Vier Räuber oder missglückter Drogendeal? Richterin Daniela Zwangsleitner (Mitte) braucht noch Zeugen

© APA/HERBERT NEUBAUER

Prozess
03/07/2014

Raub in der U-Bahn oder „Gefälligkeitsaussage“

Vier Männer wurden an den Pranger gestellt, aber das Gericht zweifelt an Angaben des Opfers.

von Ricardo Peyerl

Kaugummi ausspucken!“ Die Richterin fordert von den vier Angeklagten ordentliche Umgangsformen. Das wäre auch im Vorfeld dieses Prozesses zu wünschen gewesen. Aber Krone-Kolumnist Michael Jeannée zeigte die Fotos der angeblichen Räuberbande her und bezeichnete sie als „elendes, niederträchtiges Pack“ und als „Dreckskerle“, die in der U-Bahn Angst und Schrecken verbreiten würden.

Die Fotos waren von der Staatsanwaltschaft freigegeben worden, zu Fahndungszwecken. Das Quartett stellte sich selbst und saß drei Wochen in U-Haft. Und was haben die vier aus der Dominikanischen Republik stammenden Männer im Alter zwischen 19 und 27 Jahren tatsächlich verbrochen?

Einer von ihnen soll einen 18-jährigen Wiener in der U-Bahnstation Margaretengürtel gegen die Wand gedrückt und ihm 50 Euro abgenötigt haben. Die drei anderen sollen daneben gestanden sein, genau so, wie auch die drei Freunde des mutmaßlichen Opfers daneben gestanden sind und keinen Finger gerührt haben.

Drogendeal?

Beim Raubprozess im Wiener Landesgericht gehen die Versionen auseinander. Die Angeklagten waren am 1. November 2013 um acht Uhr früh auf dem Heimweg von einem Lokalbesuch. In der U 4 seien sie von dem 18-Jährigen und dessen Begleitern angesprochen worden, ob sie ihnen „Gras“ verkaufen würden. Möglicherweise habe es dann ein Gerangel um die 50 Euro – vielleicht als Anzahlung – gegeben.

Das mutmaßliche Opfer sagt, es habe mit Drogen nichts am Hut, sei von den vier aggressiven Männern umzingelt und von einem beraubt worden: „Es sind schon Leute für weniger als 50 Euro erstochen worden.“

Allerdings saß der Zeuge entgegen der Strafprozessordnung während der gesamten Vernehmung der Angeklagten im Saal und konnte seine Aussage anpassen. Und in den Angaben eines seiner Begleiter vermutet die Richterin eine „Gefälligkeitsaussage“. Vertagt.

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