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Chronik Wien
04/16/2021

Sima präsentiert erstes Radweg-Ausbauprogramm und erntet Kritik

Bis Ende des Jahres sollen 21 neue Radwege bzw. Fahrradstraßen mit einer Gesamtlänge von acht Kilometern errichtet werden.

von Andreas Puschautz

21 neue Radwege, Fahrradstraßen und Einbahn-Öffnungen mit einer Gesamtlänge von acht Kilometern werden heuer in Wien errichtet. Präsentiert wurde das Paket am Freitag von der neuen Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ), wobei einige Projekte bereits bekannt waren.

So wird die bestehende, fahrradfreundliche Straße in der Goldschlagstraße von der Sturzgasse bis zur Reinlgasse verlängert.

Erneut angekündigt wurde auch ein Lückenschluss entlang der Vorortelinie in Ottakring und Hernals. Dazu werden in der Ottakringer Straße, von Paltaufgasse bis Weinheimergasse und von der Ottakringer Straße bis zur Thaliastraße, bauliche Zweirichtungsradwege errichtet.

In der Heigerleinstraße wird zwischen Alszeile und Arnethgasse/Weinheimergasse eine fahrradfreundliche Straße realisiert. Damit entsteht eine durchgängige Radroute vom 18., über den 16. und 17., bis in den 14. Bezirk.

Lückenschluss im 3. Bezirk

Neu ist dagegen etwa, dass im Stadtentwicklungsgebiet Eurogate auf den ehemaligen Aspanggründen (Landstraße) eine Strecke umgesetzt wird. Entlang der Bahntrasse soll ein etwa 480 Meter langer, baulich getrennter Zweirichtungsradweg entstehen, der den Landstraßer Gürtel mit der Aspangstraße verbindet. Damit werde, so betont Sima, auch eine Lücke im Hauptradwegenetz geschlossen.

Ebenfalls im dritten Bezirk ist ein neuer Radweg in der Franz-Grill-Straße zwischen Landstraßer Gürtel und Südbahnhofbrücke schon seit heute befahrbar. Die vollständige Liste der Projekte finden Sie am Ende des Artikels.

Deutliche Kritik

Bei den Radfahr-Lobbys sorgt Simas lang erwartetes, erstes Radwege-Programm für wenig Begeisterung. Angesichts des durch die Corona-Pandemie befeuerten Radfahr-Booms und der Ankündigungen im Vorfeld der Wien-Wahl im vergangenen Jahr sei ein Ausbau um acht Kilometer ein überschaubarer Wert.

"Äußerst mau" nennt die Initiative "Platz für Wien" das am Freitag von Sima vorgestellte Programm, von einem Ausbau "auf niedrigem Niveau" spricht die Radlobby.

Positiv zu sehen sei "die mehrheitlich richtige Wahl der Anlageform wie Radwege und Fahrradstraßen auf Hauptradrouten sowie deren Qualität", schrieb die Radlobby in einer ersten Stellungnahme auf Facebook. Oft bleibe es aber "leider bei herkömmlichen Einbahnöffnungen, fahrradfreundlichen Straßen o.ä.".

Sima selbst sparte bei der Präsentation nicht mit kleinen Seitenhieben auf ihre Amtsvorgängerin, ohne Birgit Hebein (Grüne) namentlich zu erwähnen.

"Ich möchte in der Zusammenarbeit mit den Bezirken nicht auf Konfrontation, sondern auf Kooperation setzen", sagt die neue Ressortchefin. Sie sei überzeugt, dass damit "mehr weitergehen" werde.

Hebein setzte als Verkehrsstadträtin unter anderem auf temporär eingerichtete Pop-up-Radwege, um auf die Zunahme des Radverkehrs in der Corona-Zeit zu reagieren. Aus den Reihen der SPÖ - damals immerhin noch Koalitionspartner der Grünen - war dazu immer wieder Kritik gekommen.

Erst kürzlich belegte eine internationale Studie, dass Pop-up-Radwege tatsächlich den Anteil an Radfahrern im Straßenverkehr erhöhen. Dessen ungeachtet sind im Konzept der Stadt keine Pop-up-Verbindungen mehr vorgesehen. Die am Freitag präsentierten Radwege werden alle permanent errichtet.

2022 rückt die Donaustadt in den Fokus

Auch ein Ausblick auf 2022 wurde präsentiert - gemeinsam mit dem Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ). Denn zu den wichtigsten Projekten im übernächsten Jahr gehört die Ausstattung der Wagramer Straße bzw. der Kagraner Brücke mit einem Radweg.

Nevrivy gehörte zu den schärfsten Kritikern Hebeins, deren temporäre Bike-Lane auf der Wagramer Straße bezeichnet er auch heute als "Pfusch".

Die Radlobby, so konstatierte er heute, "traut mir nicht zu, dass ich für die Radfahrer was mache". Tatsächlich seien ihm Radwege aber sehr wohl ein Anliegen, es solle der motorisierte Individualverkehr aber nicht behindert werden.

Er habe nun jedenfalls bei der zuständigen Magistratsabteilung 18 ein Radwege-Konzept für den gesamten 22. Bezirk ausarbeiten lassen, berichtet der Bezirkschef.

Der Radweg auf der Wagramer Straße wird in zwei Etappen entstehen. Das erste Teilstück kommt im Jahr 2022, es reicht von der Kagraner Brücke bis zum Donauzentrum. Der zweite Teil folgt im Jahr darauf, er verbindet die Strecke vom Donauzentrum zum Kagraner Platz.

Grüne kritisieren "Rückschlag für den Klimaschutz"

Nicht nur die Interessensvertretungen, auch die Grünen sparten am Freitag nicht mit Kritik und sprachen von einer "Schmalspurvariante": "Noch im Wahlkampf haben SPÖ und auch Neos 30 Kilometer Radwege pro Jahr versprochen. Heute ist davon nichts mehr übrig. Das von Stadträtin Ulli Sima präsentierte Radwegeprogramm ist enttäuschend und ein weiterer Rückschlag für den Klimaschutz in Wien", konstatiert Mobilitätssprecher Kilian Stark.

"Wesentliche fertig geplante Projekte wie die Praterstraße, Linke Wienzeile und die Brünner Straße bleiben weiterhin liegen und scheitern am fehlenden Mut im rot-pinken Rathaus und am Widerstand der roten Bezirkskaiser", kritisiert er. Während für die "schädliche Donaustadtautobahn" - also die Stadtstraße Aspern - mit einer halben Milliarde Euro geklotzt werde, würden für den Klimaschutz nur "Krümel" bleiben.

Deutlich enthusiastischer kommentierten die Neos das Paket. "Wien zündet den Turbo beim Ausbau der Radwege", freut sich die pinke Klubobfrau Bettina Emmerling: "Mit der Vervierfachung des Budgets für die Radinfrastruktur werden wir in den nächsten Jahren ein modernes, leistungsfähiges und zukunftsweisendes Radwegenetz errichten. Damit schaffen wir einen wesentlichen Beitrag zur umwelt- und klimaschonenden Mobilität in der Stadt."

Die vollständige Liste

1., Canovagasse zwischen Ring und Karlsplatz: Fahrradfreundliche Straße

3., Adolf-Blamauer-Gasse/Otto-Preminger-Straße: Zweirichtungsradweg/Fahrradfreundliche Straße

3., Franz-Grill-Straße: Zweirichtungsradweg

4., Favoritenstraße zwischen Gußhausstraße und Wiedner Haupstraße: Breiterer Radweg und breiterer Gehsteig

6., Liniengasse von Millergasse bis Aegidigasse: Einbahn-Öffnung, breiterer Gehsteig

9., Währinger Gürtel von Währinger-Gürtel-Weg bis Währinger Straße: Fahrradstraße

9., Boltzmanngasse von ON 18 bis Alserbachstraße: Fahrradstraße

10., Davidgasse von Siccardsburggasse bis Laxenburger Straße: Einbahn-Öffnung und Geh- und Radweg im Bereich Arthaberplatz

11., Am Kanal/Geiselbergstraße: Fahrradfreundliche Straße

12., Altmannsdorfer Straße südlich Dr. Böhringer Gasse: Einbahn-Öffnung, Geh- und Radweg

14., Goldschlagstraße von Reinlgasse bis Sturzgasse: Fahrradfreundliche Straße

15., Linke Wienzeile zwischen Meidlinger Hauptstraße und Ruckergasse: Breiterer Radweg, Anbindung an Meidlinger Hauptstraße

16./17., Paltaufgasse-Weinheimergasse-Heigerleinstraße zwischen Alszeile und Thaliastraße: Fahrradfreundliche Straße, Zweirichtungsradweg

19., Gunoldstraße/Muthgasse: Ein- und Zweirichtungsradwege, Verbindungssteg zum Donaukanal neben Heiligenstädter Brücke

20., Wasnergasse Ecke Staudingergasse: Breiterer Geh- und Radweg

21., Hans-Czermak-Gasse von Angyalföldstraße bis Satzingerweg: Einrichtungsradwege

22., Lobgrundstraße: Zweirichtungsradweg

22., Barbara-Prammer-Allee: Fahrradstraße

22., Mayredergasse von Lackenjöchelgasse bis Breitenleer Straße: Befestigung eines Feldweges

22., Raphael-Donner-Allee von Eßlinger Hauptstraße bis Colerusgasse: Baulich getrennte Einbahn-Öffnung

23., Breitenfurter Straße von Partatgasse bis Gregorygasse: Einrichtungsradwege

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