© Katharina Zach

Chronik Wien
10/20/2020

Puzzles und Bücher für alle: In Wien öffnet Sozialmarkt für Spielzeug

Das Projekt "SOS-Ballon“ soll auch Beratung bieten und Grätzeltreffpunkt sein.

von Katharina Zach

Vorsichtig werden Elsa und Anna auf einem kleinen Podest platziert. „Wir sind up to date“, sagt Sarah Tanzer, nachdem die Puppen der beiden Protagonistinnen aus Disneys „Die Eiskönigin“ perfekt über einer Schultasche sitzen. Kaum ein Elternteil, das zuletzt um die Geschichte der beiden Schwestern herumgekommen ist.

Nun ist alles bereit für die Eröffnung kommenden Dienstag, den 27. Oktober. Doch es ist kein weiteres Spielzeuggeschäft, das auf der Schönbrunner Straße 75 in Margareten seine Pforten öffnet. Es ist Österreichs erster Sozialmarkt für Spiel- und Kinderwaren.

Initiiert wurde das Projekt „SOS-Ballon“ vom SOS Kinderdorf und es funktioniert wie jeder Sozialmarkt.

Einkommensgrenze

Menschen, deren monatliches Netto-Einkommen 1.200 Euro (Paare 1.600 Euro, für jedes Kind erhöht sich die Einkommensgrenze um 250 Euro) nicht übersteigt, können sich anmelden, erhalten einen Pass und dürfen einkaufen. Dabei ist es egal, ob man selbst Kinder hat oder vielleicht die Oma ist.

„300.000 Kinder leben in Armut oder sind armutsgefährdet“, sagt SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter Clemens Klingan. Sie wohnen nicht nur häufig prekär, sondern haben auch weniger oder schlechteres Spielzeug. Dabei sei Spielen ein Teil der Persönlichkeitsentwicklung, erklärt Tanzer, die im „SOS-Ballon“ hauptamtlich arbeitet. „Spielzeug ist sehr ungleich verteilt.“

Im neuen Shop finden Kinder nun auf knapp 200 Quadratmetern Verkaufsfläche Spielzeug wie Lego, Puppen samt Zubehör, Spielzeugautos, Brettspiele und (Schul-)Bücher aber auch Schulartikel, Kleidung bis Größe 122 und Sportartikel wie Räder oder Skischuhe (auch für Teenies).

Die Waren sind großteils Spenden, stammen aber auch von Geschäftsauflösungen. „Wir wollen Familien ein Stück ihrer Würde zurückgeben“, meint Klingan. Und: "Damit geben wir Familien die Möglichkeit, andere Familien zu unterstützen."

Sachspenden

Dass das Konzept funktioniert, zeigt sich gleich bei der Präsentation des Projekts: Der Wiener Martin R. bringt drei Kisten voll mit Spielzeug und Bücher in den SOS-Ballon. Seine Kinder seien ausgezogen, die Sachen würden nicht mehr benötigt, erzählt er. Im Internet stieß er auf das Projekt. "Wir wollten die Sachen einer vernünftigen Nutzung zuführen, bevor man sie wegschmeißt."

Die künftigen Kunden wird es freuen. Die Preise für die Waren sind günstig, teils sogar flexibel – damit sich jeder etwas leisten kann. Daher ist man bei „SOS-Ballon“ auf Spenden angewiesen, die man unter anderem - wie Familienvater R. - direkt im Geschäft oder gegenüber bei der Bezirksvertretung Margareten (jeden Donnerstag von 9 bis 17 Uhr) abgeben kann. Auch Freiwillige werden gesucht.

Neben Spielwaren soll das Geschäft auch ein Ort der Gemeinschaft werden. So werden Veranstaltungen wie Lesenachmittage für Kinder stattfinden, bei Bedarf wird es Beratung geben. "Um auch Menschen, die nicht einkaufsberechtigt sind, die Möglichkeit zu geben, sich Ballon anzusehen", sagt Tanzers Kollegin Martina Wiener. Denn die Veranstaltungen stehen allen Kindern offen.

Dass sich das neue Projekt im 5. Bezirk nahe der U-Bahnstation Pilgramstraße befindet, ist übrigens kein Zufall. In Margareten gebe es sowohl Bedürftige als auch Familien, die genug spenden könnten. Zudem sei man auch Einzugsgebiet für den 15. und den 10. Bezirk, heißt es bei SOS Kinderdorf. In diesen Bezirken sei das Durchschnittseinkommen geringer als in anderen Gegenden Wiens.

Alle Infos: SOS-Ballon, 5., Schönbrunner Straße 75; Di. 10–16 Uhr, Mi. 12–18 Uhr, Fr. 10–18 Uhr & jeder erste Sa. im Monat 9–13 Uhr; Anmeldung: sos-ballon@sos-kinderdorf.at

www.sos-kinderdorf.at

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