ESC-Bilanz: 16 Festnahmen und über 500 abgewehrte Cyberangriffe
Die "Firewall" der Polizei habe beim ESC auf allen Ebenen funktioniert.
Terrorwarnstufe 4 (von 5), Songcontest und zahlreiche weitere Veranstaltungen. Die vergangenen Tage waren für die Polizei in Österreich eine große Herausforderung.
Darüber waren sich Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ), Bundespolizeidirektor Michael Takács, Wiens stellvertretender Polizeichef Dieter Csefan und ORF-Direktorin Ingrid Thurnher am Montag einig.
Staatsschutz im Vorfeld aktiv
Die Bedrohungslage (Karner: „Eine weltweit bedeutende Musikveranstaltung kann auch das Ziel von Terrorangriffen sein.“) sei auch mit ein Grund für die intensive Vorbereitung auf das Großereignis gewesen. „Der Staatsschutz hat schon im Vorfeld gute Arbeit geleistet“, zieht Karner am Montag Bilanz.
Die nüchternen Zahlen: Über 22.000 Personen wurden sicherheitsüberprüft. Es gab während der Songcontest-Woche 17 strafrechtliche und 57 verwaltungsrechtliche Anzeigen und 78 Identitätsfeststellungen. Kein einziges Mal habe die Polizei körperliche Gewalt anwenden müssen, weiß Csefan, der betont: Sicherheit und Freiheit sei auch gleichzeitig möglich.
Dabei seit bei 29 Kundgebungen mit ESC-Bezug mit mehr als 130.000 Besuchern neben dem ESC mit 3.500 Polizistinnen und Polizisten aus fast allen Bundesländern und dem benachbarten Bayern für Sicherheit gesorgt worden.
16 Festnahmen
Lediglich 16 Personen wurden festgenommen, 14 davon bei einer unangekündigten Veranstaltung am Finaltag, wo vermummte Personen trotz Aufforderung der Polizei die Demonstration nicht beenden wollten.
Ein Mann wurde am Samstag von einer Drohne gefilmt, als er über den Zaun in das abgesperrte Veranstaltungsgelände bei der Stadthalle eingedrungen ist.
Seine Festnahme steht nicht im Zusammenhang mit dem ESC, sondern mit einem fremdenrechtlichen Verfahren, erläuterte Csefan. Ebenso eine weitere Festnahme - hier gebe es laufende Ermittlungen, die zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.
Mann wollte illegal in Backstage-Bereich
Weniger dramatisch gestaltete sich ein Einsatz in der Stadthalle - dort wollte sich eine Person, die eine gültige Karte hat, mittels einer gefälschten Akkreditierung Zugang zum Backstage-Bereich verschaffen. Das haben Polizei und private Securitys zu verhindern gewusst.
Massive Cyberangriffe
Die Polizei berichtet am Montag auch von rund 500 ernstzunehmenden Cyberangriffen. Takàcs: „Damit sollte die Struktur ausgeschaltet oder verlangsamt werden. Mit den Partner von der Stadt Wien und privaten Kräften ist es uns gelungen, das zu verhindern.“
Leichtfried sprach dabei das „hohe Gefährdungspotenzial durch islamistische Gruppen und Iran-nahe Terrorzellen“ an.
Merkbare Radikalisierung auf Social Media
Konkret sei auf Social Media Plattformen zunehmende Polarisierung und Radikalisierung wahrnehmbar gewesen. Diese wurde beobachtet und vom Staatsschutz laufend bewertet.
Das Ausmaß der Cyberangriffe hat ein sehr hohes Maß angenommen, es wurde massiv versucht, den ESC zu stören, die DSN war massiv gefordert.
Aber: Die „Firewall“ habe gehalten, ist Takács stolz, „zu keiner Zeit war der Ablauf gefährdet, der Schutz war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet“.
Internationales Lob
Viele Beobachter aus dem internationalen Sicherheitsbereich hätten der Polizei großes Lob für die Sicherheitsarchitektur, die sichtbare und die unsichtbare im Hintergrund, gezollt – diesen Dank gibt Takács nun an alle Einsatzkräfte weiter.
Denn diese waren nicht nur beim ESC im Einsatz. Rund 5.000 Polizisten waren österreichweit im Einsatz, weil auch rund 200.000 Besucher auf Nebenveranstaltungen sicher feiern wollten: „Die Welt bleibt nicht stehen beim ESC, viele Veranstaltungen waren schon früher terminisiert.“
1.800 Anzeigen österreichweit
Dort seien zusätzlich 1.600 Anzeigen im verwaltungsrechtlichen Bereich sowie 200 im Strafrecht abgearbeitet worden. Takács: „Wir haben in keiner Minute die tagtägliche Sicherheit in ganz Österreich vernachlässigt.“
Siegerin Dara aus Bulgarien.
„Die Polizei war sichtbar, bürgernah und modern, etwa über Social Media“, bilanziert der Innenminister schlussendlich, um sich neben der Polizei auch bei privaten Sicherheitsdienstleistern, Blaulichtorganisationen und der Stadt Wien, die „ein professioneller Partner“ gewesen sei, zu bedanken.
Dank an Weißmann und Thurnher
Selbst den gefallenen Ex-ORF-General Roland Weißmann erwähnte Karner, weil mit diesem die ersten Gespräche für den ESC in Sachen Sicherheit geführt worden seien.
Die Basis also dafür, dass der ESC „so reibungslos und erfolgreich abgelaufen ist“, wie sich dessen Nachfolgerin Ingrid Thurnher nun freuen konnte: „Die Stimmung war großartig, alle waren begeistert.“
Der ESC sei die größte Musikshow der Welt, aber er ist zur „europäischen Öffentlichkeit im Live-Format“ geworden. Dass das so sicher abgelaufen ist, dafür sei sie allen sehr dankbar, die an diesem großen Projekt mitgearbeitet haben, schloss Thurnher.
Kommentare