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Chronik Wien
12/10/2019

So sieht die umgebaute Neubaugasse aus

Nach langem Streit wird die Gasse zwischen Mariahilfer Straße und Burggasse zur Begegnungszone. Der KURIER hat den detaillierten Plan.

von Stefanie Rachbauer, Christoph Schwarz, Christa Breineder

Es ist wohl eines der umstrittensten Projekte des zu Ende gehendes Jahres:  der Umbau der Neubaugasse in eine Begegnungszone.

Nicht zuletzt deswegen, weil viele Interessen hineinspielen: Jene der roten Öffi-Stadträtin Ulli Sima und der Wiener Linien etwa. Jene  des grün regierten 7. Bezirks. Und nicht zuletzt auch jene der ansässigen Geschäftsleute und der Wirtschaftskammer.

Zwischenzeitlich schien es so, wäre eine Einigung unmöglich. Doch heute, Mittwoch, ist es soweit: Das fertige Konzept wird präsentiert. Dem KURIER liegen die detaillierten Pläne bereits vor. Und sie zeigen: Die Liste der Neuerungen ist lang (siehe detaillierte Grafik am Ende des Artikels).

Zwischen der Mariahilfer Straße und der Burggasse bekommt die Neubaugasse eine neue Oberfläche. Die Fahrbahn und die Bereiche für die Fußgänger werden zwar mit unterschiedlichen Platten  gepflastert, befinden sich aber auf demselben Niveau. Autolenker, Radfahrer und Fußgänger sind dort künftig gleichberechtigt unterwegs – mit maximal 20 km/h.

29 neue Bäume

Am Rand wird die Straße grün: 29 neue Bäume werden gepflanzt. Dazu kommen 37 Flächen, auf denen Gräser und Stauden wachsen. Neben den Beeten werden Sitzbänke und Sessel aufgestellt. Die Pflanzen sollen verhindern, dass sich die Straße im Sommer stark aufheizt.

Um das Klima vor Ort zusätzlich zu verbessern, werden zwei Wasserspiele und 30 Nebelduschen  installiert. Zur Erinnerung: Die Neubaugasse ist Teil des sogenannten kühlen Einkaufsstraßen-Viertels, das der Bezirk in dem Grätzel aufziehen will.

13A fährt in beide Richtungen

Die wohl wichtigste Neuerung betrifft den 13A. Der Bus wird künftig nicht nur Richtung Hauptbahnhof, sondern auch in Richtung Skodagasse/Alserstraße durch die Neubaugasse fahren – der KURIER berichtete exklusiv.

Zwischen Siebensterngasse und Burggasse bekommt der 13A in Richtung Norden sogar eine eigene Fahrspur. Und drei neue Haltestellen sind geplant.

Nötig wird die neue Linienführung wegen des Ausbaus der U2. Die bisherige Route des 13A durch die Kirchengasse wird von der U-Bahn-Baustelle blockiert. Wo er stattdessen fahren soll,
war lange Zeit Gegenstand eines leidenschaftlich geführten Streits.

Die Wiener Linien und der 6. Bezirk plädierten für eine Doppelführung über die Neubaugasse. Dagegen protestierten Anrainer, Gastronomen und Kaufleute. Und am heftigsten: der 7. Bezirk selbst.

Die Debatte war  so verfahren, dass als Alternative eine Zweiteilung des 13A im Raum stand. Das hätte bedeutet, dass ein 13A von Hauptbahnhof bis Mariahilfer Straße fährt – und ein 13B von der Alser Straße in Richtung Neubau.

Doch es kam anders: Die Wiener Linien bekommen ihre Doppelführung, der 7. Bezirk als „Gegenleistung“ eine Begegnungszone.

Drei Haltezonen für Pkw

Für Autofahrer bedeutet die Begegnungszone: die Parkplatzsuche wird schwieriger. Denn zwischen Mariahilfer Straße und Burggasse fallen sämtliche Stellplätze weg. Für Autolenker, die nur kurz stehen bleiben, werden aber drei Haltezonen eingerichtet.

Die Radfahrer bekommen mehrere Parkmöglichkeiten: Über die gesamte Begegnungszone verteilt werden 69 Fahrradbügel montiert.

Der Taxistandplatz und die Buszone zum Ein- und Aussteigen beim Renaissance-Theater werden in die Siebensterngasse und in die Westbahnstraße verlegt.

Damit die vielen Geschäfte weiterhin beliefert werden können, werden fünf Ladezonen eingerichtet. Lieferanten dürfen die Waren künftig sogar zweieinhalb Stunden länger – bis 13 Uhr – in die Shops bringen. Und: Alle 23 Schanigärten bleiben erhalten.

Frisuren in Sicherheit

Das ist mit ein Grund, warum nun auch die anfänglich  skeptische Wirtschaftskammer mit der Begegnungszone leben kann. „Wir sind froh, dass die Stadt Wien unsere Inputs im Sinne des Standorts umgesetzt hat“, sagt Rainer Newald, Bezirksobmann der Wirtschaftskammer Wien in Neubau, auf KURIER-Anfrage. „Wir konnten Schanigärten erhalten, die Liefertätigkeit sicherstellen und haben sogar Frisuren vor Sprüh- und Nebelduschen geschützt.“

Er bezieht sich auf ein kurioses Planungsdetail: Einige der kühlenden Wasserzerstäuber  hätten ursprünglich neben den Friseursalons aufgestellt werden sollen – was den frisch drapierten Frisuren  wohl nicht zuträglich gewesen wäre.

Los geht es schon nach dem Jahreswechsel: Ab Anfang Jänner wird die Neubaugasse umgebaut. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis August dauern. Der 13A fährt in dieser Zeit eine abgeänderte Route. Welche, ist nicht bekannt. Für neue Debatten wird wohl gesorgt sein.