Dürre in Wien: Neuerliches Baumsterben vor Schönbrunn hat nun Konsequenzen
Jungbäume von heute sind die urbanen Klimaanlagen von morgen. Was in Zeiten von neuen Hitzerekorden in Wien wie eine Binsenweisheit klingt, stößt in der Praxis dann aber offenbar auf konsequentes Desinteresse. Bestes Beispiel dafür ist der Großparkplatz vor dem Schloss Schönbrunn, der 2019 eröffnet wurde und dessen 300 neu gepflanzten Bäume mittlerweile eigentlich einen Kühleffekt auf die wichtige Frischluftschneise im Wiental entfalten sollten.
Sollten. Denn der KURIER berichtete bereits im Sommer 2024 und 2025 über offensichtlich mangelhaft gegossene und daher reihenweise absterbende Jungbäume. Vom zuständigen Parkplatzpächter Apcoa hieß es daraufhin jeweils, dass man sich die Sache „anschauen“ werde und tote Bäume gegebenenfalls ersetzen würde.
Grüne Idylle vor dem Schloss. Leider nur eine Visualisierung aus der Planungszeit.
Vor Kurzem war nun der Experte Alexander Mayr-Harting von der Initiative „Zukunft Stadtbaum“ neuerlich im Arrival Center vor dem Schloss unterwegs und musste feststellen, dass von der ihm persönlich versprochenen „nachhaltigen Baumpflege“ immer noch nichts zu bemerken sei. „Die Exemplare – insbesondere die Neupflanzungen von 2024 und 2025 – sind in einem erbärmlichen Zustand“, rügte der Forstwirt. Auch die Bilder sprechen eine klare Sprache: Manche Bäume sind komplett dürr oder schon fast vollständig entlaubt; bei etlichen hat mitten im Sommer bereits die herbstliche Verfärbung eingesetzt. Summa summarum ein Schandfleck für das Weltkulturerbe Schönbrunn, das jährlich von mehreren Millionen Gästen aus dem In- und Ausland besucht wird, findet Mayr-Harting. Zumal solche Zustände ja auch im Schlosspark nicht toleriert würden.
Gießintervall verstärkt
Doch nun könnte es zu einem Sinneswandel kommen, wie eine Schönbrunn-Sprecherin mitteilt. Die wohl wichtigste Maßnahme: „Eine Bewässerungsanlage ist in Planung.“ Diese soll das bei Weitem nicht so effiziente Gießen per Tankwagen ersetzen. Eine weitere Neuerung wurde aufgrund der Dürre akut veranlasst: „Aktuell werden die Bäume in der heißen Periode alle zwei Tage mittels Tankwagen bewässert“, heißt es. Umgesetzt wird dies überdies von einem neuen Parkplatzbetreiber – denn seit Juli ist die Breiteneder-Gruppe (BIP) in Schönbrunn am Ruder. Wobei betont wird, dass der Wechsel nichts mit der Baum-Misere zu tun habe und es ein „regulärer Vergabeverfahren“ gegeben habe.
Eine BIP-Sprecherin verspricht, es sei „ein besonderes Anliegen, den Standort in einem ordnungsgemäßen Zustand zu erhalten. Dazu zählt die nachhaltige Pflege der Grünflächen und des Baumbestandes.“ Nach einer Befundung durch einen Experten seien für Herbst erneut Nachpflanzungen geplant – in Summe 36 Bäume.
Mayr-Harting freut vor allem, dass seine jahrelange Forderung nach einer automatischen Bewässerungsanlage kommen soll. Trotzdem: „Es waren sieben verlorene Jahre. Denn sicher jeder vierte Baum von 2019 ist seither abgestorben.“
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