© SOS Kinderdorf

Chronik Burgenland
04/19/2020

Kinderdorf ohne neue Kinder

SOS Kinderdorf. Wegen Corona werden Krisenfälle außerhalb in Wohnungen untergebracht

von Roland Pittner

Es ist ruhig im SOS Kinderdorf Pinkafeld. Der Spielplatz im Garten ist leer, es geht im Moment keiner spazieren. Der Alltag hat sich durch die Corona-Pandemie für alle verändert. Auch im Kinderdorf läuft nichts mehr wie zuvor.

„Ich muss jetzt am Vormittag im Haus lernen. Ich kann meine Freunde und meine Familie nicht mehr besuchen. Ich wünschte, es wäre wieder so wie früher und ich kann zurück in die Schule“, sagt Johanna. Die 14-Jährige wohnt seit einiger Zeit in einer Kinderdorffamilie. „Auch wir haben uns darauf einstellen müssen, normal sind die Kinder ja vormittags in der Schule“, sagt SOS-Kinderdorfleiter Marek Zeliska im KURIER-Gespräch.

Denn der Betrieb muss aufrecht erhalten werden. Für die Kinder gibt es eine klare Tagesstruktur. Die Pädagogen haben bis zu sechs Kinder, die in die Sonderschule, Volksschule bis hin zu höheren Schulen gehen und alle zu Hause lernen müssen. „Die Alltagsgestaltung hat sich verändert. Die Kinder haben schon Sehnsucht nach Abwechslung“, sagt Claudia, Betreuerin im Kinderdorf.

Familien in der Krise

Es gibt trotz oder wegen der derzeitigen Situation weiterhin Krisen in Familien. „Jede Woche haben wir eine Anfrage für eine Unterbringung“, sagt Zeliska. Vorwiegend handle es sich um Jugendliche. „Wir versuchen, mit den Familien vor Ort zu arbeiten oder probieren die Kinder irgendwo in einer externen Wohnung unterzubringen und zu betreuen“, sagt der Kinderdorfleiter. Denn ins Dorf dürfen derzeit keine neuen Bewohner. In den zehn getrennten Häusern sind etwa 75 Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern mit ihren Kindern untergebracht. Untereinander gibt es keine Kontakte mehr. „Wir vermeiden es so gut es geht, es ist schwer, den Kindern zu erklären, dass sie draußen nicht spielen dürfen“, sagt Zeliska.

Schwer ist auch der fehlende Kontakt zu den leiblichen Eltern. Seit Corona gibt es nur mehr virtuellen Kontakt mit Verwandten oder Freunden. „Wir müssen geschlossene Systeme machen, um bei einem Corona-Fall nicht die gesamte Organisation zu gefährden“, sagt Zeliska. Auch die Mitarbeiter und Betreuer haben nur sehr eingeschränkten Kontakt und kommunizieren über andere Kanäle. „Wir haben auch Mitarbeiter, die zu Hause sind, um eine Reserve zu haben, falls das Virus auch bei uns ausbricht“, sagt Zeliska, der mittlerweile zum Krisenmanager geworden ist. Sogar Atemschutzmasken hat er organisiert, obwohl sie nur schwer zu bekommen sind. „Pensionisten unterstützen uns und nähen die Masken fürs Kinderdorf“, sagt Zeliska. Bei den mobilen Betreuungsdiensten wird überlegt, ob die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden. „Wir überlegen, wie wir verstärkt digitale Tools und Angebote für diese Arbeit einsetzen können, wie ,Rat auf Draht‘“, sagt Zeliska. Alle hoffen, dass bald wieder Normalität einkehrt.

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