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Chronik Wien
10/08/2021

Planer des Krankenhauses Nord auch in Luxemburg glücklos

Projekt Südspidol: Wiener Architekt Albert Wimmer wurde nach Ungereimtheiten um Zeitplan und Kosten vom Bauherrn gefeuert

von Josef Gebhard

Planungschaos, Zeitpläne, die nicht halten, Streitereien: Was sich aktuell rund um das geplante Krankenhaus Südspidol (Südspital) in Esch/Alzette (Luxemburg) abspielt, wird in Wien vielleicht ein Déjà-vu auslösen. Erinnern doch die Vorgänge frappant an die Querelen beim Bau des Krankenhaus Nord (heute Klinik Floridsdorf).

Vom Bauen ist man in Luxemburg noch eine Weile entfernt. Dass der für 2022 geplante Baustart hält, ist mehr als ungewiss. Fix ist aber jetzt schon: Planung und Bau wird nicht wie vorgesehen von der „Health Team Europe“ (HTE) begleitet. Vor wenigen Wochen hat der Bauherr, das „Centre Hospitalier Emile Mayrisch“, den Vertrag mit dem Teilgerneralplaner gekündigt.

600 Betten

Die HTE hätte das 600-Betten-Spital mit geschätzten Kosten von 570 Millionen Euro bis 2025 fertigstellen sollen.

Das Pikante daran: Zentraler Akteur in der HTE ist der Wiener Architekt Albert Wimmer. Ihm werden beste Kontakte zur Wiener Stadtregierung nachgesagt, in den vergangenen Jahren wurde er mit zahlreichen Projekten in der Stadt betraut.

Darunter das Krankenhaus Nord, wo er als Architekt und Teilgeneralplaner fungierte. Bekanntlich geriet das Bauvorhaben völlig aus dem Ruder, Zeit- und Kostenpläne hielten nicht einmal annähernd, letztlich beschäftigte sich sogar eine U-Kommission mit dem Bauskandal.

Ähnliches befürchtete man offenbar auch in Luxemburg, weshalb der Bauherr die Reißleine zog. Er wirft Wimmers HTE drei Verfehlungen vor, wie unter anderem die Zeitung Luxemburger Wort berichtet. HTE habe bisher keine belastbare Planung vorgelegt. Zweitens habe man keine Klarheit über die Kosten herstellen können. Schließlich habe man sich nicht über die Bauüberwachung einigen können: Seitens HTE habe es keine verbindliche Zusage gegeben, ob diese Leistung ohne Zusatzkosten durchgeführt werden könne.

Massive Verzögerungen

Der Bauherr rechnet jetzt mit massiven Verzögerungen. Womöglich werden erst 2031 die ersten Patienten im Spital behandelt.

Wimmer hatte sich 2015 im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs gegen 170 Konkurrenten durchgesetzt. Der KURIER hat sein Büro am Donnerstag mit den Vorwürfen aus Luxemburg konfrontiert. Bis Redaktionsschluss blieb eine Stellungnahme aus.

Im Luxemburger Wort wird HTE folgendermaßen zitiert: Man bedauere die Vertragskündigung, bemühe sich aber um eine geordnete und konsensuale Übergabe. Der bislang ausgebliebene Schritt vom Planen zum Bauen sowie die erhöhten Baukosten seien auf zahlreiche Änderungsanträge zum initialen Projekt zurückzuführen, betont man bei HTE.

Kritik der ÖVP

Die Causa lässt nun auch die Wiener Rathaus-Opposition hellhörig werden: „Es war bereits in Wien völlig unverständlich, wieso ein Architekt wie Albert Wimmer ein Krankenhaus planen soll, der noch nie zuvor ein Spital geplant hat“, sagen die ÖVP-Gemeinderäte Ingrid Korosec und Patrick Gasselich.

ÖVP " ALTER IN WÜRDE": KOROSEC

„Bei dem Projekt in Luxemburg führen ähnlich wie in Wien diese Fehler zu erheblichen Mehrkosten und langen Verzögerungen.“

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