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Wiener G'schichten: Saisonaler Spurwechsel

Im Sommer werden die Radwege voller - zu voll. Der Platz wird enger, die Fahrt gefährlicher, die Gemüter erhitzt. Zeit, dass die Autos im Sommer eine Spur an die Radlerinnen und Radler abgeben.
Diana Dauer
Cape Epic 2026 mountain bike race - Stage 7

Achtung, wir Saisonradler kommen. Während die witterungsfesten bei Tiefsttemperaturen, Schnee und in Wien seltenem Eis mit ihrem Spritzschutz und Windjacken die Stellung gehalten haben, fluten seit der 20-Grad-Grenze auch wir Mimosen wieder die Radwege. Nein, ich korrigiere, wir fluten nicht, wir verstopfen die Wege, die auf die „Insel“ führen. Wer es den Zig-Tausenden anderen Menschen (und mir) an heißen Wochenenden gleichtut und auf die Donauinsel flüchtet, fühlt sich ab der Urania oder dem Praterstern wie beim Start der Tour de France. Im Millimeter-Abstand schieben wir Radlerinnen und Radler uns ungeduldig über die viel zu engen Radwege Richtung Donau. Wir suchen nach sich auftuenden Lücken, um die Vorderen zu überholen oder zumindest nicht ausgebremst zu werden. Bei jeder Ampel entsteht Stau, jede neue Grünphase löst einen kurzen Adrenalinstoß aus. Aggressives Fahren ist angesagt. Wie ordnet sich das Chaos neu? Wer bremst, verliert und wer abbiegen will, hat Pech? Es herrscht Überbevölkerung auf den Radwegen. Bei Schweinen oder Wanderheuschrecken führt dieser extreme Stress zu Kannibalismus, am Radweg zu Pöbeleien und Schweißausbrüchen.

Muss das sein?

Höhepunkt der gefährlichen Reise über die Donau ist die Strecke zwischen Lassallestraße und der Nadelöhr-engen unterführten Auffahrt auf die Reichsbrücke. Jetzt wirds noch enger ...

Die Praterstraße wurde nach jahrelangem politischen Hickhack fahrrad-, oder sagen wir, überlebensfreundlicher gestaltet. Hier wurde eine Autospur einem verbreiterten Fahrradweg „geopfert“. Aber sie ist in der Stadt eine Ausnahme, eine Atempause. Ein Konzept, das zumindest im Sommer auf die ganze Stadt ausgerollt werden sollte. Wie wäre ein flexibler, saisonaler Spurwechsel? Etwa, von Mai bis Oktober sollte jede zweispurige Autostraße eine Spur an die Radlerinnen und Radler abgeben müssen. Eh nur im Sommer. Wenn’s kalt wird, verkriechen wir Mimosen uns wieder.

diana.dauer@kurier.at

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