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Chronik Wien
02/06/2020

So will Rudolf Kaske die Blauen einkochen

Kampf um Simmering: Mit dem einstigen AK-Präsidenten als Parteichef will die SPÖ die FPÖ von der Spitze stoßen

von Josef Gebhard

Dass die Wiener SPÖ bei der Gemeinderatswahl im Herbst als Nummer eins durchs Ziel geht, ist nach jetzigem Stand so gut wie sicher. Wesentlich spannender wird das Rennen auf Bezirksebene. Allen voran in Simmering, wo die Roten 2015 eine historische Schlappe hinnehmen mussten: Erstmals ging ein Bezirk an die FPÖ verloren. Seitdem regiert im Arbeiterbezirk im Osten der Stadt mit Paul Stadler ein hemdsärmeliger, volksnaher Freiheitlicher.

Ein SP-Urgestein soll nun dabei helfen, Simmering wieder rot umzufärben: Rudolf Kaske, bis 2018 Arbeiterkammer-Präsident und seitdem Bundesrat, übernimmt die Bezirkspartei von Nationalrat Harald Troch. Weithin bekannt wurde der heute 64-jährige Gewerkschafter Kaske im „Wendejahr“ 2000, als er den Scharfmacher gegen Schwarz-Blau gab: „Dann brennt die Republik“, drohte er damals angesichts der von der Regierung angekündigten Sozialkürzungen.

Roter Pragmatiker

Ein Polarisierer ist der gelernte Koch längst nicht mehr: „Man wird niemanden in der SPÖ finden, der über den Rudi etwas Negatives sagt“, betont ein Funktionär. Er sei ein Pragmatiker, der aber auch bei den eher Linken in der Partei gut ankommen würde.

Ein Image, das sich Kaske über die Parteigrenzen hinaus aufbauen konnte: „Ich schätze ihn als Sozialpartner mit Handschlagqualität. Es ist sehr zu begrüßen, dass er seine langjährige Erfahrung jetzt in der Bezirkspolitik einbringt“, sagt etwa der Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck zum KURIER.Sein verbindliches Auftreten wird Kaske auch brauchen, ist doch die Simmeringer SPÖ seit vielen Jahren heillos zerstritten. Begonnen haben die Querelen bereits 2007. Damals kam es um die Nachfolge von SPÖ-Urgestein Johann Hatzl zu einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz, in der sich Troch nur knapp durchsetzte. „Ihm ist es die Jahre darauf nicht gelungen, die Bezirkspartei zu einen. Einstige Vertraute hat er verloren“, sagt ein SPÖ-Funktionär. Und so reihten sich die nächsten Jahre Konflikte an Konflikte: 2013 musste Christine Lapp zugunsten von Troch auf ihr Nationalratsmandat verzichten, was parteiintern für Unmut sorgte.

 

Ebenso, als 2014 auf Betreiben Trochs Eva-Maria Hatzl Bezirksvorsteherin Renate Angerer ablöste. Prompt ging Hatzl 2015 im Match gegen die FPÖ unter. Ein Schock für die gesamte SPÖ.Erst im vergangenen August rebellierten Mitglieder des Simmeringer Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands offen gegen das Rauchverbot, das die SPÖ im Nationalrat (und damit auch Troch) durchgesetzt hatte. Bereits im Frühjahr davor war der Parteichef nur mehr von mageren 53 Prozent der Genossen bestätigt worden.

 

Nun zieht sich Troch zugunsten seines Vertrauten Kaske von der Parteispitze zurück. Inhaltlich erwarten sich manche Genossen, dass der ehemalige AK-Chef, der ebenfalls gerne hemdsärmelig auftritt, das burgenländische Erfolgsmodell Marke Hans Peter Doskozil auf Simmering überträgt. Also ein Mix aus klassischer roter Sozialpolitik und kantigem Auftreten bei den Themen Migration und Sicherheit.

Wobei es dem designierten Spitzenkandidaten Thomas Steinhart (derzeit stv. Bezirksvorsteher) vorbehalten sein wird, diese Botschaften nach außen zu vertreten. „Aufgrund seiner Bekanntheit wäre sicher Kaske selbst ein guter Spitzenkandidat. 2018 hat er sich aber von der AK-Spitze zurückgezogen, um mehr Zeit für seine kranke Frau zu haben. Der Fulltime-Job als Bezirksvorsteher ließe sich damit nicht vereinen“, sagt ein Roter.

Blaue Schwäche

Ob das Duo Kaske/Steinhart den blauen Bezirkskaiser stürzen kann, ist aber selbst SPÖ-intern umstritten. Stadler kann zwar auf keine spektakuläre Erfolge verweisen, leistete sich aber auch keine groben Ausrutscher und kommt mit seiner bodenständigen Art gut bei der Bevölkerung an. „Man darf ihn daher nicht unterschätzen“, warnt ein roter Stratege.

Freilich: Die fortschreitende Spaltung seiner Partei vermag auch Stadler nicht aufzuhalten. In der SPÖ rechnet man damit, dass auch in Simmering FPÖ-Bezirksräte zu Heinz-Christian Straches DAÖ überlaufen werden. Vor allem das könnte der SPÖ sicherstellen, die Schmach von 2015 zu tilgen.

 

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