Sind die Wiener Radfahrmuffel?

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Analyse
04/10/2014

Radeln kommt nur langsam vom Fleck

Trotz millionenschwerer Werbung der Stadt stieg der Radverkehr in den letzten Jahren kaum.

von Elias Natmessnig

Der Jahreswechsel war für Wiens Radfahrbeauftragten Martin Blum ernüchternd. Schuld daran war die Jahresbilanz für 2013: Der Anteil der Radfahrer im Modal Split war nur um 0,1 Prozent auf 6,4 Prozent gestiegen.

Dabei war Blum alles andere als untätig: Man rief das Jahr 2013 zum Radjahr aus, veranstaltete Kongresse, Workshops, Feste, tourte durch die Bezirke, legte Radkarten und Infofolder auf. 4,5 Millionen Euro kostete das Radjahr, Blums Abteilung gab weitere 2 Millionen aus. Der Erfolg blieb bescheiden.

Erfreulicher verlief das erste Quartal 2014. An vielen Messstellen wie etwa am Opernring wurden im Vergleich zu 2013 Zunahmen von fast 100 Prozent gemessen. Eine verspätete Reaktion der Wiener auf das Radjahr? Wirken die Bewusstseinsmaßnahmen spät, aber doch?

Schönwetter

Die Erklärung liegt wohl im Wetter. Während im Vorjahr bis in den April winterliche Bedingungen herrschten, kam der Frühling heuer früh. Vergleicht man jedoch die letzten Jahre, steigt die Zahl der Radler nur langsam. Als die Grünen in die Regierung kamen, wurden ambitionierte Ziele ausgegeben: 10 Prozent Radverkehr bis 2015. Ein Wert, der heute unrealistisch scheint.

"Für eine Großstadt steht Wien im europäischen Vergleich beim Radfahren ganz gut da. Wir haben aber noch viel Potenzial. Städte wie Amsterdam oder Kopenhagen sind uns um 20 Jahre voraus", sagt Blum. Die Bewusstseinsbildung durch die Mobilitätsagentur funktioniere. "Wenn man aber stärkere Steigerungen im Radverkehr will, dann muss man die Infrastruktur ausbauen."

Platzfrage

Das betont auch die grüne Vizebürgermeisterin. "Je mehr Radfahrer es werden, desto mehr Platz brauchen sie", sagte Maria Vassilakou bei einer Pressekonferenz zum Radwegprogramm für 2014. Doch das Programm selbst ist bescheiden. 16 Kilometer Radwege kommen heuer dazu. Große Verbesserungen finden sich kaum.

Dabei zeigt etwa das Beispiel Mariahilfer Straße, dass Infrastrukturverbesserungen von Radlern sofort angenommen werden. "Seit Einführung der Verkehrsberuhigung hat sich der Radverkehr dort nahezu verdoppelt", sagt Blum.

Vassilakou drängt nun auf den Bau von Radstraßen, das sind Straßen in denen Radfahrer Vorrang haben. Doch das ist Sache der Bezirke – wie auch die Radstreifen oder Radfahren gegen die Einbahn. "Das ist ein Appell an die Bezirksvorsteher, wir müssen uns endlich einen Ruck geben", sagte Vassilakou, die einmal mehr die Pfeilgasse im achten Bezirk als Beispiel nannte.

Doch Bezirksvorsteherin Veronika Mickel (VP) will davon nichts wissen. "Wir haben Schulen in der Pfeilgasse, die Sicherheit der Kinder geht vor", sagt Mickel. Man habe bereits gute Fahrradverbindungen in der Josefstadt, sei vom VCÖ zum fahrradfreundlichsten Bezirk Wiens gewählt worden. Mickel: "Ich bin absolut für das Radfahren. Aber wenn Vassilakou glaubt, sie kann den Bezirken ständig über die Medien ausrichten, was sie zu tun haben, liegt sie falsch."

Radfreundliche Städte um den Globus

Absperrbare Garagen für Fahrräder

Seitdem sich Michael Helml ein etwas teureres Fahrrad zugelegt hat, bekommt er jedes Mal, wenn er es an einem öffentlichen Ort abstellt, ein mulmiges Gefühl. "Kaum drehst du dem Rad den Rücken zu, ist es eigentlich schon weg", sagt der 47-jährige Wiener. Fahrradschloss besitzt er zwar; doch auch damit sei man nicht vor Dieben gefeit. Mit einem neuen Konzept will Helml Radbesitzern nun eine sichere Unterstellungsmöglichkeit bieten: absperrbare Garagen.

Das Pilotprojekt soll Anfang des Sommers umgesetzt werden. In einem ersten Schritt werden zehn Garagen an gut besuchten Plätzen wie dem MuseumsQuartier oder dem Schwedenplatz aufgestellt. Ein Standort bietet dabei Platz für 18 Räder. Der Radbesitzer muss sich online registrieren. Mittels einer App können Radfahrer herausfinden, in welchen Garagen noch Plätze frei sind und diese auch kurzfristig reservieren. Sobald das Rad in der Box verstaut und diese verschlossen ist, beginnen die Mietkosten. Preise sind noch nicht festgesetzt, sollen aber gering gehalten werden.

Wenn das Projekt angenommen wird, hat Helml bereits weitere Pläne: Er möchte Aufladestationen für E-Bikes integrieren und diese an U-Bahn-Endstation platzieren – um somit Pendlern den Umstieg vom Auto auf das E-Bike zu erleichtern. Und da die Garagen schnell auf- und abzubauen sind, eignen sie sich laut Helml auch für Konzerte oder Großevents.

Die Idee ist eines der elf innovativsten Projekte, die 2013 im Rahmen des Förderwettbewerbs "Dienstleistungsaktion" von der Wirtschaftsagentur Wien ausgezeichnet wurden.

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