskräfte. Auch wenn Wien im aktuellen „Global City Index“ um einen Platz abgerutscht ist, ist die Stadt zum Arbeiten generell beliebt. Rund 200 internationale Konzerne haben hier ihren Hauptsitz. Etwa 25.000 ausländische Fachkräfte leben temporär in Wien.

Dazu kommen knapp 45.600 ausländische Studenten (73.900 in ganz Österreich), die ebenfalls Deutsch lernen möchten.

Kaffee kosten

Einer von ihnen ist der 29-jährige Tim Atkin. Er kam vor drei Jahren der Liebe wegen nach Wien und wird im Herbst an der Montanuni in Leoben zu studieren beginnen. An diesem Tag sitzt er gegenüber von Lena Otter beim "Wiener Kaffeehaus"-Workshop. Sprachlehrer Ludwig erläutert gerade, weshalb der Einspänner Einspänner heißt. (Auflösung: Weil er häufig von Kutschern bestellt wurde. Die Schlagobershaube sollte den Kaffee lange warm halten.)

Nach dem Theorieteil geht es für die Kursteilnehmer ins Lokal "kaffeemik", ein modernes Kaffeehaus. Hier können sie sich nicht nur von Melange bis Flat White durchs Sortiment kosten, sondern dürfen sich auch an der Espressomaschine versuchen.

"Tüte? Bei uns is des doch a Sackerl"
Dialog - der Sprachencampus
Welcher Kaffee sagt Tim Atkin am meisten zu? Der Schotte überlegt kurz: "Eigentlich alle. Weil sie besser sind als bei uns in Schottland." Hat Lena Otter einen Favoriten? Die Niederländerin grinst und sagt in Wiener Manier – wenn auch mit Akzent: "Hmm, schau ma mal."

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