Chronik | Wien
20.11.2018

Probleme bei E-Leihrollern: Rote Reflektoren und rote Zonen

Anders als vorgesehen sind die Seitenstrahler der Leihscooter rot, die Polizei kann strafen.

Seit rund zwei Monaten rollen elektrisch betriebene Scooter durch Wien. Doch ganz rund läuft das neue Angebot noch nicht: Nach Beschwerden über ungünstig abgestellte Gefährte schränkt der Anbieter Lime das Parken in der Inneren Stadt nun partiell ein.

Doch offensichtlich haben nicht nur die Nutzer zu lernen, sondern auch die Anbieter: Ihre E-Tretroller sind nicht vorschriftsgemäß ausgestattet.

Die Park-Restriktionen sind das Ergebnis einer Übereinkunft zwischen City-Chef Markus Figl (ÖVP), Wirtschaftskammer und Lime. Konkret zeigt die Handy-App (sie wird zum Ausleihen der Scooter benötigt, Anm.) ab sofort rot markierte Zonen an – etwa am Stephansplatz.

Nutzer erhalten beim Einfahren den Hinweis, dass sie 25 Euro bezahlen, falls sie den Roller dort parken. Gleichzeitig wird das Team von Lime verständigt, um das Gefährt einzusammeln.

Gespräche mit anderen Anbietern

Eine solche Lösung werde auch mit Tier und Bird – den beiden anderen Anbietern – angestrebt, sagt ein Figl-Sprecher zum KURIER. Termine seien bereits avisiert. Nötig geworden sei die Initiative, da sich Bürger massiv über die Roller beschwert hätten, die Stadt aber nicht reagiert habe.

Das Verkehrsressort begrüßt die Lösung. Denn: Die Akzeptanz der Scooter sei abhängig davon, dass das Angebot positiv beurteilt werde, betont ein Sprecher von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne).

Verstoß gegen Verordnung

Ein Hemmschuh in dieser Hinsicht könnte jedoch die Ausstattung der Leihscooter sein. Die hunderten Roller auf Wiens Straßen sind nämlich nicht korrekt ausgerüstet.

Konkret fehlen den Modellen aller drei Anbieter gelbe bzw. weiße Seitenstrahler. Ihre roten Reflektoren entsprechen nicht der Fahrradverordnung, die laut Landespolizeidirektion und MA 65 (rechtliche Verkehrsangelegenheiten) auf E-Scooter anzuwenden ist. Das liegt daran, dass Wien die E-Roller rechtlich als Räder betrachtet.

20 Euro Strafe

Für Leihscooter-Nutzer kann das Strafen nach sich ziehen. „Würde man eine Person anhalten, und der E-Scooter ist falsch ausgestattet, kann ein Organmandat von 20 Euro eingehoben werden“, heißt es vonseiten der Polizei. Ob gestraft werde, liege aber im Ermessen des Beamten.

E-Scooter: Erste Regeln in Wien

Auf die Reflektoren angesprochen, verweist Bird drauf, vor dem Start mit allen Verantwortlichen gesprochen zu haben. Lime gibt an, dass seine Scooter seitens der Stadt geprüft worden seien. „Allfällige Strafen werden nicht zulasten unserer Kunden gehen“, betont Tier. Zu Verordnungen spreche man sich mit der Stadt ab.

Gelegenheit dazu gibt es am Donnerstag bei einem E-Scooter-Gipfel. An dem Termin würden die Anbieter, die Polizei und der Magistrat teilnehmen, sagt Leopold Bubak, Leiter der MA 65. Besprochen werden sollen etwaige Nachbesserungen.