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Singt Israel auch beim Song Contest in Bulgarien? Die Debatte wird giftig

Wird Israel auch in Bulgarien am Song Contest teilnehmen? Dass die Stimmung in der Stadthalle so gekippt ist, lässt daran zweifeln.
Georg Leyrer
Noam Bettan.

Wer in diesem Moment nicht schlucken musste, der hat im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst. 

Es wurde also von einer vollen Stadthalle, vor einem Millionenpublikum in Europa, in Wien ein israelischer Künstler ausgebuht. Nicht, weil er schlecht gesungen hätte (hat er nicht), nicht weil der Song fad war (war er) – sondern weil er Israeli ist.

Sein Auftritt war mit Spannung erwartet worden: Die Teilnahme Israels sorgte für viel Streit und den Boykott des ESC durch fünf Länder (darunter ESC-Schwergewichte). Aber Noam Bettans Songpräsentation verlief ohne viel Unmut. Als es aber so aussah, als ob Israel gewinnen würde, kippte die Stimmung in der Stadthalle: Es rumorte. Und für einen Moment wurde man gewahr, was ein Sieg Israels für Folgen hätte. Ein ESC in einem Krieg führenden Land (auch die Ukraine richtete ihn nach dem Sieg nicht aus)? Welche TV-Sender würden dann noch abspringen?

Noam Bettan.

Jetzt ist ein Musikbewerb, bei dem es orange Katzenfellmoonboots, einen brennenden Beichtstuhl und ein depressives silbernes Alien gibt, wohl nicht der geeignetste Ort, um die Komplexität der Lage im Nahen Osten in aller Tiefe auszuleuchten. In einer genau geführten Debatte kann man Israel fundiert kritisieren – und trotzdem keine Schlagseite haben. 

Diese, die Schlagseite, aber ist beim ESC nicht nur bei den Buhrufen unübersehbar. Dabei, das hat man bei den Demos gesehen, kommt es zu absurden Allianzen, die an Monty Python erinnern – halt ohne Pointe: Die antijudäische Volksfront und die Volksfront gegen Judäa versammeln Weitaußen-Linke (darunter welche, die sich mit der Hamas solidarisieren) ebenso wie (queere) Minderheitengruppen oder, am anderen Ende des Spektrums, manche, die als offen weit rechts und transfeindlich gelten. Wer glaubt, da geht es simpel „Links gegen Rechts“, macht es sich auch mit der Komplexität der antiisraelischen Stimmungslage zu einfach.

Der zweite Platz Israels nun hat das Problem vertagt, aber keineswegs gelöst, vielleicht sogar im Gegenteil. Heuer stellte sich Österreich (unterstützt von Deutschland) als Veranstalter schützend vor Israel. Dass der Song Contest in Wien jener sein würde, von dem Israel ausgeschlossen wird, das war – zu Recht – undenkbar. Beim ESC in Bulgarien aber, das keinen geschichtlichen Hintergrund wie Österreich hat, könnte sich die Debatte durchaus drehen. Die Rechnung für die Veranstalter lautet: Wieviele Länder boykottieren, wieviele sind für die Teilnahme? Wie das ausgeht, ist offen.

Österreich kann sich mit dem ESC glücklich schätzen. Es war eine super Show, Wien hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Es bleibt viel mehr als die Debatte um Israel. Für den Song Contest selbst aber werden es entscheidende Monate, an deren Ende ein Scherbenhaufen stehen könnte.

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