Beliebtheitsranking: Das Image-Problem der Spar-Stadträtin
SPÖ-Stadträtin Barbara Novak
Die rote Finanzstadträtin Barbara Novak hat es wahrlich nicht leicht. Sie stieg mit dem Auftrag, das aus den Fugen geratene Budget der Stadt mit harter Hand in den Griff zu kriegen, in die Regierungsriege auf. Und sollte zugleich tunlichst auf ihre – internen wie externen – Beliebtheitswerte achten. Immerhin gilt sie, auch wenn das von der SPÖ offiziell noch dementiert wird, als designierte Nachfolgerin von Michael Ludwig im Bürgermeister(innen)amt.
Wer kommt gut an?
Mit dem Blick auf ganz aktuelle, exklusive Umfragewerte lässt sich sagen: Mission – noch – nicht erfüllt.
Das Meinungsforschungsinstitut OGM hat im Auftrag des KURIER das Meinungsbild der Wienerinnen und Wiener zu den Spitzenpolitikern der Stadt abgefragt: Von wem haben die Menschen eine gute Meinung? Von wem eine – höflich formuliert – weniger gute? Und wer ist ihnen unbekannt?
Das Ergebnis: Novak rangiert am untersten Ende des Rankings. Nur elf Prozent der Wienerinnen und Wiener haben eine „gute Meinung“ von der Finanzstadträtin; ihnen gegenüber stehen 18 Prozent, die eine „weniger gute Meinung“ von Novak haben. Ein negativer Saldo – bei zugleich sehr geringem Bekanntheitsgrad.
Ähnliche Werte weisen nur die (realpolitisch deutlich unbedeutendere) rote Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler und die frischgebackene rote Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (für deren inhaltliche Beurteilung es zu früh ist) auf.
Bei den SPÖ-Anhängern schneidet Novak nur unwesentlich besser ab: In der roten Kernklientel haben 26 Prozent eine „gute Meinung“ von ihr, elf Prozent eine „weniger gute“. Das fügt sich in die Ergebnisse der OGM-Sonntagsfrage im KURIER.
Auch dort fällt die Wiener SPÖ in der Wählergunst zurück (auf 34 Prozent statt, wie am Wahlabend, 39 Prozent) und verliert sogar die gemeinsame Regierungsmehrheit mit den Neos. Als einer der Gründe nennt OGM-Analytiker Johannes Klotz den hohen Schuldenstand der Stadt und den dadurch nötig gewordenen Sparkurs.
Sparmeister, zwangsläufig ungeliebt?
Aber muss, wer in wirtschaftlich angespannten Zeiten als Sparmeister auftritt, zwangsläufig unbeliebt sein? Nein, die Ausrede wäre zu einfach. Und das macht ausgerechnet die Bundesregierung vor.
Im OGM/APA-Vertrauensindex vom Jänner 2026 lag der rote Finanzminister Markus Marterbauer an erster Stelle aller Regierungsmitglieder. Er ist (neben Frauenministerin Eva Holzleitner) sogar der einzige mit positivem Saldo aus „habe Vertrauen“ und „habe kein Vertrauen“. Zudem wies ihn der Index als stärksten „Aufsteiger“ unter den abgefragten Politikern aus. Auch Marterbauer exekutiert (ähnlich wie Novak) ein unangenehmes Milliarden-Sparpaket.
Was sonst noch auffällt
Was sonst auffällt? „Der geringe Bekanntheitsgrad vieler Stadtpolitiker“, sagt Klotz. „Und das betrifft nicht nur Newcomer.“ So gaben etwa nur 56 Prozent ein (ausgeglichenes) Urteil zu Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky ab. „Und das, obwohl er schon seit fast zehn Jahren amtsführender Stadtrat ist“, sagt Klotz. „Auf Bundesebene wäre so etwas undenkbar.“
Insbesondere, weil auch Czernohorszky als (Außenseiter-)Kandidat auf die Bürgermeister-Nachfolge gilt. Er würde, im Gegensatz zu Novak, vor allem vom linken, jüngeren Flügel der Wiener SPÖ favorisiert. Zumindest unter deklarierten SPÖ-Wählern punktet Czernohorszky: Hier haben 48 Prozent eine „gute“ Meinung von ihm, nur elf Prozent eine „weniger gute“.
Besser kommt beim SPÖ-Klientel nur ein Stadtrat an: Der für Gesundheit zuständige Peter Hacker, der bisher noch keine Chance ausließ, sein Profil zu schärfen. Derzeit liefert er sich in der Gastpatienten-Causa einen Infight mit Niederösterreich. Bei den eigenen Wählern hat er 62 Prozent Zustimmung. Gesamt schneidet aber auch Hacker – siehe Grafik – negativ ab.
Spitzenwerte für Ludwig
Unerreicht ist der Bürgermeister selbst. Die OGM-Umfrage weist für Michael Ludwig nicht nur insgesamt hohe Werte aus. Er ist der einzige der abgefragten Spitzenpolitiker, der einen positiven Saldo zwischen „guter“ und „weniger guter“ Meinung für sich verbuchen kann: 53 Prozent, und das ist zugleich eine absolute Mehrheit, haben eine „gute Meinung“. Bei den eigenen Anhängern erreicht Ludwig mit 92 Prozent Zustimmung echte Spitzenwerte. „Er ist für die Wiener SPÖ eine Bank“, sagt OGM-Meinungsforscher Klotz. Diese Zahlen stützen auch die gestern im KURIER publizierten Ergebnisse zur fiktiven Bürgermeister-Direktwahl. In dieser kann Ludwig seine Partei um elf Prozentpunkte (34 versus 45 Prozent) überflügeln.
Spannend sind auch die Werte der Oppositionschefs: Judith Pühringer (Grüne) und Dominik Nepp (FPÖ) weisen in der eigenen Wählerschaft hohe Werte auf. ÖVP-Chef Markus Figl schneidet sogar noch besser ab. Er ist er kurz im Amt, erhält von seinen Sympathisanten offenbar aber einen Vertrauensvorschuss.
Schlechter sind die Werte der Neos-Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling: Sie ist nicht nur insgesamt eher unbekannt, sondern wird auch nur von knapp mehr als der Hälfte der eigenen Wähler positiv wahrgenommen.
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