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Chronik Wien
06/05/2020

Tochter ließ eigenen Vater mit Eisenstange überfallen: Haft

Pärchen litt unter Geldnot, Vater hatte den Geldhahn zugedreht. Langjährige Haftstrafen.

von Michaela Reibenwein

Das Verhältnis zum Vater war schon lange nicht mehr gut. "Es gab Vorfälle in der Vergangenheit", sagt der Verteidiger der 22-jährigen Angeklagten. Dann drehte der Vater, ein Lokalbesitzer aus Hietzing, auch noch den Geldhahn zu. Und in der 22-Jährigen und ihrem gleichaltrigen Lebensgefährten reifte der Plan: den Vater überfallen und ihm Geld wegnehmen.

Geld war bei dem Paar schon immer Mangelware. Die beiden sind arbeitslos. Und sie haben zwei Millionen Euro Schulden. Das ist jener Schaden, der entstand, als das Paar im Jahr 2017 bei einer Geisterbeschwörung die Marx-Halle in Brand setzten. "Ein Versehen", nennt das der Hauptangeklagte.

Eisenstange

Als dann auch noch eine Delogierung aus der Wohnung bevorstand, begannen sie, den Vater auszuspionieren. Der Frühaufsteher hatte nämlich die Gewohnheit, die Monatseinnahmen in bar durch die Gegend zu führen. Doch der Mann war kräftig. Eine Waffe musste her. Und so besorgte Aleksandar M. aus dem Baumarkt eine Eisenstange. Den Cousin engagierte er als Chauffeur.

"Hemmungen beim Zuschlagen"

Mitte Dezember 2019 zogen sich die Männer Sturmhauben über und warteten darauf, dass das Opfer das Haus mit seiner Aktentasche verließ. Dann stürzten die beiden Männer auf ihn zu und prügelten mit der Eisenstange auf ihn ein. "Ich hatte Hemmungen beim Zuschlagen", sagt Aleksandar M. im Landesgericht für Strafsachen in Wien. "Ich bin ja kein Schlägertyp."

Die Verletzungen allerdings waren enorm. Der Mann erlitt unter anderem einen Jochbein-Bruch und einen Bruch des Oberkiefers. Die Tochter beobachtete alles von einem Auto aus.

Versteck im Park

Dann entrissen sie ihrem Opfer den Geldkoffer mit fast 29.000 Euro. Die Eisenstange entsorgten sie im Bereich der Donaufähre, wo sie später von Cobra-Tauchern geborgen wurde. Das Geld vergruben sie in einem Park im 21. Bezirk. 

Doch es dauerte nicht lange, ehe das Trio ausgeforscht wurde: Das Opfer erkannte den Schwiegersohn trotz Maskierung. "Eine unglaubliche Verrohung", nennt das Rechtsanwalt Ernst Schillhammer, der den Schwiegersohn vertritt. Als "falsche Loyalität" bezeichnet es Rechtsanwalt Nikolaus Rast, der den Cousin des Haupttäters vertritt. 

Die Angeklagte wurde wegen schweren Raubes zu 6,5 Jahren, ihr Lebensgefährte zu 7,5 Jahren und dessen Cousin zu 5,5 Jahren verurteilt. Alle Beteiligten nahmen den Richterspruch an, das Urteil ist somit rechtskräftig.

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