Nach Jennifer Scharingers Tod flirtete der Verdächtige online
Gedenken an Jennifer Scharinger bei einer Kundgebung in Wien.
Eifersucht, Kontrollzwang, Jähzorn und Probleme, Abweisungen zu akzeptieren: Clemens T., der sich seit einiger Zeit Mairon K. nennt, soll am 22. Jänner 2018 seine Ex-Freundin Jennifer Scharinger (21) in einer Wohnung in Wien-Brigittenau erwürgt und ihre Leiche später am Truppenübungsplatz in Allentsteig abgelegt haben.
Nach acht Jahren des Schweigens legte der Verdächtige im vergangenen Dezember ein Geständnis ab und führte die Ermittler zur Leiche. Die Details der Anklageschrift, die seit gestern vorliegt, bieten einen Einblick in die Gedankenwelt des nun 33-Jährigen.
Unmittelbar vor der Tat soll Jennifer die Beziehung beendet haben. Nachdem die junge Frau erwürgt worden war, soll der Verdächtige sie laut Anklage entkleidet in eine Holztruhe gelegt und mit dem Pkw nach Großweikersdorf, NÖ, gebracht haben. Später brachte er den Leichnam zum Truppenübungsplatz – vermutlich, weil er befürchtete, dass ihn die Standortpeilung des Handys hätte verraten können.
Lebensgefährtin attackiert
Nur kurz nach Jennifer Scharingers Tod telefonierte er mit seinen Eltern. Er informierte sie darüber, dass es zur Trennung gekommen sei und er nun ausziehen müsse.
Danach flirtete er mit einer anderen jungen Frau. „Du bist wunderschön. Wie heißt du auf Insta?“
Zwei Tage später tauschte er Nummern mit einer anderen Frau aus, die er bei einem Online-Spiel kennengelernt hatte, und besuchte sie spontan in Tirol.
Wurde er auf Jennifers Verschwinden angesprochen, reagierte der Verdächtige gereizt. Als ihn seine damalige Lebensgefährtin damit konfrontierte, soll er handgreiflich geworden sein.
Von Anfang an galt der 33-Jährige als Hauptverdächtiger. Indizien gab es viele, doch keine Beweise.
Mutter blieb hartnäckig
Doch Jennifer Scharingers Mutter Brigitta ließ nicht locker. Mit Hilfe eines Bekannten erstellte sie ein Fake-Profil auf einer Dating-Plattform. So konnte ein Bekannter der Mutter, der sich als Frau ausgab, mit Clemens T. in Kontakt treten. Dabei soll der Verdächtige ausführlich darüber gesprochen haben, wie man am besten eine Leiche verschwinden lassen könne und dass er über entsprechendes Wissen verfüge.
Beim Beschuldigten, gegen den ein Waffenverbot vorliegt, wurden übrigens auch mehrere Waffen, darunter Wurfmesser und ein Luftdruckgewehr, sichergestellt.
Noch kein Prozesstermin
„Der Familie von Jennifer ist es wichtig, dass er die Verantwortung trägt. Aber natürlich kann kein Urteil Jennifer zurückbringen“, sagt Rechtsanwalt Andreas Schweitzer, der die Familie der jungen Frau vertritt. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.
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