Kathrin Gaál: Ein Abschied mit Standing Ovations

Die Wiener SPÖ-Vizebürgermeisterin und zuständige Stadträtin für Frauenpolitik und Wohnbau geht. Sie wurde oft unterschätzt.
Agnes Preusser
Eva-Maria Holzleitner, Frauenministerin, Kathrin Gaal, Frauenstadtraetin, Frauenministerium, 1010 Wien

Es gibt Politiker und Politikerinnen, die sich so sehr im Glanz der Öffentlichkeit sonnen, dass sie, umgangssprachlich ausgedrückt, in jedes Mikrofon beißen, das an ihnen vorbeigetragen wird. Auf Kathrin Gaál (SPÖ) hat diese Beschreibung nie zugetroffen.

Sie war eine ruhige Sachpolitikerin, die sich lieber mit dem Inhalt als mit dem Verkauf etwaiger Erfolge beschäftigt hat – das hat mitunter dazu geführt, dass sie unterschätzt wurde.

In der Zusammenarbeit war sie hingegen auch bei anderen Parteien geschätzt. Das zeigen die Reaktionen von der Opposition am Montag. Die Grünen lobten sie insbesondere als „glaubwürdige Kämpferin für Frauenrechte, Gleichstellung und Gewaltschutz“. Auch die ÖVP erklärte, dass Gaál in der Frauenpolitik „große Fußstapfen“ hinterlasse und man von ihrer Nachfolgerin dieselbe Gesprächsbereitschaft und Sachlichkeit erwarte.

Erst vergangenen Juni wurde Gaál mit 90 Stimmen im Gemeinderat als Stadträtin bestätigt – das bedeutet, dass Mitglieder aus allen Parteien ihr Kreuz für sie gemacht haben. Niemand sonst hat so viel Zustimmung erhalten. Bürgermeister Michael Ludwig erklärte am Montag, dass es für sie bei der Aufzählung ihrer Errungenschaften Standing Ovations gegeben habe. Es gibt keinen Grund, das nicht zu glauben.

Ihre Nachfolgerin hat keine leichte Aufgabe.

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