Allzu glücklich wirkte Michael Ludwig mit seinem streitbaren Gesundheitsstadtrat Peter Hacker nicht. Eine Ablöse nach der Wahl ist dennoch eher unwahrscheinlich

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Analyse
10/09/2020

SPÖ Wien: Warum Bürgermeister Ludwig an Stadtrat Hacker festhält

Peter Hacker ist kein Liebhaber dezenter Polit-Diplomatie. Trotz des Krachs mit dem Bund, der für die SP zur Unzeit kam, wird er auch wohl der nächsten Stadtregierung angehören.

von Josef Gebhard

Mit seinem polternden Auftreten gegen die Bundesregierung wurde er zu einer Art Popstar für den linken Flügel der SPÖ. Am Donnerstag war es dann aber vielleicht etwas zu viel: Am Vormittag verkündete Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker lautstark, dass die Stadt nicht mehr den Krisenstab des Innenministeriums besetzen werde. Der Grund: Unstimmigkeiten rund um die Wiener Corona-Statistiken.

Nur wenige Stunden später pfiff Bürgermeister Michael Ludwig seinen Stadtrat zurück und trug ihm auf, an der Sitzung des Krisenstabs am gestrigen Freitag teilzunehmen.

Ein ungewöhnlicher Vorgang so kurz vor einer Wahl. Schon unken manche, der streitbare Stadtrat würde sich mit seinem Auftritt nicht gerade für eine Fortsetzung seines Jobs qualifizieren.

In SPÖ-Kreisen sieht man Hackers emotionalen Ausbruch vom Donnerstag zwiespältig: „Er hat sich längst schon vom Innenministerium und seinen Spielchen rund um die Corona-Daten gepflanzt gefühlt. Am Donnerstag hat er dann den Hut drauf gehaut“, sagt ein SPÖ-Funktionär, der namentlich nicht genannt werden möchte. Eine Reaktion, die durchaus verständlich sei.

Verunsicherung

Dennoch: „Drei Tage vor der Wahl kam Hackers Aktion zur Unzeit“, sagt der SPÖ-Mann. „So etwas kann die Menschen verunsichern. Vor allem ältere Wähler, die für die SPÖ so wichtig sind.“

Wegen der stetig steigenden Infektionszahlen sowie den mitunter enormen Verzögerungen bei den Tests und dem Contact Tracing war Hacker, der lange als bewährter Krisenmanager galt, in den vergangenen Wochen immer mehr unter Beschuss geraten. Auch der Bürgermeister machte zuletzt nicht unbedingt den Eindruck, dass er grenzenlos von der Arbeit seines Stadtrats begeistert sei: „Hacker bemüht sich sehr, in dieser schwierigen Situation die entsprechenden Maßnahmen zu setzen“, lautete erst vor wenigen Tagen Ludwigs kühler Befund im KURIER-Interview – noch vor dem jüngsten Disput mit dem Innenministerium.

Dass Hacker nach der Wahl seinen Stadtratsposten verliert, gilt dennoch als unwahrscheinlich – auch wenn die ÖVP im Stundentakt seine Ablöse fordert. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe:

In Parteikreisen geht man davon aus, dass Landesparteisekretärin Barbara Novak nach der Wahl in die Stadtregierung wechselt. Dann müsste ein Stadtrat Platz machen, dem Vernehmen nach könnte dies Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky sein. Da er ebenfalls dem linken Parteiflügel angehört, ist es unwahrscheinlich, dass Ludwig mit Hacker einen weiteren Linken absetzt. „Zumal Hacker eine sehr große Fangemeinde hat“, sagt ein Genosse.

Was auch für Hackers Verbleib spricht: Ludwig würde sich schwer tun, einen Nachfolger zu finden. Auch ohne Corona-Krise gilt das Gesundheitsressort als Himmelfahrtskommando – mit all den ungelösten Strukturproblemen in den Wiener Spitälern.

Parteichef Hacker?

Denkbar ist aber: Ludwig lobt Hacker in alter SPÖ-Manier nach einigen Jahren in den Bund weg. Als Nachfolger von Pamela Rendi-Wagner. „Er wäre der perfekte Oppositionsführer, der jeden Tag der Regierung auf die Nerven gehen würde“, sagt ein Rathaus-Genosse. „Genau das braucht die SPÖ, um ihren Kampfgeist wiederzufinden.“

Hacker selbst will jedenfalls Stadtrat bleiben. Zum KURIER sagte er zuletzt: „Dass ich mein Ressort liebe, darüber brauchen wir nicht diskutieren.“

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