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Chronik Wien
07/06/2019

So kommen die Wiener Linien zu ihren launigen Werbeaktionen

Die Wiener Linien setzen massiv auf Werbung und Aktionismus. Das soll die Beliebtheitswerte langfristig steigern.

von Bernhard Ichner

Die Wiener Linien düfteln nicht nur ganze U-Bahn-Garnituren ein. Sie setzen auch zunehmend auf Wortwitz: "Tatort Leberkäs" (Ihr Essen riecht so kriminell, dass der Verzehr in der U6 jetzt verboten ist), "Pizza Kriminale" oder der "Notruf Nuss-Nougat" verdanken dem ihre Verbreitung auf den Plakatflächen in den U-Bahn-Stationen. Oder auch Reime wie: "Alle Fahrgäste sind leise. Nur nicht Babsi, die hört Heavy Metal, blöderweise."

Vorbild für diese Form der Kundenkommunikation sind die Berliner Verkehrsbetriebe. Die fahren zwar mit in die Jahre gekommenen Garnituren und sind auch nicht immer pünktlich. Dank eines selbstironischen Werbeauftritts genießen sie dafür aber Kultstatus.

Die Wiener Linien seien hingegen pünktlich, schnell, sauber und gut ausgelastet, sagt Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). Um sie punkto öffentliche Wahrnehmung "aus dem Dornröschenschlaf zu wecken", verbreite man seit einigen Jahren wichtige Botschaften "mit einem Augenzwinkern".

Daraus resultieren eben Plakatsujets wie die eingangs erwähnten (die über das Essverbot in der U-Bahn informierten), das U1-Häferl (ein Verlängerter, der für die Verlängerung der roten Linie bis Oberlaa stand) oder der Rapid- und der Austria-Fan (die unter #zusammenhalten für gegenseitigen Respekt in den Öffis werben).

Beispiele sind die Deo-Verteilaktion entlang der U6 im vorigen Sommer oder die aktuelle Parfümierung von U1 und U6.

Beliebtheitswerte

Nicht zu vergessen: Die U-Bahn-Stars. Die hat man sich auf Simas Wunsch allerdings 1:1 von den Londoner Verkehrsbetrieben abgeschaut. "Das hab ich mir eingebildet", sagt die Stadträtin, die ein erklärter London-Fan ist.

Dieser Tage feierten die Untergrund-Künstler ihr zweijähriges Jubiläum. Insgesamt 90 MusikerInnen in 54 Bands sorgen mittlerweile zwischen 15 und 23 Uhr für Unterhaltung in den Stationen Westbahnhof, Karlsplatz, Praterstern, Stephansplatz, Neubaugasse und Spittelau.

Durch derartige Maßnahmen wolle man es bei den Wiener Linien der MA48 (Abfallwirtschaft & Straßenreinigung) gleichtun, die dank originellen Werbeauftritts "extrem gute Beliebtheitswerte hat", sagt Sima. Hohe Kundenzufriedenheit sichere den Betrieb langfristig ab. Und "je beliebter ein städtischer Betrieb bei der Bevölkerung ist, desto klarer ist, dass er nie privatisiert wird".  

Viel beschäftigte Werbeagentur

Für die Plakatsujets, die witzigen Werbetexte und die originelle Umsetzung von Deo-Verteilung und U-Bahn-Parfümierung sorgt seit 2,5 Jahren die renommierte Werbeagentur "Wien Nord". Zu deren Kunden gehören unter anderem auch das Haus der Bamherzigkeit, NÖ Versicherung, Opel, Ö1, Soravia, Strabag, Villacher Bier, Wien Tourismus oder auch die Wirtschaftskammer.

Für die Wiener Linien ist ein eingespieltes Team im Einsatz, das die inhaltlichen Vorgaben des Stadtratsbüros kreativ umsetzt. Auch wenn das oft nicht einfach sei, wie "Wien Nord"-Geschäftsführer Edi Böhler betont.

Gerade bei Botschaften, die die Verhaltensregeln in den öffentlichen Verkehrsmitteln betreffen, müsse man stets mit einem Augenzwinkern agieren. Der erhobene Zeigefinger sei ebenso unerwünscht wie Humor auf Kosten einzelner. Lokalkolorit wie beim U1-Verlängerten sollen den Fahrgästen "eine Identität, ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln", sagt Böhler.

Welches Sujet oder welche Aktion tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet die Ressortchefin höchstpersönlich, erzählt sie. Nur was Sima abgesegnet hat, bekommen die Fahrgäste letztlich zu Gesicht. "Ich hab da eine bestimmte Richtung im Kopf. Am Wichtigsten ist mir, dass die Botschaft selbsterklärend ist", sagt sie.

Und nein, bei einer derartigen Vielzahl an Werbemaßnahmen gehe es nicht darum, sich selbst ein Denkmal zu setzen, erklärt Sima im KURIER-Gespräch. "Die Wiener Linien gehören einfach zu meinen Aufgaben - und die will ich wie alles andere gut machen."