„Mitspracherecht“ forderten die Demonstranten von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne, re.) mit Schildern und Trillerpfeifen ein

© jürg christandl

Mahü
11/27/2013

Proteste ohne Ende gegen neue Mariahilfer Straße

Weniger Verkehr im 6. und 7. Bezirk / 57 Mio. € Umsatzeinbußen / Demo der Gegner.

von Josef Gebhard, Elias Natmessnig

Robert Müller ist extra aus Währing angereist. Jetzt steht er im grauen Mantel auf der Mariahilfer Straße und verteilt Aufkleber.

„Es ist ein Schwachsinn, die Leute so einzuschränken“, sagt Müller und erntet Beifall von umstehenden Demonstranten.

Etwa 200 sind gekommen. Trillerpfeifen werden verteilt, Schilder in die Höhe gehalten – so zieht man durch die Fußgängerzone. „Gegen den Einbahnzirkus“, steht auf dem Schild von Roswitha Neu. „Ich wohne in der Seidengasse, wir haben hier viel mehr Verkehr“, klagt sie. Sie werde im Frühjahr gegen den Umbau stimmen.

Georg Schorr wohnt in der Otto-Bauer-Gasse. „Bei uns ist zwar weniger Verkehr, auf der Gumpendorfer Straße dafür mehr.“ Lucia Schmid betrachtet die Demo vom Straßenrand. Die junge Frau wohnt in Fünfhaus und darf daher nicht abstimmen. Ihr gefällt die neue Mahü: „Ich finde die Verkehrsberuhigung super, ich komme jetzt öfter zum Flanieren her.“

Dass die angestrebte Verkehrsberuhigung funktioniert, kann indes Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) mit Zahlen belegen: Im Vergleich zu Juni hat die Zahl der Autofahrten im 6. und 7. Bezirk spürbar abgenommen. Konkret wurden an den 45 Zählstellen im Oktober pro Tag 13.509 weniger Kraftfahrzeuge gemessen als vor der Einrichtung der Fußgängerzone (siehe unten).

Die stärksten Rückgänge verbucht naturgemäß die Mariahilfer Straße selbst, doch auch in den Seitengassen ist jetzt weniger los. So betrug der Rückgang in der Zieglergasse 3818 Kfz. Vor der Umgestaltung im Sommer waren in Spitzenzeiten noch 4623 Fahrzeuge unterwegs. Auch die Burggasse hat ein leichtes Minus zu verbuchen.

Es gibt aber auch Verlierer, wo der Verkehr drastisch zugenommen hat. In der Gumpendorfer Straße (Höhe Gfrornergasse) wurden nach der Einführung der Fuzo 4855 Fahrzeuge (vorher 3742) gezählt.

„Für diese Bereiche werden wir Maßnahmen erarbeiten“, verspricht Vassilakou. Denkbar sind etwa bessere Ampelschaltungen. Zudem soll Tempo 30 in Durchzugsstraßen mittels Radarboxen strenger kontrolliert werden.

Millionenverlust

Bedeutet weniger Verkehr aber auch weniger Geschäft für die Unternehmen? Zumindest die aktuellen Zahlen des Wirtschaftsbundes deuten darauf hin: Mehr als ein Drittel von 600 im 6. und 7. Bezirk befragten Unternehmen klagt über ein Umsatz-Minus von fünf bis 20 Prozent, nur 80 Betriebe verzeichnen ein Plus. Der Wirtschaftsbund rechnet mit einem Gesamt-Minus von 57 Millionen Euro. 40 Prozent der Befragten klagen über weniger Kunden, jeder siebente Betrieb denkt bereits über Personalabbau nach.

Die Proteste der Anrainer gehen weiter

Verkehrszählung im "Mahü"-Grätzel

Methode

Die Zählungen erfolgten an 45 Messstellen im 6. und 7. Bezirk an jeweils einem Tag in Juni, September und Oktober zu den Verkehrsspitzen, also zwischen 6 und 9 Uhr sowie zwischen 15 und 19 Uhr.

Interpretation

Für den Verkehrsplaner Harald Frey (TU Wien) kommt der starke Rückgang um über 13.000 Fahrzeuge pro Tag nicht überraschend. Viele Pkw-Benutzer würden seit der Einführung der Fußgängerzone großräumig ausweichen oder gleich auf die Öffis umsteigen.

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