Überfallsartig: Aus welchen privaten Gründen Wiens Vizebürgermeisterin zurücktritt
Stadträtin Kathrin Gaál ist eine engagierte Frauenpolitikerin und Kämpferin für die Gleichberechtigung. Und so mutet es fast ironisch an, dass sie selbst im Abgang ein Zeichen der Gleichberechtigung setzt: Die Midlife-Crisis gehört nicht den Männern allein!
Seit Gaál am Montag etwas überfallsartig ihren Rückzug aus allen Ämtern verkündet hat, wird gemutmaßt, was hinter dem Abgang steckt. Tatsächlich dürfte die Stadträtin, die mit ihrer uneitlen Art (nicht) auffiel, in ihrer Abschieds-Pressekonferenz einen für die Politik unüblichen Weg beschritten haben: Es scheint, als habe sie schlichtweg die Wahrheit gesagt.
Sie wolle, hieß es, beruflich noch einmal neu durchstarten und „nicht bis zur Pension in der Politik bleiben“. Das klingt so trivial, dass es nicht wahr sein könne, raunte man sich in der Polit-Blase zu. Wie Menschen, die es wissen müssen, erzählen, ist es aber dennoch wahr.
50. Geburtstag im Jänner
Gaál feierte am 3. Jänner ihren 50. Geburtstag – und dieser runde Geburtstag dürfte ihr schwer im Magen liegen: Sie steckt offenbar in einer Art Midlife-Crisis. Nach Wochen des intensiven Nachdenkens soll sich Gaál entschieden haben, den Schritt aus der Politik zu wagen.
Zur Verwunderung trug bei, dass sie erst vor Tagen politische Zukunftspläne (konkret das neue „Wohnticket“) präsentierte. Und auch im Wahlkampf im April, währenddessen sie manche Beobachter abschrieben, wehrte sie sich gegen ihr Polit-Aus: Sie sei motiviert und wolle unbedingt weitermachen, ließ sie damals durchsickern. Nun ist es doch anders gekommen.
Informiert war über den Abgang letztlich nur Bürgermeister Michael Ludwig, dem die Stadträtin eng verbunden ist. Man sah ihm die Betroffenheit an. Nicht zuletzt, weil er mit Gaál eine beliebte interne Verbinderin verliert, die zugleich den für ihn wichtigen, mächtigen 10. Bezirk im Griff hatte. Gaál führte die Genossen aus Favoriten, die einst mitwirkten, dass Ludwig SPÖ-Chef wurde, als Bezirksparteichefin an.
Umbruch in Favoriten
In Favoriten dürfte nun der Gemeinderatsabgeordnete Sascha Obrecht, der im Bezirksparteipräsidium sitzt, aufgewertet werden. Bezirksvorsteher Marcus Franz ist ohnehin eine Größe in der Partei.
Doch zurück zu Gaál: Dass nun alles schnell ging, dürfte mit einem Job zu tun haben, den sie in Bälde antreten wird. Auch hier wahrt sie die Verschwiegenheit. Dass Ludwig am Montag so konsequent vor die Medien trat, war wiederum auch ein internes Signal an die Bundespartei und andere SPÖ-Landeschefs: Personelles Hin und Her wie rund um Andreas Babler und seinen Doch-Nicht-Konkurrenten Christian Kern schätzt Ludwig nicht.
Deshalb vergab er die vakanten Ämter umgehend. Botschaft: Personaldebatte schon wieder beendet! Die (etwas zu breit grinsende) Finanzstadträtin Barbara Novak trat als neue Vizebürgermeisterin auf. Und Elke Hanel-Torsch hatte offenbar nur wenige Stunden, sich zu überlegen, ob sie Wohnbaustadträtin werden wolle, bevor sie zusagte.
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