Schlusskundgebung am Maria-Theresien-Platz: Die Ärzte hoffen auf ein Einlenken der Politik, ansonsten drohen sogar Streiks

© KURIER/Jeff Mangione

Arbeitszeitgesetz
03/23/2015

Ärzte bliesen zum Trauermarsch

Wiens Spitalsärzte demonstrierten gegen den Stellenabbau, Wehsely kündigt Gespräche an.

von Josef Gebhard, Daniela Wahl

Trauerflor, ein Grabkranz und eine Bläsergruppe, die den Trauermarsch spielt. Die Rede ist nicht von einem Beerdigungszug, sondern von der größten Ärzte-Demo, die Wien je gesehen hat. Aus Protest gegen das neue Arbeitszeitmodell zogen mehr als 2000 Mediziner Montagnachmittag durch die City.

Die Ärztekammer hatte einiges aufgeboten, um öffentlichkeitswirksam auf die Probleme aufmerksam zu machen, die die seit Jänner gültige Arbeitszeit-Verkürzung in Wiens Spitäler mit sich bringt. An der Spitze des Zuges heizte ein Einpeitscher von einem Wagen herab die Stimmung unter den Teilnehmern in ihren weißen Kitteln an. Begleitet von einem DJ, der die Demo mit Hits wie "I will survive" beschallte.

Stellenabbau

Manche Ärzte hatten sich Zettel mit der Aufschrift "Einer von 382" auf ihre Mäntel geheftet – in Anlehnung an den von der Stadt geplanten Abbau von 382 Dienstposten in den Gemeindespitälern im Zuge der Dienstzeiten-Umstrukturierung. Es ist vor allem dieses Vorhaben, das zuletzt für massive Empörung unter den Medizinern gesorgt hatte. "Dass man mit zehn Prozent weniger Ärzte nicht die gleiche Leistung erbringen kann, kann sich mein kleiner Sohn ausrechnen", kommentiert das eine Turnusärztin aus einem Gemeindespital. "Hätte ich nicht zwei Kinder, hätte ich Wien schon verlassen und würde in der Schweiz arbeiten."

Mit Namen und Bild will kaum einer der aufgebrachten Demo-Teilnehmer in der Zeitung erscheinen. Wie es scheint, zeigt der Maulkorb-Erlass für die Ärzte in den Gemeindespitälern (der KURIER berichtete) bereits Wirkung.

Vor dem Rathaus hält der Demo-Zug kurz, "um die Politiker aufzuwecken", wie der inzwischen etwas heisere Einpeitscher erklärt.

Dass die Stadt noch einlenkt und das Dienstzeit-Paket neu verhandelt, hofft auch Gernot Rainer, Chef der neuen Ärztegewerkschaft Asklepios, der an der Spitze des Zuges mitmarschiert. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die geplanten Maßnahmen zu einem katastrophalen Kahlschlag im Gesundheitssystem führen werden."

Ähnlich sieht das Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres: "Ich habe jetzt schon täglich Informationen über verlängerte Wartezeiten und lange Wartelisten für Operationen." Sollte die Stadt sich nicht bewegen, werde man auch das Thema Streik besprechen müssen.

Weitere Gespräche

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) wirft indes der Ärztekammer vor, an der "Eskalationsschraube" zu drehen. "Da werden verschiedene Kammer-Interessen bedient, aber gleichzeitig auch die Patienten verunsichert." Trotzdem werde es Dienstagmittag wieder ein Gespräch mit den Ärztevertretern geben, sagt Wehsely.

Mit dem Gehaltsschema könnte jedenfalls ein zentraler Teil des neuen Arbeitszeit-Pakets bereits am kommenden Freitag im Landtag beschlossen werden.

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