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Chronik Wien
04/05/2019

Nach KH-Nord-Skandal: Gemeindespitäler bekommen Baugesellschaft

Sie kümmert sich um Projektmanagement und -leitung bei künftigen Groß-Bauvorhaben. Etwa die Absiedelung des Otto-Wagner-Spitals.

von Josef Gebhard

Die Stadt Wien beginnt ihre Lehren aus dem Bauskandal Krankenhaus Nord zu ziehen: Der Krankenanstaltenverbund (KAV) bekommt nun eine eigene Gesellschaft, die sich um künftige große Bau- und Sanierungsmaßnahmen in den Gemeindespitälern kümmern wird. Das wurde vor wenigen Tagen im zuständigen Gesundheitsausschuss des Gemeinderats beschlossen.

Konkret geplant ist eine Projektentwicklungs- und BaumanagementGmbH, die eine hundertprozentige Tochter des KAV sein wird und auch in dessen Zentrale in Erdberg ihren Sitz haben wird. Die Gesellschaft wird „im Auftrag des Bauherrn KAV die Projektmanagementaufgaben und die Projektleitung von künftigen Großbauvorhaben und Großsanierungen übernehmen“, heißt es in dem Antrag, der dem KURIER vorliegt. Für die Bauausführung selbst wird sie aber nicht zuständig sein.

Im Antrag wird auch begründet, warum eine solche Organisation notwendig ist: „Das erforderliche Fachwissen für ein effizientes Multiprojektmanagement der geplanten Spitalsbauprojekte ist im […] KAV kurz- und mittelfristig nicht in der erforderlichen Dichte verfügbar. Die Rekrutierung von geeigneten FachexpertInnen aus dem privaten Markt ist angesichts der dienstvertraglichen Usancen und des Marktwerts dieser Personen nach den einzuhaltenden Rahmenbedingungen im öffentlichen Dienst nicht möglich.“

Laut Herwig Wetzlinger, im KAV für Baumaßnahmen zuständiger stv. Generaldirektor, werden in der neuen Gesellschaft 20 bis 30 Experten tätig sein, die nach dem branchenüblichen Kollektivvertrag bezahlt werden. „Vorbild sind andere Großbetriebe wie die ÖBB oder der Verbund, die ähnliche Gesellschaften haben“, sagt er zum KURIER.   

Arbeit kommt auf die neue Organisation genug zu. Nach der Eröffnung des KH Nord stehen im KAV gleich mehrere Großprojekte an. Allen voran die Absiedlung und die Aufteilung der Leistungen des Otto-Wagner-Spitals auf andere Standorte. Weiters die Sanierung bzw. der Neubau der zum Teil bereits sehr baufälligen Standorte Wilhelminenspital und Hietzing.

Erfreut zeigen sich die Neos: „Mit der Bündelung der Kompetenzen im Baubereich wird eine Forderung von uns umgesetzt“, sagt Gesundheitssprecher Stefan Gara. „Wichtig ist aber, dass für die neue Gesellschaft das Interpellationsrecht (Prüfrecht des Gemeinderats, Anm.) sichergestellt wird.“