Wiens Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál tritt ab

Bürgermeister Ludwig baut die Stadtregierung um: Elke Hanel-Torsch folgt als Stadträtin. Vizebürgermeisterin wird Barbara Novak.
PK WIENER REGIERUNGSKLAUSUR: GAAL

Die SPÖ Wien hat am Montagvormittag unerwartet eine Pressekonferenz für 13 Uhr einberufen. Wie der KURIER bereits vorab aus Rathauskreisen erfuhr, ging es um Personalentscheidungen.

Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál tritt zurück. Seit 2018 ist Gaál bereits Stadträtin und seitdem zuständig für die Themen Wohnen und Frauen. Seit 2020 bekleidet sie das Amt der Vizebürgermeisterin und Landeshauptmann-Stellvertreterin.

In der SPÖ Wien seien nun aber "personelle Entscheidungen" getroffen worden, die alle einstimmig beschlossen worden seien, wie Bürgermeister Michael Ludwig am Montag die Pressekonferenz eröffnet.

Abgang von Kathrin Gaál "ein harter Schlag"

Erst kürzlich habe Kathrin Gaál ihm mitgeteilt, dass sie beruflich noch einmal etwas anderes machen wolle und "nicht bis zur Pension in der Politik bleiben" möchte. „Es ist ein harter Schlag, liebe Kathrin“, sagt Ludwig. Mit Standing Ovation sei ihre Arbeit in den Gremien gewürdigt worden.

Bis Ende März wird Gaál noch Stadträtin bleiben. Anschließend wird Elke Hanel-Torsch folgen, sagt Bürgermeister Ludwig. Neben ihren Rollen als Nationalrätin und Vorsitzende der Mietervereinigung Wien ist Hanel-Torsch derzeit Bezirksparteivorsitzende der SPÖ Margareten. Also genau jener Bezirks-SPÖ, die bei der Wien-Wahl eine derart herbe Niederlage einfahren musste, dass sich der Bezirk umfärbte: Nicht der rote Spitzenkandidat wurde Bezirksvorsteher, sondern der grüne Michael Luxenberger. 

Wer ist Elke Hanel-Torsch?

Seit dem Jahr 2006 ist die Kärntnerin Hanel-Torsch bei der Mietervereinigung Wien, zuvor studierte sie Rechtswissenschaften in Wien. Seit 2016 ist sie Vorsitzende der Landesorganisation der Mietervereinigung. Ihre Fachkenntnis in dem Bereich stellt die 45-Jährige auch regelmäßig beim Wohntelefon des KURIER unter Beweis, wenn sie im Rahmen dessen Fragen von Lesern beantwortet.

Mehr als 2,6 Millionen Euro erstritt die Mietervereinigung Wien unter Hanel-Torsch im Jahr 2025 für Mieterinnen und Mieter. Dabei ging es meist um die Überprüfung der Miethöhe und der Betriebskosten. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf dem Thema leistbares Wohnen. Ihr Ziel: mehr unbefristete Mietverträge sowie die Befristung von Mietverträgen zu verbieten.

Ihr Amt im Nationalrat wird Christoph Matznetter übernehmen, er wird vom Bundesrat in den Nationalrat wechseln.

Barbara Novak wird Vizebürgermeisterin

Aber auch das Amt der Vizebürgermeisterin wird durch Gaáls Rücktritt vakant. Übernehmen soll dieses Amt künftig die Finanzstadträtin Barbara Novak. "Ich war entschlossen, dass wieder eine Frau als Vizebürgermeisterin eingesetzt wird", sagt Ludwig. Die neue Funktion werde ihr mehr politisches Gewicht verleihen, was in Zeiten der Budgetkonsolidierung wichtig sei, führt er aus.

Gaáls Rückzug kommt überraschend

Der Rückzug von Gaál kommt überraschend. Sie galt lange Zeit als Vertraute von Bürgermeister Ludwig und ist eine Vertreterin der in der SPÖ durchaus mächtigen Außenbezirke. Gaál ist politisch im 10. Bezirk sozialisiert. Manch einer handelte die medienscheue Stadträtin zuletzt gar als Kandidatin für die Ludwig-Nachfolge im Bürgermeisteramt.  

Diese Gerüchte finden nun aber ein Ende. Sichtlich gerührt übergab Gaál am Montag "das Staffelholz" an ihre zwei anwesende Kolleginnen Novak und Hanel-Torsch. "Es war mein Wunsch, meine politischen Funktionen zurückzulegen. Es war keine leichte Entscheidung, es ist aber der richtige Zeitpunkt", sagt sie. Sie bedankte sich bei Ludwig "herzlich dafür, dass ich Teil deiner Wiener Melange sein durfte". Wohin sie die neuen beruflichen Pläne führen werden, darüber wollte Gaál am Montag noch nicht sprechen.

Rosen streute Gaál ihre Nachfolgerin Barbara Novak: "Kathrin Gaál hat ein wichtiges Ressort übernommen und ist in große Fußtapfen (in jene von Michael Ludwig, Anm.) getreten". Sie lobte vor allem die Frauenpolitik Gaáls. "Wer, wenn nicht du als Frauenpolitikerin, darf selbstbestimmt entscheiden, wie dein Weg weitergeht?"

Für sie selbst bringe das neue Amt eine deutliche Aufwertung und neue Kraft, sagt Novak. "Finanzpolitik ist in der jetzigen Zeit das Bohren harter Bretter", sagt sie. Das Amt der Vizebürgermeisterin werde sie dabei unterstützen.

Die künftige Stadträtin Hanel-Torsch zeigte sich am Montag erfreut: "Ich kann den Wienerinnen und Wienern versprechen, dass ich die neue Aufgabe mit viel Einsatz und Herzblut bestreiten werde." Zu ihren inhaltlichen Plänen konnte sie sich noch nicht äußern, dafür erbat sie sich noch etwas mehr Zeit. Auch sie selbst habe erst vor wenigen Stunden erfahren, dass sie das Amt antreten werde.

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