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Chronik | Wien
03/19/2019

"Politik im Stil von Trump": Kritik an Ludwigs Wien-Bonus

Neos-Klubchef Wiederkehr kritisiert die SPÖ-Pläne für den Arbeitsmarkt und startet einen Zweitjob als Kabarettist.

Christoph Wiederkehr über sein Debüt als Kabarettist und seine Koalitionsbedingungen an die SPÖ.

KURIER: Nächste Woche  veranstalten Sie mit Comedian Gerald Fleischhacker einen Abend zum Krankenhaus Nord. Werden Sie jetzt ein Kabarett-Politiker  wie Roland Düringer?

Christoph Wiederkehr: Es ist wichtig, ein ernstes Thema wie die Steuergeldverschwendung beim Krankenhaus Nord verständlich aufzubereiten. Es ist so unglaublich, was dort passiert ist, dass man sich an den Kopf greift. Jüngstes Beispiel ist ein Test von Kaffee-Automaten, der 18.000 Euro gekostet hat. Ein  Kabarett ist ein gutes Mittel, all das zu erklären.  

Demnächst endet die U-Kommission. Die geladenen Manager und Politiker haben sich die Verantwortung gegenseitig zugeschoben. Hat sich der Aufwand gelohnt?

Es wurde aufgezeigt, wie Steuergeld verschwendet wurde oder wie Leute aus dem  SP-Umfeld bedient wurden. So hat ein ehemaliger SP-Geschäftsführer die Krisenkommunikation übernommen.

Wer ist aber nun der politisch Verantwortliche für den Bauskandal?

Wer, wenn nicht die ehemalige Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely? Sie war jahrelang in das Projekt involviert. Deswegen haben wir auch sie bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Auch bei der Neos-Klubklausur ging es um das Thema Gesundheit: Gefordert wird  der Ausbau von Kassenstellen für Kinderärzte. Wie soll das gehen, wenn es zu wenig Jungärzte gibt, die das werden wollen?

Es kann nicht sein, dass man eine halbe Stunde in den übernächsten Bezirk fahren muss, wenn man einen Kinderarzt braucht. Es muss  für Jungmediziner attraktiver werden, diesen Job zu übernehmen. Zum Beispiel durch Primärversorgungszentren, in denen sich Ärzte zusammenschließen können. Leider schläft die Stadtregierung bei diesem Thema.

Die SPÖ hat nun eine bevorzugte Aufnahme von Wienern bei städtischen Jobs beschlossen. Eine sinnvolle Maßnahme?

Sie ist ein Angriff auf das  weltoffene Wien. Es handelt sich um einen Stacheldraht-Erlass, mit dem Niederösterreicher und Burgenländer am Wiener Arbeitsmarkt diskriminiert werden.

Nun wird Wien immer wieder seine hohe Arbeitslosenrate vorgeworfen. Ist da so ein Schritt nicht einfach konsequent?

Wien profitiert ja auch sehr stark von Arbeitnehmern aus der Ostregion und aus dem Ausland. Es sollte zählen, was jemand kann, nicht, wo er seinen Wohnsitz hat. Aufgabe der Politik ist es, Jobs zu schaffen, nicht Menschen aus dem Arbeitsmarkt zu drängen. Denn damit löst man eine Kettenreaktion aus.  Das ist eine Politik im  Stil von Donald Trump. Die will ich nicht für Wien

2020 steht die nächste Wien-Wahl an. Werden Sie oder doch Beate Meinl-Reisinger als Neos-Spitzenkandidat ins Rennen ziehen?

Wir entscheiden die Spitzenkandidatur im nächsten Jahr. Dafür haben wir ein transparentes, öffentliches Verfahren, bei dem auch die Wiener online mitstimmen können. Derzeit bin ich ganz gut als Neos-Landessprecher und -Klubobmann eingedeckt.

Wollen Sie überhaupt Spitzenkandidat werden?

Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen.

Mit wem können Sie sich eine Koalition nach der Wahl verstellen?

Eine Koalition mit der FPÖ kommt für uns unter keinen Umständen in Frage. Mit ihr haben wir einfach zu wenige Verbindungen.  Sonst sind wir mit allen Parteien gesprächsbereit.

Also auch mit der SPÖ, obwohl es eigentlich Ihr Ziel war, dass es in Wien keinen roten Bürgermeister mehr gibt?

Voraussetzung ist, dass sich die SPÖ neu erfindet. Dahingehend, dass  Korruption, Miss-  und Freunderlwirtschaft in der Stadtregierung keinen Platz  mehr haben kann. Wir müssten auch darauf schauen, wo wir im politischen System Wiens und in der Verwaltung einsparen können.