Chronik | Wien
31.07.2018

Sportstadt Wien? Vereine finden das Angebot "lächerlich"

Am 1. August startet das Beachvolleyball-Großevent, im Breitensport fehlt es Vereinen jedoch an Unterstützung

Diese Werbung ging um die Welt: Um das Vienna Beach Major anzukündigen, das am Mittwoch startet, absolvierten die Beachvolleyball-Vizeweltmeister Clemens Doppler und Alexander Horst mit norwegischen Kollegen ein nervenaufreibendes Match: Sie pritschten und baggerten in 65 Meter Höhe auf den Dächern des Riesenrads. Die Aktion, von der die Bild ebenso berichtete, wie die Los Angeles Times, half aber nicht nur, das Turnier zu promoten. Sie vermittelte auch die Botschaft: Wien ist eine Sportstadt.

 

Im Büro von Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) betont man, dass die Beachvolleyball-WM nicht das einzige sportliche Großevent in Wien sei. Man verweist etwa auf den Vienna City Marathon (40.000 Teilnehmern, bis zu 300.000 Zuschauer), den Frauenlauf (35.000 Teilnehmerinnen) und die Tennis Trophy in der Stadthalle (60.000 Zuschauern).

Weitere könnten zudem  bald folgen: Der Judoverband bemüht sich um eine Weltmeisterschaft in Wien, der Schachverband will die WM 2020 in die Stadt holen.

Tourismusplus

Der Tourismus profitiert von den Events. „Sie helfen, Wien als pulsierende Metropole mit bester Lebensqualität zu positionieren“, sagt WienTourismus-Chef Norbert Kettner, der sich seit Jahren um eine Entzerrung der Touristenströme bemüht.

2017, als mit der Beachvolleyball-WM das erste sportliche Großevent auf die Donauinsel geholt wurde, verzeichnete die Stadt 55.000 zusätzliche Nächtigungen. Der Werbewert lag bei 74 Millionen Euro. 180.000 Besucher wurden in den zehn Tagen gezählt.

Nach dem Vorjahres-Erfolg beschloss der Gemeinderat im Februar, der Veranstaltung drei Jahre lang (bis 2020) jährlich 950.000 Euro zuzuschießen. Im Gegenzug bleiben jene vier Beachvolleyball-Plätze, die bei den Beach Majors als Side Courts verwendet werden, auf der Donauinsel.

Schwache Infrastruktur

Während die Stadt Großevents (finanziell) unterstützt, fühlen sich Wiener Sportvereine im Stich gelassen. Wien eine Sportstadt? Vereinsvertreter schütteln da den Kopf. „In Relation zu den fast zwei Millionen Einwohnern ist das Angebot lächerlich“, heißt es aus einem Sportverband. Es werden Unsummen für Großevents ausgegeben, aber für den viel wichtigeren, täglichen Sportbetrieb für die breite Masse werde fast nichts getan. Das Ernst-Happel-Stadion ist in die Jahre gekommen (die Laufbahn dort marode), es gebe keine meisterschaftstaugliche Leichtathletik-Halle, das ehemalige Budo-Center, in dem die Basketballer trainieren, ist öffentlich praktisch nicht erreichbar. Und immer noch gibt es zu wenig Schwimmbahnen.

Im Stadtratsbüro weist man die Vorwürfe zurück. Die Stadt tue viel für den Sport: eine Mehrzweckhalle – wie von Bürgermeister Michael Ludwig beim Amtsantritt angekündigt – sei derzeit in Planung. Oft werde Geld auch für Instandhaltung ausgegeben. „Ein Kunstrasen hält nur zehn Jahre. Ihn zu erneuern, kostet 400.000 Euro.“ Und: Mit der Traglufthalle im Stadionbad sei auch der Bedarf für den Leistungssport abgedeckt.

Das sieht Thomas Unger, Generalsekretär des österreichischen Schwimmverbands, anders: „Es gibt immer noch zu wenig Bereiche, die für Schwimmer abgetrennt sind. Unsere Vorschläge, Bahnen einzuleinen, wären schnell umzusetzen und würden nichts kosten – aber passiert ist nichts. Außerdem fallen pro Jahr während des Auf- und Abbaus der Halle ein, zwei Monate weg.“