Schörghofer (li.) und Schachinger (re.) bringen auch Räder wieder zum Laufen, für die es keine Ersatzteile gibt.

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
04/24/2019

So läuft der Start in die Fahrradsaison rund

In Wien gibt es immer mehr Radwerkstätten. Woran das liegt und wie man in dem großen Angebot einen guten Mechaniker findet.

von Stefanie Rachbauer

„Eigentlich wollte ich die Reparatur ja selbst machen. Aber dann habe ich es nicht geschafft“, sagt Simon Robi. Der junge Mann hat gerade ein weiß gestrichenes Kellerlokal in der Hasnerstraße in Wien-Ottakring betreten: Es läuft laute Musik, an der Decke hängen Fahrradrahmen.

„Das ist mein Rad für Frühling und Sommer“, sagt Robi und deutet auf ein Rennrad an der Wand, das in der sogenannten „Radwerkstatt“ für ihn zur Abholung bereitsteht. „Jetzt im Frühling bin ich draufgekommen, dass die Bremsen kaputt sind.“

So wie Robi ergeht es dieser Tage vielen Radfahrern – und das spüren auch die Mechaniker. „Wenn es wärmer wird, kommen die Leute. Es ist ein Saisongeschäft“, erzählt Verkäufer Hauke, der gerade ein pinkes Band um einen Lenker wickelt.

Werkstatt-Boom

Wer in Wien sein Rad für die neue Saison fit machen möchte, kann mittlerweile aus 136 Werkstätten wählen (sie Grafik und Tipps zur Auswahl am Ende des Artikels). Vor zehn Jahren gab es nur 20 solche Betriebe.

„Das Radfahren wird wieder mehr, daher gibt es auch mehr Werkstätten. Viele junge Leute drängen in die Branche“, sagt Daniel Reinhartz, Inhaber der „Radwerkstatt" und Vize-Vorsitzender des Arbeitsausschusses für Fahrradtechnik in der Wirtschaftskammer.

„Außerdem machen sich immer mehr Leute selbstständig. Die Fahrradtechnik ist ein Bereich, wo das gut möglich ist.“

Mit ein Grund dafür ist, dass die Fahrradtechnik seit 2017 ein freies Gewerbe ist. Um eine Radwerkstatt zu eröffnen, ist also kein Befähigungsnachweis nötig. „Das hätte nicht passieren dürfen“, sagt Reinhartz. „Denn die Leute sind dann irgendwelchen Hobbyschraubern ausgesetzt. Ich bin für eine gute, solide Ausbildung.“

Lehre abgeschafft

Bloß: Eine solche ist in Österreich nicht so einfach zu bekommen. Fahrradmechaniker lernen ihr Handwerk derzeit in einem Lehrgang am WIFI, die Lehre wurde in den 70ern abgeschafft. „Für die Qualität ist das ein Problem“, sagt Klemens Schachinger.

Er steht 20 Fahrradminuten von Reinhartz‘ Werkstatt entfernt in einem Raum, der bis unter die Decke mit Laufrädern, Sätteln, Schalthebeln und Naben vollgestopft ist. „Das hat der Chef alles aufgehoben“, sagt Schachinger.

„Der Chef“ war in der Degengasse zuletzt Wolfgang Brunner. Er war einer der letzten amtierenden Fahrradmechanikermeister Österreichs, im Februar ist er gestorben. Von ihm hat Schachinger gelernt, wie man Räder repariert. „Eine gewisse Grundausbildung wäre gut“, sagt Schachinger. „Dass diese fehlt, merkt man.“

Etwa daran, dass andere Mechaniker Kunden wegschicken: „Es kommen Leute mit Rädern zu uns, die andere Werkstätten nicht reparieren können.“ „Oder wollen", fügt sein Kollege Christian Schörghofer hinzu. „Das hat auch mit der Wegwerfgesellschaft zu tun.“

Zustand unterschätzt

Jetzt im Frühling würden die meisten Kunden wegen eines Service in die Werkstatt kommen, erzählen sie. Nötig sei dann aber oft eine große Reparatur, sagt Schörghofer. „Da sind Räder dabei, die über 20 Jahre im Keller waren. Bei denen wäre es am besten, sie durch eine Waschanlage und ein Ölbad zu schicken.“

Schachinger und Schörghofer bringen auch weitaus ältere Räder wieder zum Laufen: Die beiden restaurieren Modelle, für die es nicht einmal mehr in ihrem großen Bestand Ersatzteile gibt.

„Solche Arbeiten machen leider nicht mehr viele“, sagt Schachinger. „Meiner Meinung nach gehört wieder ein Lehrberuf her.“

Einsatz für Lehre

Ihr Branchenkollege Reinhartz – selbst gelernter Maschinenschlosser – ist zuversichtlich, dass es bald soweit sein könnte. „Die Vertreter der Fahrradtechnik in den Bundes- und Landesinnungen setzen sich sehr dafür ein.“

Reinhartz‘ Kunde Robi hat inzwischen bezahlt. Seine Qualitätsanforderungen hat die "Radwerkstatt" erfüllt. „Mir ist wichtig, dass die Menschen nett sind und dass man sein Rad gut repariert bekommt“, sagt er und schiebt das Rennrad die Rampe zum Ausgang hinauf.

5 Tipps, wie Sie einen guten Mechaniker erkennen

1. Interesse für die Nutzung
Viel gefahrenes Alltags-Vehikel oder Wochenend-Begleiter? Eine gute Radwerkstatt informiert sich, wie ein Kunde sein Fahrrad nutzt.

2. Auf Tuchfühlung
Hängt ein Mechaniker nur den Annahmeschein aufs Rad, spricht das nicht für den Betrieb. Gute Techniker begutachten bei der Annahme unter anderem Bremsen und Kette.

3. Begutachtung vom Profi
Ein Verkäufer kann zwar gut geschult sein, über eine noch bessere Expertise verfügen aber Mechaniker. Deswegen sollten auch sie das Rad annehmen.   

4. Paragrafenreiter
Wenn ein Reflektor oder die Glocke fehlt, sollte der Mechaniker darauf aufmerksam machen.

5. Kostentransparenz
Gute Werkstätten stellen verbindliche Kostenvoranschläge aus.

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