OGM-Umfrage: Keine Mehrheit mehr für Rot-Pink in Wien
SPÖ-Stadtchef Michael Ludiwg und Neos-Vize Bettina Emmerling
Die Stimmung in Wien war auch schon mal besser. So lässt sich – etwas salopp – das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM im Auftrag des KURIER zusammenfassen: Die Wienerinnen und Wiener zeigen sich mit der Regierungspolitik derzeit nicht zufrieden. Das ist gleich aus mehreren Ergebnissen ablesbar.
So sind derzeit gerade einmal neun Prozent aller Befragten der Meinung, dass sich Wien „eindeutig“ in die richtige Richtung bewegt; weitere 35 Prozent sind zumindest der Meinung, dass sich die Stadt „eher“ in die richtige Richtung bewege. Positiv äußerten sich damit 44 Prozent.
Gemessen an früheren OGM-Umfragen mit gleichlautender Fragestellung zeigt sich somit eine deutliche Verschlechterung der allgemeinen politischen Zufriedenheit:
- Im Dezember 2019 (also kurz vor der Corona-Krise) zeigten sich 52 Prozent mit der Entwicklung in Wien zufrieden.
- Im Februar 2022 (just, als gerade besonders strenge Corona-Maßnahmen wirkten), waren es sogar 60 Prozent.
Seit damals sinkt die allgemeine Zufriedenheit. Mehr noch: Erstmals zeigt sich ein negativer Saldo. Nie zuvor waren die Zufriedenen in der Minderheit. Bemerkenswert ist, dass auch unter den Wählern der Regierungsparteien SPÖ und Neos ein spürbarer Anteil der Meinung ist, dass sich die Stadt „in die falsche Richtung“ entwickelt.
Unter SPÖ-Anhängern sagen das 22 Prozent, unter Neos-Anhängern sogar 35 Prozent, also mehr als ein Drittel. Am schlechtesten sind die Werte - wenig überraschend - bei den FPÖ–Wählern. Hier finden ganze 97 Prozent, dass sich Wien in die falsche Richtung entwickelt.
Der Trend zeigt sich auch in der Sonntagsfrage: Wären diesen Sonntag Gemeinderatswahlen, hätten SPÖ und Neos wohl keine Mehrheit mehr. Die SPÖ kommt in der OGM–Umfrage auf 34 Prozent der Stimmen - ein Minus von fünf Prozentpunkten gegenüber der Wahl im April 2025. Die Neos wiederum landen bei acht Prozent - ein Minus von zwei Prozentpunkten.
„SPÖ verliert nach links und rechts“
Die SPÖ „verliert derzeit nach links und nach rechts“, sagt OGM–Meinungsforscher Johannes Klotz. Das zeige sich einerseits am anhaltenden Aufwärtstrend der Freiheitlichen, die ein Plus von sieben Prozentpunkten verzeichnen und mit 27 Prozent der Stimmen der SPÖ erstmals seit Langem wieder deutlich nahekommen. Andererseits legt – am linken Rand - auch die KPÖ zu; sie kratzt in der Umfrage an der Fünf–Prozent–Hürde.
Neben dem großen Gewinner der Umfrage, der FPÖ, können sich auch die Grünen behaupten: Sie halten sich konstant bei (für sie guten) 15 Prozent, jenem Wert, den sie auch am Wahlabend erreichten. Die ÖVP hält sich bei (für sie schlechten) neun Prozent.
Suche nach den Ursachen
Für den roten Stimmenrückgang sieht Klotz mehrere Gründe: „Neben dem Bundestrend spielen auch Wien-eigene Entwicklungen eine Rolle“, sagt er. „Insbesondere die hohen Schulden und die damit nötigen Sozialkürzungen“, die SPÖ-Finanzstadträtin Barbara Novak im Zuge eines Sparpakets derzeit exekutiert. „Auch wenn die SPÖ nur mit Verspätung vollzieht, was in allen anderen acht Bundesländern längst üblich ist“, werde sie dafür in den Ergebnissen abgestraft.
Bei den Problemen, die die Wienerinnen und Wiener derzeit am meisten beschäftigen, liegen Zuwanderung,
Sicherheit und Kriminalität an erster Stelle: Insgesamt 37 Prozent der Befragten setzten das Thema auf den ersten Platz. Besonders bei FPÖ- und ÖVP-Wählern ist das Sicherheitsthema vorrangig, aber auch 32 Prozent der Neos halten es für entscheidend.
Was die Wienerinnen und Wiener bewegt
Dahinter folgen die herrschende Teuerung und leistbares Wohnen (21 Prozent), die vor allem bei SPÖ-Wählern (32 Prozent) im Vordergrund stehen. Die anderen Themen folgen mit deutlichem Abstand auf den Plätzen. Umwelt und Klimaschutz ist (fast) nur für Grünen-Wähler bedeutsam. Dahinter erst kommen die Gesundheit und der Verkehr (je nur für acht Prozent der Befragten das wichtigste Thema), Wirtschaft und Jobs (sechs Prozent) und Bildung (sechs Prozent). Interessant: „Die zu Jahresbeginn erhöhten Gebühren und Abgaben, etwa beim Parken und den Öffis, beschäftigen zwar viele Wiener. Sie sind aber klar nicht das Thema Nummer eins“, so Klotz.
Bleibt die Frage: Wenn die Wiener Rot-Pink abwählen würden, welche Koalitionsvariante liegt dann voran? Eine relative Mehrheit spricht sich derzeit für eine rot-grüne Liaison aus. Unter den Befragten gaben 29 Prozent dieser Variante den Vorzug. Die SPÖ-Neos-Koalition kommt demgegenüber nur auf 25 Prozent. Weitere 21 Prozent sprechen sich für Rot-Türkis aus.
Blick auf die Details
Und alle anderen? Vor allem die blauen Wähler wollten sich hier nicht festlegen, heißt es bei OGM. Zwei Drittel aller FPÖ-Sympathisanten antworteten mit „andere Koalition“ oder „keine Angabe“. Rot-Blau ist in Wien rechnerisch möglich, aber politisch so undenkbar, dass es nicht mit abgefragt wurde.
Spannend ist bei der Koalitionspräferenz der Blick auf die Details: So sprachen sich 46 Prozent der SPÖ-Wähler für Rot-Pink aus. („Ausbaufähig“, sagt Klotz.) 39 Prozent der SPÖ-Sympathisanten würden Rot-Grün bevorzugen.
Zugleich wünschen sich die Grün-Wähler ihre Partei vehement zurück in Regierungsverantwortung: 95 Prozent wären hier für Rot-Grün. Unter den Neos-Wählern sind nur 83 Prozent für Rot-Pink.
Die am breitesten gestreute Zustimmung hätte eine Koalition aus SPÖ und ÖVP: Einer Zusammenarbeit der alten Großkoalitionäre können Sympathisanten fast aller Parteien etwas abgewinnen. - mit Ausnahme der Grünen.
Fels in der Brandung ist für die SPÖ übrigens ihr Parteichef: Michael Ludwig kann auf einen klaren Bürgermeisterbonus setzen. Bei der fiktiven Direktwahl käme er auf 45 Prozent.
Wie die Parteiobleute abschneiden
„Das ist beeindruckende elf Prozentpunkte mehr als die SPÖ in der Sonntagsfrage erreicht“, sagt Klotz. Die anderen Obleute liegen allesamt hinter dem Ergebnis ihrer Parteien - bis auf einen. ÖVP–Chef Markus Figl schneidet knapp besser ab. Auch er habe eine Art Amtsbonus, sagt Klotz. Seit zehn Jahren ist er „prestigeträchtiger“ Bezirksvorsteher der City. Besonders niedrig ist der Wert der Neos–Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling: Sie würden nur vier Prozent direkt wählen.
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