Chronik | Wien
18.03.2018

Rosa Lila Villa: "Wir wollen offen für alle sein"

Lesben & Schwulenhaus, Rosa Lila Villa, Wienzeile, Umbau Behindertengerecht, Raina Hofer © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

Mittels Crowdfunding soll das "Lesben- und Schwulenhaus" barrierefrei werden.

Zumindest vom Vorbeifahren kennt wohl jeder Wiener die "Rosa Lila Villa" in Mariahilf. Das Zentrum für die LGBTIQA-Community – die Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender-, intersexuelle, queer und asexuelle Personen – hat eine bewegte Geschichte hinter und ein ambitioniertes Projekt vor sich. Nach zwei gescheiterten Anläufen will man endlich barrierefrei werden. Doch das ist teuer, überhaupt für ein selbstverwaltetes Haus, in dem alle ehrenamtlich tätig sind. Um die benötigten 220.000 Euro zusammenzubringen, wurde nun eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

Entstanden ist die "Villa", in der drei Wohngemeinschaften, das Beratungszentrum des Vereins "Türkis Rosa Lila Tipp" sowie das Café "Willendorf" untergebracht sind, nach einer Hausbesetzung 1982. Die Aktivistinnen und Aktivisten hatten das Gebäude an der Ecke Linke Wienzeile/Spörlingasse damals als "Erstes Wiener Lesben- und Schwulenhaus" für sich beansprucht. Und nach zähen Verhandlungen mit der Gemeinde übertrug die Stadt Wien das Haus dem Verein zur Selbstverwaltung.

Zwei Etappen

Jetzt soll die Villa, die monatlich rund 5000 Leute aufsuchen und die auch externe Vereine nützen, barrierefrei werden. "Denn was bringt ein Treffpunkt, in den nicht jeder reinkommt", sagt Mitarbeiterin Elijah Osakwe. "Wir wollen offen für alle sein." Zum Teil sei bereits "ein hohes Frustrationslevel gegeben, weil Leute seit 30 Jahren nicht ohne Hilfe ins Haus kommen", ergänzt Raina Hofer, die "schriftführende Person" des Vereins. Gesetzlich zum Umbau gezwungen wäre das Villa-Team aufgrund der Unzumutbarkeitsklausel eigentlich nicht.

Lesben & Schwulenhaus, Rosa Lila Villa, Wienzeile, Umbau Behindertengerecht, Raina Hofer © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

Um in einer ersten Etappe ab Sommer die Eingänge zu Villa und "Willendorf" zu optimieren, eine Rollstuhlrampe im Eingangsbereich sowie Wendekreise in den Toiletten zu schaffen und in einer zweiten Ausbaustufe einen Lift im Innenhof zu installieren, wären 220.000 Euro nötig. Anfang März wurde daher ein Crowdfunding gestartet, das noch bis 12. April läuft. Am 9. Juni ist zudem parallel zum Andersrum-Fest in der Otto-Bauer-Gasse ein Straßenfest in der Spörlingasse geplant, bei dem ebenfalls Geld gesammelt werden soll.

Aus der Community kamen bis dato 1500 Euro zusammen. Außerdem gebe es Kreditzusagen über 30.000 Euro. Spendenwillige können sich über www.firefund.net/lilavilla oder über umbau@dievilla.at informieren.

Zumindest moralisch und in Form von Reklame unterstütze auch Mariahilf das Projekt, erklärt Bezirksvorsteher Markus Rumelhart (SPÖ), der sich der Rosa Lila Villa "als Teil der Community sehr verbunden" fühlt und deren Bedeutung als Beratungszentrum hervorhebt. Eine finanzielle Unterstützung lasse das Bezirksbudget nicht zu, privat werde er aber spenden, sagt er.

Seitens der Stadt, die bereits die türkis rosa lila Beratungsstelle subventioniert, begrüßt man die Barrierefrei-Initiative. Einer punktuellen Unterstützung sei man prinzipiell nicht abgeneigt, heißt es bei der MA13 (Bildung und außerschulische Jugendarbeit) – man müsse aber erst konkrete Pläne kennen.