SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid.

© Franz Gruber

Chronik | Wien
08/13/2019

SPÖ zu Deutschklassen: "Schwache Ergebnisse waren erwartbar"

Sonja Hammerschmid, Bildungssprecherin der SPÖ, fordert eine Kurskorrektur punkto Sprachförderung.

Nach dem KURIER-Bericht über die mäßige Effizienz der Deutschförderklassen in Wien, sieht man sich bei der SPÖ bestätigt. Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid kritisiert - wenig überraschend - die umstrittene Sprachfördermaßnahme und fordert unisono mit dem Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer mehr Schulautonomie sowie mehr Lehrer.

„Zahlreiche WissenschafterInnen – von EntwicklungspsychologInnen bis SprachwissenschafterInnen – haben davor gewarnt, Kinder aus dem Klassenverband zu nehmen und zu segregieren“, erinnert Hammerschmid an das Experten-Hearing im Unterrichtsausschuss.

Die SPÖ bekräftige deshalb ihre Forderung nach einer Kurskorrektur: „Es braucht mehr Autonomie für die Lehrer, wie sie die Sprachförderung am Standort gestalten, und die Schulen brauchen ausreichend Ressourcen. Die Kürzungen des Integrationstopfes – unter anderem wurden 450 SprachpädagogInnen gestrichen –  müssen wieder zurückgenommen werden.“

"Speziell ausgebildetes Personal fehlt"

Punkto Deutschförderklassen ortet Hammerschmid - bei der Nationalratswahl auf Platz neun der SPÖ-Kandidatenliste - noch weitere Probleme: Die Gruppen seien zu groß, es fehle speziell ausgebildetes Personal für Deutsch als Zweitsprache, Förderstunden in der Klasse seien von elf auf sechs Stunden gekürzt worden und den Schulen fehle oftmals die erforderliche Infrastruktur.

„Die schwachen Ergebnisse nach einem Jahr Deutschklassen waren also erwartbar – ÖVP und FPÖ haben freilich alle Warnungen ignoriert“, kritisiert die ehemalige Bildungsministerin.

Momentaufnahme

Diese "schwachen Ergebnisse" sind zwar nur begrenzt repräsentativ, da es sich bei den Ergebnissen der Sprachstandtests am Ende des Schuljahres bloß um eine Momentaufnahme handelt. Wie berichtet, zeigte sich aber, dass in Volks-, Neuen Mittel- und Polytechnischen Schulen in Wien die Sprachkompetenz jener Schüler, die Deutschförderklassen bzw. -kurse besucht hatten, fast ebenso oft mit "ungenügend" oder "mangelhaft" bewertet wurde wie mit "ausreichend".

Die Forderung von Bildungsdirektor Heinrich Himmer und Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger nach mehr Schulautonomie bleibt im Bildungsministerium allerdings ungehört. Dort heißt es, eine solche habe es schon früher gegeben, sie habe sich jedoch nicht bewehrt.

Eine Aussage, die Hammerschmid nicht nachvollziehen kann. „2016 wurden Sprachstartgruppen und integrative Sprachförderung eingeführt. Türkis-Blau hat diese Maßnahmen gestrichen – ebenso wie die geplante Evaluierung. Man hat der Sache keine Zeit gegeben und so konnten auch die Effekte nicht untersucht werden“, meint sie.